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HEIZE MIT GAS: Blick auf das Areal des Pradler Gaswerkes im Jahr 1936. Beherrscht wird die Szenerie vom markanten Gasometer mit der Werbeaufschrift „HEIZE MIT GAS“.
HEIZE MIT GAS: Blick auf das Areal des Pradler Gaswerkes im Jahr 1936. Beherrscht wird die Szenerie vom markanten Gasometer mit der Werbeaufschrift „HEIZE MIT GAS“.

Pradl gab Gas!

Und zwar wurde in Pradl von 1859 bis 1974 sogenanntes Stadtgas (zum Unterschied von Erdgas) für die BewohnerInnen Innsbrucks produziert.

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Dr. Helmuth Oehler

Es werde Licht! Und zwar mit Gas! Im November 1859 begann die Produktion von Gas in einer von einem privaten Unternehmer betriebenen „Fabrik“ am Sillufer in der Gemeinde Pradl. Über Rohrleitungen gelangte das Gas zu den VerbraucherInnen in Innsbruck. In der Nacht vom 20. auf den 21. November 1859 erstrahlten so erstmals Gaslampen auf Innsbrucks Straßen! 

Den Gashahn aufdrehen.

In der Zwischenkriegszeit wurde schnelles, kostengünstiges Kochen „auf Gas“ stark beworben. Allerdings war der dem Gas zugesetzte Geruch, der notwendig war, um vor unkontrolliertem Austreten zu warnen, in Küche nicht beliebt. Das Einatmen von Stadtgas führte zu einer Vergiftung. Dabei „schätzten“ potentielle Selbstmörder die „sanfte“ Wirkung des Gases. Und natürlich ereigneten sich auch unbeabsichtigte Gasvergiftungen sowie -explosionen.

Mach es mit Gas! Werbevignette aus dem Innsbrucker „Gas-Jahrbuch 1933“.
Mach es mit Gas! Werbevignette aus dem Innsbrucker „Gas-Jahrbuch 1933“.

Mach es mit Gas! Wir beraten Sie!

In den 1930er Jahren wurde auch deshalb Gas stark beworben, um es gegen den „ungefährlichen, praktischen, geruchlosen“ elektrischen Strom zu verteidigen. 1933 versuchte das Städtische Gaswerk in Pradl – 1909 hatte die Stadt Innsbruck die Anlagen übernommen – mit Werbesprüchen zu überzeugen (Abb. 2): An den Ehemann wurde mit „Ein gutgesinnter Ehemann / schafft seiner Frau ‘nen Gasherd an!“ appelliert. Aber auch 1933 waren nicht alle Männer verheiratet – und daher auch selbst potentielle „Gasverbraucher“: „Der Junggeselle, der gewitzt, / Kocht selbst auf Gas und lacht verschmitzt.“ Immer wieder wurde die Zeitersparnis beim Kochen „auf Gas“ betont: „Frau Freundlich ist stets hilfsbereit, / Sie kocht auf Gas – drum hat sie Zeit!“. Auch die Weihnachtsvorbereitungen im Dezember 1933 waren ein Thema: „Der Hausfrau macht die Küche Spaß / Kocht, brät, bäckt immer sie auf Gas!“.                                                              

Glückstrahlendes Kochen mit Gas!

Im Mai 1935 veranstaltete das Städtische Gaswerk ein „Preiswettkochen“, das dem Kochen mit Gas „zu weiterer Volkstümlichkeit“ verhelfen sollte: Die beiden „Wettköchinnen“ stellten „eine wahre Höchstleistung des Gassparens auf. Nach genau 34 Minuten kam die erste Köchin bereits mit ihrem Mittagessen für vier Personen zu den Damen des Preisgerichtes. Der erste Preis im Betrage von 100 Schilling bar entfiel auf Köchin Nr. 1, die für die Herstellung ihres besonders würzigen Mittagsessens nur 11 Groschen Gas verbraucht hatte. Unter dem Jubel der Zuschauerinnen nahm die Preisträgerin die Geldnote, den schönen Blumenstrauß, eine große Flasche Oel und mehrere Würfel Kunstfett glückstrahlend in Empfang.“  

Vergessen? Der Gasmann spricht!

Wobei natürlich auch das Kochen „auf Gas“ etwas kostete. Die Stunde der Abrechnung rückte heran, wenn der „Gasmann“ klingelte, den Gasverbrauch ablas und bar kassieren musste! Ein „humoriges“ (?) Gedicht von 1933 – einem Jahr höchster wirtschaftlicher Not – lässt einen Innsbrucker „Gasmann“ zu Wort kommen: „Ach man ist nicht gern gesehen, / wenn man eine Nota bringt / und den Gashahn abzudrehen / droht, wenn keine Münze klingt.“ Und weiter: „Feindlich starren fremde Türen“ und schon kann man „Gewitterluft verspüren“. Aber auch im nächsten Stockwerk „geht’s nicht besser: / ‚Lassen Sie mir meine Ruh‘, / Kubikkilometerfresser!‘ / Bums! Man knallt die Türe zu.“

Eine sehr heiße Arbeit: Ein Arbeiter 1936 beim Ablöschen des Kokses von Hand im Pradler Gaswerk.
Eine sehr heiße Arbeit: Ein Arbeiter 1936 beim Ablöschen des Kokses von Hand im Pradler Gaswerk.

Eine sehr heiße Arbeit.

Keine Erwähnung in den Werbetexten fand freilich die schwere Arbeit im Gaswerk: 1950 entluden vier Arbeiter 100 bis 120 Tonnen Kohle täglich. Die Kohle kam in Öfen „wo ihr bei großer Hitze das Gas entzogen“ wurde: „Wohl keine Hausfrau macht sich eine Vorstellung von der Hitze, in der die Arbeiter bei diesen Öfen arbeiten“. 

Den Gashahn abgedreht.

In den 1960er Jahren schlitterte das Gaswerk in eine schwierige wirtschaftliche Situation. Denn der Gasverbrauch sank, was zu gewaltigen Defiziten für die Stadt Innsbruck führte. 1974 dreht sie daher den Gashahn in Pradl endgültig ab. Die Anlagen des Gaswerks wurden demontiert – und machten Platz für den heutigen Rapoldi-Stadtpark.