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„,Nein‘ gesagt hat noch niemand“

Im Mai herrscht im Innsbrucker Standesamt Hochbetrieb – knapp 100 Trauungen geplant

Seit dem Jahr 1939 kann im Goldenen Dachl der Bund für’s Leben geschlossen werden. Ungefähr 500 Paare pro Jahr nutzen die Möglichkeit, besonders in den Monaten Mai und Juni herrscht im Trausaal in der Innsbrucker Altstadt Hochbetrieb.

Hochzeitshöhepunkt im Mai und Juni

Knapp 100 Hochzeiten sind für Mai 2015 geplant. Der Wonnemonat Mai liegt damit an erster Stelle der beliebtesten Heiratsmonate – dicht gefolgt vom Juni. Das besondere Datum 15.05.15 zieht heuer viele Paare genau an diesem Tag ins Standesamt: Insgesamt zwölf Trauungen sind eingeplant. Ob alle kommen, ist nicht garantiert. „Nicht erschienen sind schon ein paar, ,Nein‘ gesagt hat allerdings noch nie jemand“, erzählt Standesbeamter Markus Tilly. Seit knapp 20 Jahren traut er im Auftrag der amtierenden BürgermeisterInnen im Goldenen Dachl Hochzeitspaare. 

Außenhochzeiten sind beliebt

Seit dem Jahr 2013 können Paare, die in Innsbruck standesamtlich verheiratet werden, neben dem traditionellen Goldenen Dachl aus zwei zusätzlichen Orten für die Trauung wählen. Außenhochzeiten sind derzeit im Congresspark Igls und in der Villa Blanka – bei schönem Wetter auch im Freien – möglich. Neu ist seit 01. November 2013 auch, dass ohne TrauzeugInnen der Bund für’s Leben eingegangen werden kann. Eine Hochzeit zu zweit allein mit StandesbeamtIn ist demnach möglich. „Das kommt gut an, viele wollen in diesem Moment keinen Trubel. Diese Trauungen sind oft sehr emotional, das Brautpaar kann sich auf das Wesentliche konzentrieren“, so Tilly.
Neben traditionellen Vermählungen von Mann und Frau führt Tilly mit seinen vier KollegInnen auch immer wieder Verpartnerungen durch. Ungefähr 25 gleichgeschlechtliche Paare werden in der Tiroler Landeshauptstadt pro Jahr verpartnert. Im Ablauf der Zeremonie gibt es dabei kaum Unterschiede zu einer Hochzeit. Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer war die annähernde Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare von Beginn an ein Anliegen: „Die Stadt Innsbruck hat bereits 2010 eine Diskriminierung in dieser Angelegenheit gleich von Beginn an ausgeschlossen und beweist damit ihren Weitblick in gesellschaftspolitischen Fragen. Diesen Weg werden wir in unserer Stadt auch weiterhin gehen.“ 

Halloween-Hochzeit & Tattoos

Eigentlich laufen die meisten Trauungen in Innsbruck ruhig und strukturiert ab. Aber auch hier hat Markus Tilly in seinen knapp zwei Jahrzehnten als Standesbeamter bereits die eine oder andere Kuriosität erlebt: „Ein Paar wollte sich, statt echte Ringe zu tauschen, welche tätowieren lassen – direkt im Trausaal. Das war leider nicht möglich, das Goldene Dachl ist schließlich kein Tattoostudio.“ Auch an eine „Halloween-Hochzeit“, die am 31. Oktober 2013 stattgefunden hat, erinnert sich Tilly noch genau. Dabei war das Brautpaar ziemlich gruselig geschminkt, „Ja“ gesagt haben sie trotzdem.
Eine Beschränkung bei standesamtlichen Ehen gibt es nicht. Das beweist das Beispiel einer Dame, die insgesamt acht Mal in Innsbruck geheiratet hat. 

Tracht wird immer beliebter

Auch über die Kleidung der Brautpaare kann der Standesbeamte etwas erzählen: „Früher heirateten mehr Bräute in Weiß“, erzählt Tilly. Dafür würden aktuell besonders Trachten beliebt sein. Dirndl und Lederhose sind also „in“ bei Brautpaaren. Aber auch ganz leger kommen die einen oder anderen Paare zu ihrer Hochzeit.
Innsbruck ist nicht nur bei Einheimischen ein beliebter Hochzeitshotspot – auch viele TouristInnen nutzen die Möglichkeit. So traute Tilly beispielsweise auch schon Paare aus den USA, Nigeria oder England. (DH)