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Tummelplatz, Gedenkstätte mit Kapelle. Postkarte 1910-1916
Tummelplatz, Gedenkstätte mit Kapelle. Postkarte 1910-1916

Vor 100 Jahren

1. April:
Von unserem Tummelplatz. Die Erneuerung unseres Tummelplatzes hat in den letzten Tagen bedeutende Fortschritt gemacht. Es wurden eine größere Anzahl von Kreuzen und Grabscheitern aufgestellt, welche alle auf dem Tummelplatz vorhanden waren, jedoch nur mehr als verfaulte Teilstücke herumlagen und nun wieder genau in der alten Form und Malerei – wo diese überhaupt noch herauszufinden waren – hergestellt wurden. […] Ein Besuch des herrlichen Tummelplatzes wird niemand gereuen. 17 alte, aber neuhergestellte Kreuze und Scheiter harren noch der Uebernahme. Daß auch Dichtung auf unserem Tummelplatz nicht fehlt, zeigen die folgenden Zeilen: „Laß rauschen die Tannen im Waldesgrün, laß ein Jahrtausend vorüberziehen und es wissen es noch Mann und Kind, was die Helden von Anno 14 sind.“

 

2. April:
Der „eiserne Blumenteufel“. Von amtlicher Seite wird uns mitgeteilt, daß der Plan, nach Muster des „Wehrmanns in Eisen“ in Wien auch in Innsbruck ein Wahrzeichen des großen Weltkriegs-Jahres und der in so edler Weise bekundeten Kriegsfürsorge-Tätigkeit erstehen zu lassen, bereits Gestaltung gewinnt. Die Figur des edelweißgeschmückten „Blumenteufels“ nähert sich ihrer Vollendung und in Bälde wird dieses Symbol der Tiroler Volkskraft der eisernen Nagelhülle harren, die den Kriegsfürsorgeaktionen reiche Mittel zu schaffen bezweckt, dort wo es am dringendsten Not tut, sei es fürʼs Rote Kreuz, sei es für die Witwen und Waisen der Gefallenen oder für die als Invaliden heimkehrenden Krieger.

„Der eiserne Blumenteufel“. Die Skulptur wurde vom Bildhauer Johann Heinrich nach einem Entwurf von Albin Egger-Lienz aus Zirbenholz geschnitzt und in der Maria-Theresien-Straße aufgestellt. Gegen Entrichtung einer Mindestspende konnte ein Nagel in den eisernen Blumenteufel geschlagen werden. Heute befindet sich der Blumenteufel auf dem Bergisel im Tiroler Kaiserjägermuseum.
„Der eiserne Blumenteufel“. Die Skulptur wurde vom Bildhauer Johann Heinrich nach einem Entwurf von Albin Egger-Lienz aus Zirbenholz geschnitzt und in der Maria-Theresien-Straße aufgestellt. Gegen Entrichtung einer Mindestspende konnte ein Nagel in den eisernen Blumenteufel geschlagen werden. Heute befindet sich der Blumenteufel auf dem Bergisel im Tiroler Kaiserjägermuseum.

7. April:
Vom Blindeninstitut in Pradl. Was die armen blinden Knaben im hiesigen Blindenheim unter der zielbewußten Leitung ihres Direktors Pfarrer Vinatzer von Pradl leisten, zeigt die von ihnen selbst erbaute Rutschbahn im Garten des Instituts. Ein Erdunterbau mit Brettern belegt, Schienen und ein Rollwagen bilden die Rutschbahn, ein Hauptvergnügen für die Ärmsten. Schneidig fahren die Blinden auf dieser von ihnen selbst gebauten Bahn. Und wenn es hie und da einen „Zusammenstoß“ gibt, wird der Unfall nicht ernst genommen.  

8. April:
Das Sieberer-Denkmal. Der Plan, das Denkmal für den großen Wohltäter Innsbrucks, Freiherrrn v. Sieberer, in der Maximilianstraße zu errichten, ist aufgehoben worden, weil über die Verbauung der Straße noch Unsicherheit herrscht. Man sucht nach einem anderen geeigneten Platze in der Stadt und derzeit werden im Saggen durch Aufstellung eines Provisoriums aus leichtem Material Versuche gemacht, um an einzelnen Stellen Wirkung und Eindruck zu erproben. Der Platz vor der Kapelle des Waisenhauses wurde als ungeeignet befunden und gestern wurde ein Versuch am Claudiaplatz gemacht. Durch die Errichtung eines Denkmals im Saggen würde dieser Stadtteil, der künstlerischen Schmuck nicht im Uebermaße aufweist, jedenfalls nur gewinnen und zudem wäre der Saggen schon aus dem besonderen Grunde der geeignetste Teil der Stadt für ein Sieberer-Denkmal, weil sich die größten und bedeutsamsten Werke des Verstorbenen im Saggen befinden.

