(v.l.n.r.) Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr, Bürgermeister Johannes Anzengruber, Landtagsabgeordnete Elisabeth Fleischanderl und Wolfgang Grünzweig von den Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen, Landtagsabgeordneter Christoph Appler und Landesobmann Clemens Hornich von der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten bei der Kranzniederlegung vor dem Mahnmal Reichenau.
(v.l.n.r.) Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr, Bürgermeister Johannes Anzengruber, Landtagsabgeordnete Elisabeth Fleischanderl und Wolfgang Grünzweig von den Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen, Landtagsabgeordneter Christoph Appler und Landesobmann Clemens Hornich von der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten bei der Kranzniederlegung vor dem Mahnmal Reichenau.

Lager Reichenau: Gedenktag und Gedenkort

Gemeinsame Kranzniederlegung – Gedenkort Reichenau in Umsetzung

Am 27. Jänner wird weltweit der Internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust begangen. So auch in Innsbruck: Mit einer gemeinsamen Kranzniederlegung am bestehenden Mahnmal in der Roßaugasse wurde unter Anteilnahme von Vertreter:innen der Stadt Innsbruck, des Landes Tirol, der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg sowie dem Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten der Opfer des Lagerkomplexes Reichenau gedacht. Zeitgleich entsteht in unmittelbarer Nähe des Mahnmals der neue Gedenkort Reichenau.

„Der heutige Tag markiert die Befreiung der Menschen aus dem KZ Auschwitz und wird seit Jahrzehnten als Gedenktag begangen. Aber nicht nur heute gedenken wir: Jeder Tag muss ein 27. Jänner sein, ein 8. Mai, oder ein 9. November. Denn an jedem Tag des Jahres wollen wir der Opfer des NS-Unrechts gedenken und die Erinnerung an sie als Imperativ leben, eine Wiederholung der unfassbaren Verbrechen für alle Zeit zu verhindern. Das machen wir heute wie morgen, am bestehenden Mahnmal wie am neuen Gedenkort Reichenau – überall und jederzeit“, betont Bürgermeister Ing. Mag. Johannes Anzengruber, BSc.

Bürgermeister Johannes Anzengruber sprach als Vertreter der Stadt Innsbruck.
Bürgermeister Johannes Anzengruber sprach als Vertreter der Stadt Innsbruck.

„Mit dem Gedenkort Reichenau schaffen wir einen würdigen und zeitgemäßen Ort der Erinnerung, des Lernens und des Niemals-Vergessens – für alle Generationen, jetzige wie künftige. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber die Zukunft gestalten. Genau das wollen wir mit der Umsetzung dieses richtungsweisenden Gedenkprojekts erreichen. Das sind wir jedem einzelnen Menschen schuldig, der hier inhaftiert, gefoltert oder ermordet wurde“, erklärt Vizebürgermeister Georg Willi zur Umsetzung des Gedenkortes Reichenau.

Gemeinsame Kranzniederlegung

Am Dienstag, den 27. Jänner 2026 fand wieder die gemeinsame Kranzniederlegung vor dem bestehenden Mahnmal für die Opfer des Lagerkomplexes Reichenau vor der Roßaugasse 4a statt. Seit dem Jahr 2023 ist die Stadt Mitorganisatorin der Gedenkveranstaltung, in den Jahren zuvor wurde diese von den Verbänden gemeinsam organisiert.

Am 27. Jänner 2026 fand wieder die gemeinsame Kranzniederlegung vor dem bestehenden Mahnmal für die Opfer des Lagerkomplexes Reichenau statt.
Am 27. Jänner 2026 fand wieder die gemeinsame Kranzniederlegung vor dem bestehenden Mahnmal für die Opfer des Lagerkomplexes Reichenau statt.

„Mit der Kranzniederlegung gedenken wir der Opfer der NS-Diktatur – besonders hier in Tirol und in der Roßau. Erinnerung ist mehr als Rückblick: Sie ist Auftrag für die Gegenwart. Gerade angesichts zunehmenden Antisemitismus stehen wir geschlossen gegen Hass, Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Der Schutz der Menschenwürde ist unsere gemeinsame Verantwortung. Gedenken allein reicht nicht, es braucht Bildung, Haltung und Prävention!“, erklärt Landtagsabgeordneter Christoph Appler.

Landtagsabgeordneter Christoph Appler: „Der Schutz der Menschenwürde ist unsere gemeinsame Verantwortung.“
Landtagsabgeordneter Christoph Appler: „Der Schutz der Menschenwürde ist unsere gemeinsame Verantwortung.“

„Erinnern bedeutet vom ursprünglichen Wortsinn her, sich nach innen wenden, reflektieren, der Sache auf den Grund gehen. Erinnern soll also kein Ritual und auch keine Gelegenheit sein, Unangenehmes in die Vergangenheit wegzuräumen. Es ist daher notwendig, sich vor Augen zu führen, warum die Shoa möglich war und wie es zu einem der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte kommen konnte – besonders auch wieder im Kontext des erstarkenden Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023“, betont Vizepräsident Dietmar Shimon Gstrein (Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg).

