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Der Haupteingang zum 1961 eröffneten Freischwimmbad Tivoli mit Schriftzug, der wie die gesamte Anlage künstlerisch gestaltet wurde.
Der Haupteingang zum 1961 eröffneten Freischwimmbad Tivoli mit Schriftzug, der wie die gesamte Anlage künstlerisch gestaltet wurde.

Tivoli! Say what?

Das Innsbrucker „Tivoli“ kann tatsächlich erstaunen, denn seine Vielfalt ist groß: Am Ort der Olympiaden 1964 und 1976 war Sport seit den 1920er Jahren ein wichtiges Thema. Aber auch Wohn-Architekturen des 20. und 21. Jahrhunderts prägen das Erscheinungsbild des Areals im Stadtteil Pradl. Heute findet Wasser am „Tivoli“ zum Löschen, aber auch zum Schwimmen Verwendung.

In Innsbruck war 1975 manches noch ein bisserl einfacher, so auch die Bedeutung des Bezeichnung „Tivoli“. Oder doch nicht? „Ins Tivoli gehen“ meinte jedenfalls im Sommer 1975, dass man das städtische Freischwimmbad in Pradl aufsuchte. Obwohl: Es gab dort auch das Fußballstadion „Tivoli“. Aber: Wenn man dorthin wollte, formulierte man eher: „Ich geh‘ auf’n Fußballplatz.“ Dann wäre 1975 auch noch möglich gewesen, dass damit das nahe dem Sportplatz gelegene Gasthaus „Tivoli“ gemeint gewesen wäre.

Dieses (nicht mehr existierende) Wirtshaus spielte im 20. Jahrhundert die Hauptrolle auf dem Areal im Stadtteil Pradl, das heute in etwa von der Hauptfeuerwache, der Sill, dem Paschbergweg und der Resselstraße begrenzt wird. Denn das Gasthaus gab dem Gebiet seinen Namen: Tivoli. Dieser verheißt seit alters her Unterhaltung und Vergnügen – und wurde daher gerne als Name für Sportanlagen und „Etablissements der Fröhlichkeit“ verwendet.

40 Jahre später, 2015, sind die Assoziationen mit dem Namen „Tivoli“ in Innsbruck wesentlich komplexer: Zusätzlich zu den oben genannten Örtlichkeiten gibt es das Wohnviertel „Tivoli Neu“, ein „Tivoli office“, ein Jugendzentrum „Tivoli“ und ein Restaurant „am Tivoli“ sowie ein Seniorenwohnheim „Tivoli“. 

Am Anfang war – das Gasthaus

Um 1900 errichteten Matthias und Fanny Stolz nördlich der Sillhöfe das Wirtshaus „Tivoli“. Das Ehepaar besaß hier umfangreiche Gründe, von denen es 1904 einen großen Teil beim (Gasthaus) Tivoli an die Stadt Innsbruck verkaufte. 1925 stürzte der Tivoli-Gastwirt Matthias Stolz in die Sill und ertrankt. Seine Witwe führt den Gasthof weiter, er war bis in die 1970er Jahre in Betrieb.

1913 beschloss der Innsbrucker Gemeinderat auf dem von Matthias Stolz erworbenen Grundstück die Anlage eines Sportplatzes. Erst 1925 konnte dieser „in moderner Ausgestaltung“ eröffnet werden. Durch die räumliche Nähe zum Gasthaus „Tivoli“ kam es zur Übertragung des Namens auf die Sportstätte.

Heimat des Sportes: Blick auf das 1977 fertiggestellte Landessportcenter
Heimat des Sportes: Blick auf das 1977 fertiggestellte Landessportcenter

Tivoli-Wasser

Eine wichtige Rolle spielt am Innsbruck „Tivoli“ das Wasser: Die Sill begleitet, begrenzt und überschwemmte das Gebiet immer wieder. Wasser zum Löschen braucht die seit 1966 hier stationierte Hauptfeuerwehrwache. Und ab 1961 ermöglichte das von Norbert Heltschl als Gesamtkunstwerk geplante Freischwimmbad Tivoli den großen Badespaß.

Das Tivoli-Areal ist überhaupt eine ziemlich sportliche Gegend und sogar mit olympischen Ehren ausgestattet. In der Glasfront der Olympia-Eishalle spiegelt sich unter den für Innsbruck 1964 und 1976 so wichtigen fünf Ringen die Nordkette. Entworfen vom Osttiroler Architekt Hans Buchrainer wurde die Eishalle 1963 eröffnet.

Auf dem Platz westlich der Eishalle machen in den Sommermonaten Vergnügungspark und Zirkus dem Namen „Tivoli“ alle Ehre. Gegenüber der Olympia-Eishalle erhebt sich seit 2011 das Hotel Ramada. Verschwunden hingegen ist eine diagonal gegenüber gelegene bemerkenswerte Architektur aus der Zwischenkriegszeit: Das kleine Gasthaus „Stadion“ an der Burgenlandstraße lud seit 1935 die BesucherInnen des Fußballplatzes zur „Erholung“ ein. 

Heimaten des Sportes

Weiter führt der Weg zur „Heimat des Tiroler Sports“, dem 1973–1977 errichteten Landessportcenter. Dahinter erhebt sich seit 2000 das monumentale Fußballstadion „Tivoli neu“. Der Bau ist das Heimatstadion des FC Wacker Innsbruck. Nördlich des Südrings befand sich das alte, 1953 eröffnete Tivoli-Stadion. 2000 wurde es abgebrochen und auf seinem Gelände entstand das Wohnviertel „Tivoli Neu“.

Nördlich davon wurde bereits 1927 in der Hunoldstraße die – damals als Obdachlosenheim bezeichnete – heutige Herberge der Innsbrucker Sozialen Dienste eröffnet. Diese Unterkunft für Wohnungslose erweitert seit ein paar Monaten ein Pflegeheim. Gegenüber starten seit 1966 Feuerwehrautos aus der Hauptfeuerwache. Südlich schließt sich als weitere wichtige Institution das „Heim“ der Freiwilligen Rettung Innsbruck.

Einblick in das zwischen 2005 und 2009 errichtete Wohnviertel Tivoli Neu.
Einblick in das zwischen 2005 und 2009 errichtete Wohnviertel Tivoli Neu.

Kunst am Tivoli

Abgesehen von den Plastiken Tiroler Bildhauer (1960/61) auf der Freifläche des Freischwimmbades, können am Tivoli-Areal architektonische Kreativleistungen erlebt werden. Aber auch „Kunst am Bau“ ist präsent, so beispielsweise die „Himmelspforte“ von Thomas Feuerstein, eine zwischen zwei Gebäudetrakten eingespannte Glaswand mit einer graphischen Darstellung der Glückshormone. Oder das 2007 „Wasserspiel“, das den Platz zwischen Seniorenwohnheim und Freischwimmbad Tivoli belebt. Bemerkenswert ist vor allem die große Dichte von Graffitis an von der Stadt Innsbruck dafür freigegebenen Wänden. Die von Sprayern geschaffene Kunst im öffentlichen Raum verleiht der Gegend beinahe eine großstädtische Anmutung.

Dr. Helmuth Oehler für das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck