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Schülerinnen der 5. Klasse der Volksschule Mariahilf mit Lehrerin Zimmeter.
Schülerinnen der 5. Klasse der Volksschule Mariahilf mit Lehrerin Zimmeter.

Vor 100 Jahren - Februar 1915

3. Februar:
Ein Bedauernswerter. Beinahe erfroren wäre am Montag unweit des „Felsenkeller“ ein 40jähriger, reisender Schneider. Der Mann hatte keine Unterkunft und litt an Anfällen, welche lange Bewußtlosigkeit zur Folge haben. Gegen 3 Uhr nachmittag fanden ihn zufällig Vorbeigehende auf, luden ihn auf einen Schlitten und schafften den fortwährend von Krämpfen Gequälten unter Mithilfe eines Wachmannes und eines Diensthabenden der Rettungsabteilung ins Krankenhaus.

Die Restauration „Felsenkeller“ in Wilten um 1907.
Die Restauration „Felsenkeller“ in Wilten um 1907.

4. Februar:
Zerstreuung für unsere Verwundeten. Die von Seite der Rettungsabteilung an Innsbrucks gutherzige Bevölkerung ergangene Bitte um Musikinstrumente und Noten hiezu hatte bisher einen erfreulichen Erfolg: 6 Zithern, 2 Geigen, 1 Pikkolo nebst verschiedenen Noten.[…]

5. Februar:
Bubenstücke. Große, alte Kindsköpfe finden einen besonderen Genuß und eine Befriedigung darin, wenn sie, spät nachts von ihrer Zecherei heimkehrend, Mitbürger aus dem Schlafe klingeln können, ohne zu bedenken, daß nicht nur die Ruhe gestört wird, sondern daß dadurch kranke und nervöse Leute sehr erschreckt werden können. In der Pradler- und der Amraserstraße haben kürzlich solche Nachtvögel fast sämtliche Hausklingeln in Bewegung gesetzt und sich dann, höhnisch lachend, verborgen. Auch im Saggen ist so ein Kindskopf, der um die zweite Morgenstunde herumklingelt. Für solche Leute wäre Volksjustiz das beste Mittel, diese „Witze“ auszutreiben.

Alte Kindsköpfe
Alte Kindsköpfe

5. Februar:
Auf Brotdiebstahl. Fast täglich, in verschiedenen Stadtteilen, wird Frühstücksbrot von den Wohnungstüren fortgestohlen, meist in der Zeit von 7 bis halb 8 Uhr früh. Da diese Professionsdiebe an diesem Tage hier und morgen dort ihre unerwünschten Besuche abstatten, ist es erschwert, die Diebe zu erwischen.

Die Innsbrucker Dauerfrischbrotbäckerei des Josef Schöpf in der Pradler Straße 53. Um 1905.
Die Innsbrucker Dauerfrischbrotbäckerei des Josef Schöpf in der Pradler Straße 53. Um 1905.

6. Februar:
Jung verdorben. Vor einiger Zeit wurde in der Franziskanerkirche hier ein Opferstock, dessen Inhalt für das Waisenhaus in der Museumstraße verwendet wird, von einem ungefähr zehnjährigen Schulmädchen beraubt. Da das Mädchen häufig Naschereien in die Schule mitbrachte, wurde die Lehrerin aufmerksam und diese fragte die Schülerin aus. Das Mädchen gestand nun ein, woher sie das Geld zum Kaufe von Schleckereien nahm.

8. Februar:
Eine Brieftaube zugeflogen. Im Bürgerlichen Brauhause in Innsbruck ist eine Brieftaube zugeflogen und eingefangen worden, weil das Tier anscheinend ermüdet war. Die Taube trägt am Fuße einen Ring […]. Das Tier befindet sich dort in Pflege.

12. Februar:
Die Hundesteuer. Der Stadtmagistrat Innsbruck schreibt uns: Die Hundebesitzer werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß der Termin zur Zahlung der Hundesteuer Samstag den 13. Februar abläuft und eine Verlängerung der Zahlungsfrist nicht stattfindet. Die Hunde brauchen nicht vorgeführt zu werden.