Vizepräsident Dietmar Shimon Gstrein sprach für die Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg.
Vizepräsident Dietmar Shimon Gstrein sprach für die Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg.

„Wir legen heute gemeinsam den Kranz nieder für alle, die unter dem Unrecht der NS-Diktatur gelitten haben. Wir dürfen die grausamen Verbrechen und das unbeschreibliche Leid der Opfer niemals vergessen. Im Lager Reichenau und an vielen anderen Orten wurden unschuldige Menschen inhaftiert, gefoltert und ermordet. Wir haben die Pflicht, ihr Andenken für alle Zeit zu bewahren“, unterstreicht Landesobmann Clemens Hornich von der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich.

Landesobmann Clemens Hornich nahm von Seiten der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten teil.
Landesobmann Clemens Hornich nahm von Seiten der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten teil.

„Erinnern heißt, aktiv gegen das Vergessen zu handeln und sich bewusst zu machen, welche Verbrechen im Namen der NS-Ideologie auch hier in Tirol begangen wurden. Denn die Millionen von Toten aus der NS-Zeit sprechen eine gemeinsame Sprache: Nie wieder!“, erklärt die Vorsitzende der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen, Landtagsabgeordnete Elisabeth Fleischanderl, BA.

Landtagsabgeordnete Elisabeth Fleischanderl (Vorsitzende der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen): „Die Millionen von Toten aus der NS-Zeit sprechen eine gemeinsame Sprache: Nie wieder!“
Landtagsabgeordnete Elisabeth Fleischanderl (Vorsitzende der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen): „Die Millionen von Toten aus der NS-Zeit sprechen eine gemeinsame Sprache: Nie wieder!“

„Im Arbeitserziehungslager Reichenau wurden 115 Menschen aus zahlreichen Ländern Europas ermordet, hunderte weitere verschleppte die Gestapo von hier aus in Konzentrationslager. Unter den Opfern waren viele Jüdinnen und Juden, sogar aus Libyen. Der künftige Gedenkort Reichenau nimmt ihre Geschichten von Leiden und Sterben dauerhaft in die Erinnerungslandschaft Tirols auf“, betont der Zeithistoriker Dr. Horst Schreiber, Mitglied der Expert:innenkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Lagerkomplexes Reichenau.

Der Historiker Horst Schreiber (r.) hielt gemeinsam mit Wolfgang Grünzweig (l.) die Gedenkrede.
Der Historiker Horst Schreiber (r.) hielt gemeinsam mit Wolfgang Grünzweig (l.) die Gedenkrede.

Gedenkort Reichenau
Seit der Aufarbeitung der Geschichte des Lagerkomplexes liegen die Namen und biografischen Details von bislang 115 Menschen, die dort ermordet wurden, erstmals gesammelt vor. Auf Basis des Forschungsberichts der Kommission wurde vom Innsbrucker Gemeinderat einstimmig beschlossen, am Innufer östlich der Grenobler Brücke den neuen Gedenkort Reichenau zu schaffen: Entlang von Zeitstrahlen am Boden, die die Monate, in denen das Lager bestand, markieren, befinden sich entsprechend des Todesdatums der Opfer individuelle Namenssteine. In einem offenen Pavillon finden sich Informationen zu den Umständen im Lagerkomplex sowie zu dessen Opfern. Rund 8.500 Pflastersteine, die sich zu einer Welle erheben, verdeutlichen die Anzahl der Menschen, die im Lagerkomplex Reichenau inhaftiert waren. Begleitend zum physischen Gedenkort werden zudem ein Audioweg sowie eine Website entstehen.

Die Bauarbeiten für den neuen Gedenkort begannen bereits im Vorjahr, beim symbolischen Baustart am 8. Mai 2025 wurden die ersten Prototypen der Namenssteine vorgestellt. Seit Herbst 2025 geht der Gedenkort in die größere Umsetzung, in den letzten Monaten wurde die Topografie des künftigen Gedenkorts geschaffen. Auch die Platzierung der 115 einzelnen Namenssteine ist mittlerweile umgesetzt, im Frühjahr 2026 folgt die Pflasterung, die Phase 1 des Projekts abschließt. Die Umsetzung von Bauphase 2 wird voraussichtlich Mitte 2026 starten. FB

Weitere Eindrücke der Gedenkveranstaltung finden sich in folgender Bildergalerie: