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Mitglieder der städtischen Sicherheitswache in dunkler Uniform mit Gewehr und aufgepflanztem Bajonett als Ehrenwache für den von Nationalsozialisten ermordeten Polizeistabshauptmann Franz Hickl, Juli 1934.
Mitglieder der städtischen Sicherheitswache in dunkler Uniform mit Gewehr und aufgepflanztem Bajonett als Ehrenwache für den von Nationalsozialisten ermordeten Polizeistabshauptmann Franz Hickl, Juli 1934.

Von der städtischen Schutzmannschaft zur Bundespolizeidirektion

von Dr.in Sabine Pitscheider (Wissenschaftsbüro Innsbruck e. V.)

Bis 1866 sorgte die staatlich organisierte und beaufsichtigte k. k. Polizeidirektion mit Sitz in der Innsbrucker Altstadt für die Sicherheit in der Stadt. Den Dienst auf der Straße versah ein Militärpolizeiwachkorps von etwa 40 Mann. Ab April des Jahres 1866 übernahm die Stadtverwaltung alle polizeilichen Agenden im Stadtbereich.
Die uniformierte und bewaffnete städtische Sicherheitswache war für alles zuständig, was die Sicherheit berührte. Ihre Stärke – 1918 ca. 100 Mann – reichte aber für Ausnahmesituationen nicht aus. Als im November 1918 Soldaten ungeordnet und ausgehungert von der Südfront Richtung Brenner und Innsbruck zogen, befürchtete Bürgermeister Wilhelm Greil Plünderungen und rief zur Bildung einer Bürgerwehr. Der Tiroler Nationalrat (heute Landtag) schloss sich an und rief männliche Bürger zur Volkswehr. 

Ein breites Aufgabenfeld

Die Sicherheitswache kümmerte sich um Verbrechen – Mord, Diebstahl, Gewaltdelikte –, um das Schubwesen, um Wirtschaftsdelikte wie Preistreiberei oder Schmuggel, um die Einhaltung der Sperrstunde, die politische Aufsicht über Versammlungen oder den Straßenverkehr. Es gab einen eigenen kriminalpolizeilichen Dienst, der die Fahndungsevidenz führte, Verdächtige einvernahm, Fingerabdrücke sicherte und Polizeifotos schoss. Untergebracht war die Sicherheitswache im städtischen Haus am Burggraben 3. Nach den unruhigen Zeiten am Ende des Ersten Weltkrieges stockte die Stadt die Wache auf. 1921 versahen 131 Mann ihren Dienst, wovon allein 14 bei der Kriminalpolizei waren, 1935 waren es knapp 200. 

Eine Frage der Organisation

Zu Beginn der 1920er Jahre war die Republik eine neue Staatsform, die erst nach und nach alle möglichen Aufgaben regelte. Dazu gehörte auch die Frage, wer die Aufsicht und Kontrolle über die verschiedenen Polizeikörper einnahm. Die Republik richtete nach und nach Bundespolizeidirektionen in den Landeshauptstädten ein, wie 1922 in Salzburg oder 1927 in Linz. 1923 verhandelte sie mit der Stadt Innsbruck über die Verstaatlichung der städtischen Polizei, was aber scheiterte. Die Meinungen waren geteilt, die eine Seite wollte die städtische Autonomie nicht beschneiden und die eigene Polizei behalten, die andere Seite strebte Einsparungen an und war für eine Abgabe.
Die Bundesregierung wünschte eine Zentralisierung des Sicherheitswesens und richtete 1930 die direkt dem Bundeskanzleramt unterstellte „Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit“ ein, die Kompetenzen der Länder übernahm. 1933 verordnete die Bundesregierung die Errichtung eines Bundespolizeikommissariates in Innsbruck, was den noch demokratischen Innsbrucker Gemeinderat empörte, sah er sich doch in seinen Rechten beschnitten. Die Regierung ignorierte den Protest und setzte einen Bundesbeamten als Kommandanten der städtischen Sicherheitswache ein. Mit dem Ende der Ersten Republik, der Installierung des Ständestaates und der Entdemokratisierung des Innsbrucker Gemeinderates verhandelte dieser über eine Verbundlichung der Polizei. Die Verhandlungen zogen sich, es ging um Kompetenzen und Geld. Die städtische Sicherheitswache war den politischen Kämpfen auf der Straße alleine nicht gewachsen, Milizen des Staates und der Heimatwehr unterstützten sie bei den Februarkämpfen 1934 oder bei dem gescheiterten nationalsozialistischen Putsch im Juli 1934.
Ein Gesetz des Tiroler Landtages regelte schließlich, dass alle bis dahin von der städtischen Sicherheitswache wahrgenommenen Aufgaben an die zu schaffende Bundespolizeidirektion übergingen. Innsbruck verhandelte nur mehr über die Übernahme städtischer Sicherheitsbeamter durch den Bund, was für 162 (von 214) gelang. Die Bundespolizei übernahm keine älteren Beamten und keine, die vor dem Verbot der NSDAP Mitglieder gewesen oder im Verdacht standen, ihr nahe zu stehen. Über letztere verlangte die Bundespolizei politische Gutachten. Nicht übernommene Beamte pensionierte die Stadt oder versetzte sie in neu geschaffene Ämter wie die Erhebungsstelle oder die Einwohnermeldestelle. Die Übergabe von Aufgaben an den Bund bedeutete nicht automatisch eine Einsparung, denn für den Bundesdienst verlangte die Regierung einen jährlich zu zahlenden Beitrag. 

Entstehung von Wachstuben und der Polizeidirektion

Innsbruck verpflichtete sich außerdem, eine Kaserne einzurichten, baute um viel Geld das beschlagnahmte Haus der verbotenen sozialdemokratischen Freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Südtirolerplatz 14–16, Salurnerstraße 2) um, ließ ihm Hof ein Gefängnis und Garagen errichten und über die Stadt verteilte Wachstuben einrichten. Ende Dezember 1935 stimmte der Gemeinderat offiziell dem Vertrag mit dem Bund zu und am 01. Jänner 1936 übernahm die Bundespolizeidirektion die Sicherheitsagenden in Innsbruck, Mühlau und Hötting. Im Feber 1936 weihte der Salzburger Fürsterzbischof Waitz bei einem Festakt unter Beisein zahlreicher Ehrengäste die Polizeidirektion ein. Die Geschichte der städtischen Polizei war damit zu Ende.