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Der große Kessel des Gaswerkes in der Bildmitte, fast als Wahrzeichen des noch sehr kleinen Pradl.
Der große Kessel des Gaswerkes in der Bildmitte, fast als Wahrzeichen des noch sehr kleinen Pradl.

Innsbruck vor 100 Jahren - Mai 1915

01. Mai 1915:
Schutt und Unrat ablagern ist bei Strafe verboten! So steht es auf einer Tafel zu lesen, welche der Stadtmagistrat am Eingange in den ehemaligen Viehplatz in der Amraserstraße – Defreggerstraße errichten ließ. Die Bewohner der umliegenden Häuser waren dem Stadtmagistrat sehr dankbar für dieses Verbot. Aber was nützt dieses? Täglich kann man sehen, wie von den Angestellten der Stadt der ganze auf den Straßen zusammengekehrte Unrat trotzdem dort abgelagert wird. Es dürfte auch gewiß nicht der Hygiene widersprechen, wenn die zwei großen Misthäufen an diesem Platze entfernt würden.

06. Mai 1915:
Ein Schuß. Bei dem von Standschützen bewachten militärischen Magazine in der Reichenau fiel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zwischen 2 und 3 Uhr früh ein Schuß, der dem dort diensttuenden Posten gegolten haben soll. Der Mantel des Postens zeigt am Arme die Spuren eines Schusses. Die Untersuchung gegen den unbekannten Täter – es sollen zwei Individuen gewesen sein – ist eingeleitet.

07. Mai 1915:
Maiausflug der Blinden. Am Dienstag machten die Zöglinge des hiesigen Blindeninstitutes unter Leitung des Direktors Pfarrer Vinatzer von Pradl in Begleitung zweier Schwestern und des Lehrers einen Ausflug in die Stiftalm oberhalb des Volderer Wildbades. Die Kinder freuten sich über den „Jochübergang“, den ihnen Pfarrer Vinatzer verhieß. Das Joch war das bekannte „Windegg“. In der Stiftsalm wurde abgekocht und nur zu schnell vergingen die Stunden des Tages. Der Heimweg führte nach Hall, von wo die Ausflügler mit der Bahn zurückkehrten. Der Dank der Zöglinge mag Pfarrer Vinatzer die beste Vergeltung sein, für die Veranstaltung des Ausfluges.

Die Kreuzung Amraserstraße und Defreggerstraße um 1930.
Die Kreuzung Amraserstraße und Defreggerstraße um 1930.

08. Mai 1915:
Vom Innsbrucker Verschönerungsverein wurden zu Gunsten der Militärspitäler vorläufig 25 neue Sitzbänke im Stadtgebiete aufgestellt und auf folgende gut gelegene Orte verteilt: Fabriksgasse, Allee zwischen Damenbad und der Pradler Brücke, Pradler Kirchenplatz, rechtes Sillufer, untere Viaduktgasse, Haltestelle Claudiaplatz, Rasenplatz neben der Handelsakademie, Akademiestraße, Maximilianstraße (Zelgergrund), alter botanischer Garten (jetzt Gymnasialspielplatz) und sie tragen die Aufschrift: „Für verwundete Krieger vorbehaltene Bank.“ Damit soll angedeutet sein, daß sie in erster Linie den erholungsbedürftigen Soldaten gewidmet sind. Weitere Bänke werden noch an anderen Punkten der Stadt zur Aufstellung gelangen und wie diese der Bevölkerung angenehm zu gute kommen.

10. Mai 1915:
Mordende Hunde. Gestern wurde am Höttingerberge im sog. Langen Lehner, ein Schaf von einem herrenlosen Hunde angefallen und arg zerfleischt. Mehrere Knaben, die zufällig in der Nähe waren, verjagten den Hund und nahmen sich des angefallenen Schafes an. Die Verletzungen waren aber derart, daß das Schaf vom Besitzer geschlachtet werden mußte.

11. Mai 1915:
Tod durch einen Zwetschkenkern. Das vierjährige Söhnchen des Magistratshilfsbeamten Johann Kremser schluckte vor einigen Tagen einen Zwetschkenkern und die Folge davon war die Notwendigkeit einer Operation. Der muntere Kleine starb aber leider schon vorher infolge einer inzwischen eingetretenen Blinddarmentzündung, zum großen Leide seiner Eltern.

Die neue Kapelle in Windegg bei Volder Wildbad 1911.
Die neue Kapelle in Windegg bei Volder Wildbad 1911.

12. Mai 1915:
Das Soldatenheim in der Richard Wagnerstraße 4, jeden Tag geöffnet, ausgenommen Samstags, von 1 bis 5 Uhr, hatte im vergangenen Monat April einen totale Besucherzahl von 1317 Mann. Ausgeteilt wurden 1235 Tee- und ebenso viele Brotportionen, dabei gelangten annähernd 2500 Zigarren und Zigaretten zur Verteilung. Im laufenden Monat überstiegen die Besucher jeden Tag durchschnittlich die Zahl 100. Bei Musik und kräftigem Soldatengesang unterhalten sich die Verwundeten und kranken Wehrmänner aufs zwangsloseste und beste und kehren dann wieder in dankbarer Erinnerung an eine unter Kameraden und Leidensgefährten in fröhlichem Kreise verbrachte Stunde in ihre Verpflegsorte zurück. […]

17. Mai 1915:
Der Alkohol warf am Samstag nachts einen 40jährigen Zimmermann in der Museumstraße aufs Straßenpflaster. Blutüberströmt fand ihn die Polizei, übergab ihn der Rettungsabteilung behufs Transport und Notverband und nahm ihn für den Rest der Nacht in Obhut.

