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Das Stadtsaal¬-Gebäude auf einer Fotographie um 1894.
Das Stadtsaal¬-Gebäude auf einer Fotographie um 1894.

1946-1964: Ereignisreiche Jahre rund um den Innsbrucker Stadtsaal

Die Geschichte des Innsbrucker Stadtsaales beginnt mit der Errichtung eines öffentlichen Vergnügungslokals, das 1772/73 erbaut und am 21. Dezember 1773 eröffnet wurde. Durch den sogenannten Fröhlichsgang war es ab 1775 mit der neuen Burg, der heutigen Hofburg, verbunden. Diese Verbindung wurde aber bereits 1844 wieder abgebrochen. Die Säle dienten den verschiedensten Veranstaltungen als Heimstätte. Vor allem die Nutzung als Ballsaal (=Redoute) erfreute sich großer Beliebtheit. Am 11. März 1838 fand dort auch die Erbhuldigung für Kaiser Ferdinand statt.

Am 29. August 1864 erklärte das Finanzministerium in Wien, das Redoutengebäude der Stadt Innsbruck unentgeltlich zu überlassen, wenn sich diese dafür verpflichtet, einen Neubau zu errichten. Am 13. April 1866 beschloss der Innsbrucker Bürgerausschuss allerdings, der Verpflichtung zum Neubau nicht nachzukommen. Daraufhin nahm die Statthalterei am 03. Mai 1867 die Schenkung zurück. Erst über Vermittlung von Erzherzog Karl Ludwig kaufte die Stadt den Komplex im Jahre 1878.

Im September 1885 wurde mit den Abbrucharbeiten des bestehenden Gebäudes begonnen, mit dem Neubau wurde im Februar 1888 gestartet. Die Firstfeiert konnte bereits am 24. Juni begangen werden. Feierlich und überaus pompös wurde der Stadtsaal am 06. November 1890 eröffnet. Im Mai 1896 erfolgte der Antrag, zukünftige Sitzungen des Gemeinderates anstatt im Rathaus im Adlersaal des neuen Stadtsaales abzuhalten. Bis zum Bau des neuen Rathauses im Jahr 2002 fanden die Gemeinderatssitzungen – mit Unterbrechung durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg – dort statt.

 

Der Bombentreffer

Beim Luftangriff am 16. Dezember 1944 wurden die Stadtsäle getroffen und der Gebäudekomplex zu 41% beschädigt. Durch das Eindringen von Feuchtigkeit kam es zusätzlich zu Folgeschäden und das Dach des Großen Stadtsaales stürzte ein.

Schon bald nach Kriegsende wurden von verschiedenen Seiten Anläufe zur Nutzung des beschädigten Stadtsaalgebäudes unternommen.

Der Wiederaufbau gestaltete sich schwierig und zog sich in die Länge, da im Zuge der Kriegsfolgen die Beschaffung von Baumaterialien beinahe unmöglich war. So wurden die Glaserarbeiten auf insgesamt 15 Innsbrucker Glasereien aufgeteilt. Die wirtschaftliche Not und vor allem der Mangel an erschwinglichem Wohnraum führten noch 1952 zur seltsamen Situation, dass die Stadt auf Räumung der Dienstwohnung im ersten Stock klagen musste.

In der Fortentwicklung des Bauprojekts kam es immer wieder zu Stockungen, die höchstwahrscheinlich auf den chronischen Geldmangel der Stadt Innsbruck zurückzuführen waren. In den Folgejahren hat es gleichzeitig eine Art Teilnutzung des Gebäudes gegeben: Zum Teil als Baustelle und zum Teil als Veranstaltungsort.

 

@IKM

 

Der langwierige Wiederaufbau

Von besonderem Interesse war der Wettbewerb zur Erlangung künstlerischer Arbeiten für die Ausschmückung des Stadtsaales, der von der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Landesgruppe Tirol, ausgeschrieben wurde. So wurden etwa für die Sgraffittobänder im großen Saal 21 Entwürfe vorgelegt. Der erste Preis ging an Max Weiler, der zweite wurde auf Paul Flora und Helmut Rehm aufgeteilt.

Der Fortgang des Baus war von den bautypischen kleineren und größeren Problemen mit ausführenden Firmen, Planern und vor allem den knappen finanziellen Mitteln geprägt. Die erste öffentliche Veranstaltung, ein Faschingsball, fand in einer Art Baustellenatmosphäre statt.

Im Herbst 1955 forderte Bürgermeister Franz Greiter eine Zusammenfassung der noch offenen Bauetappen. Im Antwortschreiben des Stadtbauamtes wurden fünf Punkte genannt: Der Umbau des Kellers zu einem Restaurant, der Umbau des Kaffeehauses im Erdgeschoss, der Umbau des ehemaligen Casinoraumes und eine Verbindung mit dem Kaffeehaus sowie die Neugestaltung der West- und Nordfassade. Mit einem Schreiben vom Jänner 1956 teilte das Stadtbauamt zudem mit, dass sich die Gesamtkosten für das Stadtsaalgebäude auf 16,8 Millionen Schilling belaufen.

Im August 1957 reichte die Stadtgemeinde Innsbruck beim Amt der Tiroler Landesregierung um Baugenehmigung für die Fertigstellung des Stadtsaalgebäudes ein. Das Bauvorhaben umfasste den Einbau eines Theaters, eines Cafés sowie eines Mehrzweckraumes.

 

Ein erfreuliches und ein weniger erfreuliches Ereignis

Im Juli 1960 meldeten die Tiroler Nachrichten, dass das Stadtsaal-Café feierlich wieder eröffnet wurde. Diese Eröffnung bedeutete gleichzeitig den Abschluss des Wiederaufbaus des Stadtsaal-Gebäudes.

Vier Jahre später, in der Nacht von 24. auf 25. Juli, brach im Dachbereich des Stadtsaalgebäudes ein Brand aus. Dieser konnte zwar von der Berufsfeuerwehr rasch gelöscht werden, dennoch war ein Schaden in der Höhe von etwa 3 Millionen Schilling zu beklagen. Der Schaden betraf vor allem den Großen Saal, wo die Decke einsturzgefährdet und der Dachstuhl zu zwei Drittel zerstört war. Nach umfangreichen und aufwändigen Renovierungsarbeiten war das Gebäude erst Jahre später wieder benutzbar. (AA)