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Ansicht der ehemaligen Umbrüggler Alm von Westen. Aquarell von A. Bergmann, 1953
Ansicht der ehemaligen Umbrüggler Alm von Westen. Aquarell von A. Bergmann, 1953

Die Umbrüggler Alm

Innsbrucker Stadtalm und Heimat des Kasermandls

Über 400 Jahren lang befand sich oberhalb von Innsbruck an der Nordkette in 1111m Höhe in gut erreichbarer Lage die Umbrüggler Alm, welche eine sehr wechselvolle Geschichte besitzt. 1979 abgerissen soll sie bis Ende 2015 in beeindruckender Architektur neu errichtet werden und als weitere attraktive Einkehrmöglichkeit für Einheimische wie auch für Touristen dienen. 

Von der Innbrüggler Alm zur Umbrüggler Alm

Ursprünglich stammt der Name von den Bewohnern der Anbruggen (Teile von Mariahilf, St. Nikolaus und Hötting), die das Recht zum Viehweideauftrieb besaßen. Im 17. Jahrhundert wurde umgangssprachlich „Anbruggen“ schon als „un-brugg’n“ ausgesprochen, woraus sich dann über „Unbrüggler Alm“ letztlich die heutige Schreibung und Aussprache „Umbrüggler Alm“ herausentwickelte.

Eine wechselvolle und lange Geschichte

Über die Ursprünge der Alm ist nichts bekannt. Ebenso gibt es nur spärliche Nachrichten für die Zeit bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. 1535 etwa wird ein Stefan Prager, Metzger in Mariahilf, genannt, der als Bergrichter auf der „Anbrugger Albm“ fungiert. Er dürfte hier die Funktion des örtlichen Vertreters des Haller Bergrichters ausgeübt haben.

1704 wiederum findet sich die Umbrüggler Alm auf dem sogenannten Hofwaldplan, ein Plan, der den landesfürstlichen Waldbestand darstellt, eingezeichnet.

Interessant wird es dann 1873: Anton Graßmair stellte an den Höttinger Gemeinderat den Antrag auf Errichtung einer neuen Almhütte, da die jetzige ihren Zweck zur Unterbringung von Senner und Vieh nicht mehr erfülle. Diesem Antrag wurde zugestimmt, mehr noch: Das Projekt des Neubaus wurde noch vor dem notwendigen Bau eines neuen Schulhauses gereiht! Der Bau der neuen Almhütte ging zügig voran, denn schon im Frühjahr 1873 berichtet der „Bote von Tirol und Vorarlberg“ in einem ausführlichen Artikel über die neue Alm:

Die Umbrüggler Alm um 1960. Auf der Rückseite der Postkarte befindet sich ein Stempel: "Umbrüggler Alm. Pächter: Siefried Ried. Gramart 18. Innsbruck, Tirol"
Die Umbrüggler Alm um 1960. Auf der Rückseite der Postkarte befindet sich ein Stempel: "Umbrüggler Alm. Pächter: Siefried Ried. Gramart 18. Innsbruck, Tirol"

„Der Besuch dieser kleinen, aber gemüthlichen, in der Innsbrucker Gegend weithin sichtbaren Alpe, kann jedem Einheimischen wie Fremden mit bestem Gewissen empfohlen werden.“

Bemerkenswert ist der Stellenwert der Alm, der schon beim Antrag auf den Neubau ersichtlich geworden ist, denn 1873 befanden sich 91 Stück Vieh auf der Alm, eine Zahl, die in den nächsten 100 Jahren nie mehr erreicht wurde und die Bedeutung der Alm für die Gemeinde Hötting deutlich dokumentiert. Zum Vergleich: 1961 beherbergte die Umbrüggler Alm nur mehr 15 Stück Vieh, 1964 sank die Zahl auf 6 Milchkühe!

1873 wurde auch erstmals der Ausschank und die Ausgabe von einfachen kalten und warmen Gerichten auf der Alm gestattet.

Anfänglich wurde zur Betreuung der Hütte ein Bergmeister bzw. Aufseher von der Gemeinde bestellt. Bald ging man aber dazu über, die Alm zu verpachten, zuerst nur an Höttinger. Mit der Eingemeindung 1938 ging die Umbrückler Alm in den Besitz der Stadt Innsbruck über und von da an wurde sie auch an Nicht-Höttinger verpachtet. Unter den zahlreichen Pächtern finden sich etwa Baron von Sternbach (1902), Vitus Stolz (1908), der Tourismusverein „Die Naturfreunde“ (1910–1911) oder der Gutsbesitzer Josef Leitinger (1916–1919). Nach 1945 waren es vor allem zwei Höttinger Familien, die die Alm mit Gastgewerbe-Konzession bewirtschafteten. Unter ihnen findet sich der bekannte Siegfried Ried vulgo „Hanopampele-Bauer“.

Das Kasermandl

Die Umbrüggler Alm ist eng verbunden mit dem Kasermandl. Auf der Alm wurde vom Tiroler Lieddichter Josef Pöll (1874–1940) zusammen mit dem „Stamser Luis“, Pächter der Alm und Vorgänger von Siegfried Ried, der Liedtext für „Das Kasermandl“ gedichtet.

Bei der sagenumwobenen Gestalt des Kasermandls handelt es sich um einen kleinen Almgeist, der im Winter auf der Hütte sein Unwesen treibt. Es ist von Natur aus gutmütig, aber auch boshaft und rachgierig, wenn es gereizt wird. Ursprünglich soll das Kasermandl selbst ein Senner gewesen sein, der nach seinem Tod für seine Missetaten büßen muss. Das Kasermandl treibt aber nicht allein auf der Umbrückler Alm sein Unwesen, sondern findet sich auch auf vielen anderen Almen wieder.

Ein Auszug aus dem berühmten Kasermandl-Lied
Ein Auszug aus dem berühmten Kasermandl-Lied

Dem Ende zu und dem Neuanfang entgegen

Immer wieder waren größere Reparaturen und Instandsetzungsmaßnahmen notwendig, so etwa in den Jahren 1899, 1909, 1932 und 1953/54, als die Hütte durch einen Lawinenabgang stark beschädigt wurde. Der Anfang vom Ende der „alten“ Umbrüggler Alm begann 1976, als die Lebensmittelpolizei eine Kontrolle der Almwirtschaften im Raum der Nordkette durchführte. Bei der Bodenstein-Alm und der Höttinger-Alm gab es keine Beanstandungen, die Umbrüggler Alm „[…] hingegen ist völlig veraltet, weist unzulängliche Lagerräume für Lebensmittel auf und entspricht hinsichtlich Ausstattung und Almbewirtschaftung nicht den hygienischen Mindesterfordernissen […]“ Nach längeren Kontroversen kündigte der letzte Pächter am 23. Jänner 1979 den Pachtvertrag. Aus baulichen Gründen beschloss der Stadtsenat am 18.4.1979 den Abbruch der Umbrüggler Alm.

Ursprünglicher Standort der Umbrüggler Alm, 2003
Ursprünglicher Standort der Umbrüggler Alm, 2003

In den 35 Jahren zwischen dem Abbruch der Alm und dem Spatenstich für den Neubau finden sich Dutzende von Zeitungsartikeln über geplante Wiederaufbaumaßnahmen, die aber immer wieder scheiterten bzw. sich verzögerten.

Mit Ende 2015 soll das aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt der Architekten Philip Lutz und Elmar Ludescher fertig gestellt sein, womit das Kasermandl endlich wieder eine seiner Heimstätten zurückerhält. 

 

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum:
Roland Kubanda