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Vor 100 Jahren - Dezember 1914

Die Meldungen des amtlichen Mitteilungsblattes vom Dezember 1914.

2. Dezember:
Eine unangenehme Ueberaschung erlebte am Montag ein Staatsbeamter bei der Assentierung. Als sich der Beamte nach der ärztlichen Vorstellung ankleiden wollte, entdeckte er daß ihm das Hemd gestohlen worden war. Der Mann mußte ohne Hemd nach Hause gehen.

7. Dezember:
Weihnachtsspende der Schülerinnen der städt. Mädchen=Bürgerschule für das Hausregiment. Beim Stadtmagistrate als Ortsausschuß Innsbruck des Landes=Zentralkomitees für Kriegsfürsorge ist eine Weihnachtsspende für das Hausregiment eingelaufen, welche besondere Erwähnung verdient. Die Schülerinnen der städt. Mädchen=Bürgerschule haben in ihren Klassen für die tapferen Soldaten des Hausregiments gesammelt und ein glänzendes Ergebnis erzielt: So konnten sie 3466 Zigaretten, 25 Virginier, 25 Portorico, 12 Pakete Tabak, 246 Schachteln Zünder, ein Wolleibchen, eine Tafel und sechs Stück Schokolade, Zuckerln und außerdem noch eine Barbetrag von 177,39 Kronen auf den Weihnachtstisch der Kaiserjäger legen.

11. Dezember:
Mit Geld entwichen. Ein 12jähriger Knabe aus Innsbruck ist mit einem größeren Geldbetrage, den er zur Bank tragen sollte, ausgekniffen. Zur Ermittlung des Jungen, die sowohl von den Eltern, wie auch von der Eigentümerin des Geldes ehestens gewünscht wird, diene seine Personsbeschreibung: Blasses Gesicht mit Sommersprossen, kurze schwarze Hose, gute genagelte Schuhe, schwarze Strümpfe, ferner trug er eine Pelerine sowie eine Wollhaube. Mitteilungen über den Knaben sind an die Polizei in Innsbruck oder an den Jugendfürsorgeverein in Innsbruck erbeten. Der Junge kann möglicherweise auch, da er Geld besaß, Innsbruck verlassen haben.

12. Dezember:
Von der Straße. Zwei Militärpferde, lebhafte, prächtige Schimmel, scheuten gestern mittags in der Viaduktgasse, weil ihnen ein Bündel Heu von dem vollgeladenen Wagen, den sie zu ziehen hatten, auf das Hinterteil gefallen war. Die Pferde waren nicht mehr zu halten, trotzdem der militärische Lenker seine ganze Kraft anwandte und er hielt sie noch, als er an einen Baum gedruckt wurde. Zum Glück drängten die Pferde aus der Straße hinaus, dann rannten sie gegen einen Baum an, der aber dem Aufprall nicht standhalten konnte und oberhalb der Wurzel glatt abbrach. Dieses Hindernis war auch die Ursache, daß die Pferde nicht mehr weiterrennen konnten.

14. Dezember:
Unehrliche Leute. Vor einiger Zeit verübte eine Frauensperson, die in Hötting wohnhaft ist, mehrere Betrügereien, weshalb sie verhaftet wurde, Die Person verstand es, bei mehreren Parteien verschiedene Geldbeträge herauszulocken, indem sie fälschlich angab, ihr Mann sei im Felde und sie sei recht arm. Auf diese Art ist es ihr auch gelungen, die gutmütigen Parteien irrezuführen.

15. Dezember:
Der häßliche Wind entführte gestern beim Löwenhaus einem Bauernburschen seinen neuen Plüschhhut mit Gemsbart, den er sich eben um teures Geld gekauft hatte, weit hinein in die Fluten des Inns.

Eine 75 Jahre alte Witwe überraschte gestern nachmittags am Margarethenplatze ein heftiger Windstoß. Die gebrechliche Greisin fiel zu Boden und erlitt eine schmerzhafte Prellung an der rechten Hüfte; sie mußte im Rettungswagen in ihre Wohnung gebracht werden.

Achtung auf die Medizinen! Eine Krankenschwester gab gestern nachts zwei Verwundeten zuviel Morphium; einer derselben wurde bewußtlos. Durch Magenausspülung im Spitale konnte die drohende Gefahr noch beseitigt werden.

17. Dezember:
Eine schöne Möwe, sonst bei uns ein seltener Gast, tummelte sich gestern in der Nähe der Innbrücke auf dem Flusse herum und suchte nach Nahrung. Dumme Buben warfen Steine nach ihr, das Tier war aber gescheiter und achtete nicht darauf.

23. Dezember:
Verwundeten=Transport. Am heiligen Tage um 9 Uhr Vormittag kommen über 200 Verwundete in Innsbruck an, und zwar 15 liegende und mehr als 200 sitzende Verletzte. – Um den im Kriege verwundeten oder erkrankten und am Christfest zur Erholung hier eintreffenden Soldaten eine kleine Weihnachtsbescherung einhändigen zu können, wird um Abgabe von Spenden bei der Krankenhaltstation des Roten Kreuzes in Innsbruck=Hauptbahnhof 1. St. gebeten. Als für diesen Zweck am besten geeignet werden Südfrüchte, Weihnachtsbäckerei, Schokolade, Nüsse, Zigarren, Zigaretten und Tabak gemeint, jedoch auch andere Gegenstände erwünscht und dankend angenommen.

Schmerzerfüllt greift sich der tapfere Soldat an die Stirn. Hoffentlich war der Transport nicht allzu beschwerlich für den Verwundeten.
Schmerzerfüllt greift sich der tapfere Soldat an die Stirn. Hoffentlich war der Transport nicht allzu beschwerlich für den Verwundeten.

28. Dezember:
Dem Erfrieren nahe war am Christabend ein Soldat, der in der sogenannten Englischen Anlage hier eingeschlafen war. Ein Innsbrucker Kaufmann fand ihn gegen Mitternacht auf und mit Hilfe anderer Passanten trug man ihn dann vom Platze.

29. Dezember:
Das geheimnisvolle Christkindl. Am Heiligen Abend kam ein wohltätig gesinnter Herr ins Hauptwachzimmer der städtischen Polizei und ersuchte, ihm bei der Ausführung eines wohltätigen Aktes behilflich zu sein; er wollte zwei Familien in Innsbruck noch am gleichen Abend mit Geld beschenken, deren Ernährer im Kriege gefallen sind. Die Polizei unterstützt diese gute Absicht bereitwillig und nach kurzer Zeit fanden sich zwei Witwen Gefallener im Rathause ein, um mit herzlichen Gefühlen des Dankes an den unbekannten Spender das „Christkindl“ in barem in Empfang zu nehmen. So war es möglich geworden, zweien der Unterstützung würdige, kinderreiche Familien an dem Christabend eine freudvolle Ueberraschung zu bereiten.

 

30. Dezember:
Eine kalendarische Seltenheit bringt das Jahr 1915 gleich zu seinem Beginne. Der Monat Jänner hat nämlich zwei Mal Vollmond, und zwar am 1. und am 31., also am ersten und letzten Tage des Monats, während der Februar ohne Vollmond bleibt. Es dürfte etwa fünfzig Jahre dauern, bis es wieder dazu kommt, daß es in einem Monat zweimal Vollmond trifft.

 

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
von Ingrid Mohamed-Afrah