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Das 1908 bis 1911 errichtete Garnisonsspital (heute Conradkaserne/Militärspital 2) an der Ecke Dr.-Glatz-Straße/Pacherstraße, 1915.
Das 1908 bis 1911 errichtete Garnisonsspital (heute Conradkaserne/Militärspital 2) an der Ecke Dr.-Glatz-Straße/Pacherstraße, 1915.

Vor 100 Jahren - März 1915

1. März:

Schlaganfall. Vor der „Ewigen Anbetung“ stürzte am Samstag vormittag der 50-jährige Stadtarbeiter Ed. Rieder leicht vom Schlage gerührt, zu Boden. In dem links neben der Kirche gelegenen Klostergebäude fand der halbseitig Gelähmte Aufnahme und Pflege, bis ihn der Rettungswagen in die Nervenklinik brachte.

 

4. März:

Bitten aus einem Reserve-Spital. Edle Menschenfreunde werden innigst gebeten, die in liebevoller Weise einst gespendeten, aber leider schon vollständig verausgabten Widmungen für das Reserve-Spital „Gewerbe-Schule, Anichstraße“ zu erneuern, da der frische und hohe Krankenbelag der öffentlichen Wohltätigkeit dringend bedarf. Auch um kroatische und polnische Bücher wird gebeten.

 

6. März:

Eine lustige Liegerstatt hatte eine bald 60jährige Hadernsammlerin in der Nähe des Kirschentals. Vorgestern fand sie ein Wachmann in halberstarrtem Zustande auf; sie blutete aus zwei Wunden am Schädeldach, weiß aber nicht genau, wo sie in ihrem Schapsdusel zu diesem Denkzettel gekommen ist.

Inserat aus den Innsbrucker Nachrichten vom 05. März 1915, Nr. 115, S. 11.
Inserat aus den Innsbrucker Nachrichten vom 05. März 1915, Nr. 115, S. 11.

6. März:

Lawinensturz. Am Donnerstag nachmittags ging bei Kranebitten eine Lawine ab, die das Geleise der Karwendelbahn auf eine Länge von beiläufig 50 Metern verlegte. Der Bahnbetrieb konnte bis zur Wegräumung durch Umsteigen aufrecht erhalten werden.

 

8. März:

Zwei eigentumsgefährliche Weiber. In der Hofgasse verhaftete gestern früh um 2 Uhr die Polizei zwei Karrnerinnen namens Josefa Plattner und Rosa Bär, die unter dem Vorwande von Hausiererinnen bei Besuchen in den Wohnungen oder den Geschäften der Parteien Diebstähle ausführten. Vom Lande kamen mehrmals Warnungen über die zwei verwegenen Weiber, welche dort mehrmals Diebstähle begangen hatten.

 

9. März:

Für die zu den Landesschützen Einrückenden. Das Präsentierungslokal für die am 15. März 1915 zum Landesschützenergänzungsbezirkskommando in Innsbruck einrückenden Landsturmpflichtigen befindet sich an diesem Tage in der Restauration Adambräu, 1. Stock, großer Saal, Heiliggeiststraße 16.

Handaquarellierte Propaganda-Postkarte "Abschied ins Feld" aus dem Ersten Weltkrieg.
Handaquarellierte Propaganda-Postkarte "Abschied ins Feld" aus dem Ersten Weltkrieg.

10. März:

Ein seltsamer Unfall. Gestern Nachmittag fiel beim Verführen der Kohlenlösche ein vor den Wagen gespanntes Pferd einer Landsturm-Abteilung im hiesigen Südbahn-Heizhause in eine Hand-Drehscheibe. Das Pferd, infolge des Sturzes scheu geworden, verklemmte sich im Eisengestänge und konnte nur mit Mühe von einigen handfesten Männern mit Stricken wieder in Sicherheit gebracht werden. Das Pferd trug bei diesem Unfalle nur einige Hautabschürfungen davon.

 

11. März:

Nahrungsmittel für Innsbruck. Am Innsbrucker Hauptbahnhofe sind gestern vier Waggon Bohnen und zwei Waggon mit Pflanzenfett angekommen. Diese Nahrungsmittel sind ausschließliche für Innsbruck bestimmt.

 

12. März:

Maßregeln. Um Streit, Exzesse und andere für die Soldaten nachteilige Vorkommnisse möglichst zu verhüten, hat die Innsbrucker Militärbehörde nun den Soldaten den Besuch einiger nicht im besten Rufe stehender Gaststätten verboten. Militärpatrouillen, welche abends ständig die Straßen passieren, haben diesem Verbote Nachdruck zu verleihen und etwaige Zuwiderhandelnde gleich in Empfang zu nehmen.

 

15. März:

Aus dem Zuge gestürzt ist gestern abends am hiesigen Hauptbahnhofe eine 50jährige wälsche Bäuerin namens Spagnoli; durch Aufstoßen eines Wagons verlor die auf der Plattform stehende Frau den Halt und fiel zur Erde. Sie scheint einen Bruch im rechten Oberarm davongetragen zu haben.

Verwundetentransport im Ersten Weltkrieg auf der Lokalbahn Innsbruck-Hall in Tirol. hier an der Ausweiche Mühlau, 1915/16.
Verwundetentransport im Ersten Weltkrieg auf der Lokalbahn Innsbruck-Hall in Tirol. hier an der Ausweiche Mühlau, 1915/16.

18. März:

Ein Vogeljäger. In der Nähe des städt. Friedhofes und in der Umgebung des Betriebsleitungsgebäudes der Karwendelbahn geht ein Mann auf die Vogeljagd aus und schießt ungeniert auf die von der strengen Winterszeit her noch mageren kleinen Tierchen, ja selbst in der Nähe von Futterstellen für Vögel wagt er zu jagen und zu schießen.

 

20. März:

Das alte Lied. Ein 15jähriger Junge ging gestern nachmittag durch Pradl mit einer Flobertpistole in der Rocktasche. Da er mit dem Schießzeug in der Tasche spielte, ging der Schuß plötzlich los und die 6 Millimeterkugel fuhr dem Unvorsichtigen in den Oberschenkel.

Atelierfoto einer Frau im Uniformmantel. Vermutlich war sie als Pflegerin in einem Lazarett in Innsbruck im Einsatz, 1915.
Atelierfoto einer Frau im Uniformmantel. Vermutlich war sie als Pflegerin in einem Lazarett in Innsbruck im Einsatz, 1915.

27. März:

Bissige. In der Museumstraße gerieten gestern zwei Frauen in eine lebhafte Auseinandersetzung; die Heftigkeit war nicht mehr steigerungsfähig, denn die jüngere biß der älteren, bald 60jährigen, in die linke Hand. Die Polizei mußte einschreiten. Die Ursache zu dieser Szene bildete – Eifersucht!

 

29. März:

Vom Soldatenheim. Das Soldatenheim in den Stadtsaal-Restaurationslokalitäten weist einen sehr guten Besuch auf. Es wurde am Eröffnungstage von 80, am zweiten Tage von 90 und am dritten Tage (Samstag) von 130 Soldaten besucht. Gestern gaben die Damen 188 Tassen Tee und 200 bis 300 Zigaretten aus. Die Soldaten beschäftigen sich mit Karten- und anderen Spielen und sehr viel mit Lektüre von Zeitungen und Büchern.

 

 

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck:

Mag. Roland Kubanda