13. Februar: E
in sonderbarer Kauz
mußte es gewesen sein, der letzter Tage seine Grundsätze als Gegner des Krieges auf folgende Weise verbreiten wollte. Er hatte einen Vierzeiler abgefaßt, beginnend mit „Zerbrecht die Waffen“, und diesen Erguß hatte er in der Heiliggeiststraße an das Plakat geheftet, welches das letzte kaiserliche Handschreiben an seine Völker enthielt. Das Ding wurde bald herabgeschält und beseitigt.

15. Februar:
Italienisches Haus und Italienische Kirche in Innsbruck. Der italienische Kaplan in Innsbruck, Don Rosa, gibt im „Trentino“ bekannt, daß das Komitee für den Bau eines italienischen Hauses in Innsbruck am 18. Juni vorigen Jahres einen Baugrund von 2000 Quadratmeter um den Preis von 15.000 Kronen gekauft hat. Der Baugrund befindet sich gegenüber dem Hauptbahnhofe. Das Haus soll ein Theater, Versammlungs- und Lesesäle, eine Volksküche und Schlafsäle für die armen Auswanderer erhalten. […] Die örtliche Bezeichnung „gegenüber dem Hauptbahnhofe“ ist jedenfalls ungenau. Es handelt sich hier offenbar um einen Grund am rechten Sillufer, auf dem Gebiete der ehemaligen Gemeinde Pradl, und um einen Privatgrund.

16. Februar:
Das Betasten der Tabakfabrikate in der Trafiken. Von amtlicher Seite wird verlautbart: Um der gegenwärtig bestehenden erhöhten Gefahr von Krankheitsübertragungen möglichst vorzubeugen, hat das Finanzministerium über Anregung des Wiener Magistrates bis zur Wiederkehr normaler Verhältnisse angeordnet, daß die Trafikanten den Kunden die Auswahl der Zigarren und Zigaretten aus den geöffneten Kistchen und Kartons nicht mehr überlassen dürfen, sondern die gekauften Fabrikate aus dem Behältnisse selbst zu entnehmen und den Käufern einzuhändigen haben.

Wenn auch aus späterer Zeit, heute schon beinahe vergessen: Die Tabak-Trafik in St. Nikolaus.
Wenn auch aus späterer Zeit, heute schon beinahe vergessen: Die Tabak-Trafik in St. Nikolaus.

16. Februar:
Die Barackenbauten bei der sogen. Dodlkapelle in Pradl gehen ihrer Vollendung entgegen. Insgesamt sind 12 Objekte aufgestellt worden. Die Baracken sind in großen Maßstabe angelegt und haben alle Fußböden und Heizvorrichtungen.

17. Februar:
Auf der Wanderschaft den Fuß erfroren hat sich ein 63 Jahre alter, mittelloser Taglöhner. Er kam trotzdem noch über den Brenner zu Fuß nach Innsbruck und bis in die Höttingerau, von wo er im Rettungswagen in die chirurgische Klinik gebracht werden mußte, da der linke Fuß schon brandig und eitrig geworden war.

19. Februar:
Kappenbänder mit einheimischen Schiffsnamen. Der österreichische Flottenverein, Landesverband Tirol, erläßt einen Aufruf an die Jugend, nur Kappenbänder mit einheimischen Schiffsnamen zu tragen. Er ist tief beschämend, Bänder mit Namen von Schiffen zu tragen, die gegen unsere Angehörigen kämpfen.

Pradl, Gasthaus Lodronischer Hof, Leopardischlössl und Dodlansitz, im Hintergrund die Pembauerstraße. Um 1910.
Pradl, Gasthaus Lodronischer Hof, Leopardischlössl und Dodlansitz, im Hintergrund die Pembauerstraße. Um 1910.

26. Februar:
Verwundeten Transport. Heute um 6 Uhr 40 Minuten abends treffen 420 Krieger, von denen 60 getragen werden müssen, hier ein. Dieselben sind infektionsfrei und werden ins Garnisonsspital, ins Reservespital und in deren Erweiterungen, sowie teilweise in das Vereins-Reservespital vom Roten Kreuz überführt. Die Automobilbesitzer werden herzlich gebeten, sich am Abtransporte zu beteiligen.

 

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck:
MMag. DDr. Lukas Morscher