Der Platz vor der neu errichteten Pradler Pfarrkirche hat wohl eine Sitzbank vertragen.
Der Platz vor der neu errichteten Pradler Pfarrkirche hat wohl eine Sitzbank vertragen.

18. Mai 1915:
Ein nächtlicher Ueberfall. Am Sonntag gegen 9 Uhr abends wurde ein in Mariahilf (Schießangergasse) ansässiger Wäschereiinhaber von einem unbekannten Manne mit einem Revolver angeschossen. Die Kugel durchbohrte glücklicherweise nur den Hut. Der Ueberfall erfolgte auf dem Abkürzungswege, der vom Mariahilfer Brückele über die Sandgrube zur ehemaligen Landesschützenkaserne führt. Vom Täter fehlt bisher jede Spur.

20. Mai 1915:
Ein Diebsnest. Wir haben gestern berichtet, daß auf der Strecke der elektrischen Mittenwaldbahn die Verbindungsdrähte an den Schienen von einem unbekannten Manne gestohlen wurden. Der Täter heißt Josef G[…]; er wohnt in der Kapuzinergasse. Wie nun festgestellt wurde, hat G[…] in wiederholten Angriffen eine große Menge solcher Drähte im Werte von mehreren hundert Kronen, zum Schaden der Mittenwaldbahn entwendet. G[…] veräußerte das auf diese Weise an sich gebrachte Kupfer teils bei einem Kupferschmiede, teils bei einem Hadernsammler in Innsbruck. […]

24. Mai 1915:
Der Treubruch ohnegleichen. Nach der Kriegserklärung Italiens. […] Krieg mit Italien! Der Pfingstsonntag, 23. Mai, des Jahres 1915 ist nun zum welthistorischen Datum geworden. An diesem Tage geschah es, daß Italien, mit dem wir seit über 32 Jahre im Dreibunde freundschaftlich vereint gewesen, uns in einer Zeit, da wir die Ehre unseres Vaterlandes gegen sieben Angreifer zu verteidigen haben, in den Rücken fiel und sich offen auf die Seite unserer Feinde stellte. […]

25. Mai 1915:
Keine Unterbrechung des Gaswerksbetriebes. Nach umlaufenden Gerüchten, deren Entstehen rätselhaft erscheint, soll der Betrieb des städt. Gaswerkes wegen Kriegsgefahr eingestellt werden. Wir vernehmen, daß dies bestimmt nicht der Fall ist und hiefür nach allen bisherigen Kriegserfahrungen betreffend Gaswerke keinerlei Anlaß besteht.

Die Museumstraße erscheint tagsüber als Idyll.
Die Museumstraße erscheint tagsüber als Idyll.

26. Mai 1915:
Bitte aus einem Notreservespital. Die Aufsichtsdamen des neu errichteten Notreservespitals Nr. V (neue Universität am Prügelbau) bitten edle Menschenfreunde um Zuwendung einer Haarschneidemaschine, Rasiermesser, Material und Werkzeug zu Dilettanten-Buchbindearbeit. Ferner um leihweise Ueberlassung von alten Kästen und bequemen Sessel. Im vorhinein ein herzliches Vergelts Gott.

28. Mai 1915:
Zur Einbringung der Heuernte. Die Gemeindevorstehung Hötting gibt bekannt: Jene Grundbesitzer, welche das Mähen der Wiesen wegen Mangels an Arbeitskräften nicht selbst besorgen können, werden aufgefordert, sich bei der Gemeindevorstehung zu melden, welche dann diese Arbeit mittelst Maschinen gegen Vergütung veranlassen wird. Auch wäre der eventuelle Bedarf an erwachsenen Schulknaben zur Verwendung bei der Heuernte, dort anzumelden.

29. Mai 1915:
Achtung auf die Straßenfahrordnung. Von amtlicher Seite wird neuerlich auf die seit November 1914 geltende Straßenfahrordnung aufmerksam gemacht, wonach alle Fahrzeuge, Wagen, Automobile, Motorräder, Fahrräder usw. die linke Straßenseite einzuhalten, links auszuweichen und rechts vorzufahren haben sowie dementsprechend den vorfahrenden oder entgegenkommenden Fuhrwerken Platz zu machen haben. An diese neue Verkehrsvorschrift haben sich selbstverständlich auch die Fußgänger anzupassen.

 

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von
Lukas Morscher

Die damals gerade neu errichtete Universitätsbibliothek diente zuerst als Notreservespital und dann der Unterbringung der italienischen Besatzungssoldaten. Erst ab 1924 konnte es seinen geplanten Zweck dienen.
Die damals gerade neu errichtete Universitätsbibliothek diente zuerst als Notreservespital und dann der Unterbringung der italienischen Besatzungssoldaten. Erst ab 1924 konnte es seinen geplanten Zweck dienen.