Johann Freiherr von Sieberer. Johann von Sieberer (1830–1914) war einer der großen Wohltäter der Stadt Innsbruck. Porträtaufnahme um 1900
Johann Freiherr von Sieberer. Johann von Sieberer (1830–1914) war einer der großen Wohltäter der Stadt Innsbruck. Porträtaufnahme um 1900

9. April:
Das Benehmen der Schulbuben war gestern Gegenstand einer kurzen Besprechung und einer abfälligen Kritik im Gemeinderate. Es wurde mit Recht darauf hingewiesen, daß die Jungen, besonders wenn sie aus den Schulen kommen, ein flegelhaftes, ungezogenes Benehmen an den Tag legen und durch ihr Treiben auch die Passanten gefährden. Im Winter war das Schneeballwerfen auf den belebten Straßen sehr stark im Schwunge, und jetzt wird das Werfen mit Steinen in gröblicher Weise betrieben. Man merke deutlich, daß jetzt die Väter fehlen.
 

12. April:
Kein Brot ins Haus zugestellt! Die Genossenschaft der Bäcker Innsbrucks und Umgebung gibt bekannt, daß ab morgen Dienstag kein Brot mehr ins Haus zugestellt und nur mehr gegen Barzahlung im Geschäft abgegeben wird. Weiters wird an Wiederverkäufer und Gastwirte nur 10 Prozent an Ware gewährt.
 

14. April:
Stipendien. Für das Jahr 1915 sind acht Josef Kiebachʼsche und drei Martin Kapferersche Handstipendien von je 200 Kronen sowie sechs Th. Kurzmüllerʼsche Handstipendien zu je 100 Kronen zu verleihen, auf welche in Innsbruck heimatsberechtigte, arme und ordentliche Lehrlinge, welche sich einem Kunstfache oder Handwerke widmen, Anspruch haben. Ferner sind zwei Josef Kiebachʼsche Handstipendien zu je 150 Kr. für Knaben, welche ein Handwerk lernen, oder Mädchen, welche sich der Erlernung einer weiblichen Handarbeit widmen, zu verleihen. Gesuche sind an das Stadtmagistrat zu richten.
 

15. April:
Ein Unzuverlässiger. Gestern Vormittag ließ ein Mann durch eine Mittelsperson namens Fritz Ignaz (vulgo Pfisterer Naz) in Hötting seine Taschenuhr in das städt. Versatzamt tragen, um einige Kronen für den Lebensunterhalt zu bekommen. Der Nazl, ein dem Alkohol nicht abgeneigter Mensch, eignete sich den für die Uhr erhaltenen Betrag von 5 Kronen an und setzte das Geld in Schnaps um. Die Folge davon war ein kolossaler Rausch, so daß der Mensch durch die Polizei in den Gemeindearrest gebracht werden mußte. Heute mußte der Nazl sein Quartier in Hötting mit einer Zelle in dem großen Hause in der Schmerlingstraße vertauschen.

Aufstellung der k. u. k. Landsturm Ersatzkompagnie Innsbruck auf dem Prügelbauplatz, im Gebiet des heutigen Finanzamtes, 1914
Aufstellung der k. u. k. Landsturm Ersatzkompagnie Innsbruck auf dem Prügelbauplatz, im Gebiet des heutigen Finanzamtes, 1914

17. April:
Großer Zuspruch. Wir berichteten gestern, daß eine auf Namen lautende Brotkarte gefunden und bei der Innsbrucker Polizei abgegeben worden ist. Gestern meldete sich dort eine ganze Reihe von Personen als Verlustträger von Brotkarten, von keiner derselben stimmte aber der Namen mit jenem überein, welche auf der Brotkarte ersichtlich ist. Man könnte nun hieraus mannigfache Schlüsse ziehen, und zwar entweder gehen manche Leute recht nachlässig mit ihren Brotkarten um oder man wollte einen Versuch machen, noch eine Karte dazu zu bekommen.
 

19. April:
Nachlaß der Wohnungsmiete. Man schreibt uns: Die Erben nach Heinrich Boos haben in ihrem Hause Arzl Nr. 118 sämtlichen Parteien seit Beginn des Krieges die Hälfte der Wohnungsmiete nachgelassen.
 

20. April:
Gemüsebaukur. Die Vorarbeiten im Garten Rudolfstraße 4 sind beendet und der Anbau von Küchenkräutern und Salat wurde durchgeführt. In den nächsten Tagen beginnt das Setzen der verschiedenen Kohlarten. Die Teilnehmerinnen mögen sich daher vollzählig täglich um 9 Uhr vormittags oder um 2 Uhr nachmittags wegen Verteilen der Arbeiten einfinden. Die erzielte Ernte wird für Kriegsfürsorgezwecke verwendet.
 

26. April:
Barackenbauten. Auch auf dem Prügelbau nahe der neuen Universität werden nun große Baracken zu militärischen Zwecken errichtet; eine der Baracken ist bereits begonnen worden.
 

29. April:
Photographieverbot im „Tiergarten“. Vom k. u. k. Stationskommando in Innsbruck wird verlautbart: Das Photographieren und das Zeichnen in der Umgebung des Munitionsmagazins im ehemaligen Tiergarten (Höttingerau) ist für Zivilpersonen aufs strengste verboten. Zuwiderhandelnde werden verhaftet und bestraft.