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1983 führten die Festwochen Mozarts "La clemenza di Tito" auf mit Roberto Scanduzzi und Judith Nelson (Regie: Alan Curtis).
1983 führten die Festwochen Mozarts "La clemenza di Tito" auf mit Roberto Scanduzzi und Judith Nelson (Regie: Alan Curtis).

Musikalische Spur in die Geschichte

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik feiern heuer ihr 40-jähriges Bestehen. Das Fundament für dieses Festival wurde in den 1960er-Jahren mit den Ambraser Schlosskonzerten gelegt. Diese wiederum bauten auf die Tradition Innsbrucks als musikalisches Zentrum in Renaissance und Barock.

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Susanne Gurschler

Innsbruck als musikalische Hochburg: Ging es um Qualität, kannte Otto Ulf keinen Kompromiss. Die Alte Musik und die Aufführungspraxis auf historischen bzw. nachgebauten Instrumenten hatten es dem Innsbrucker Musikpädagogen und Fagottisten besonders angetan. Spielten kundige MusikerInnen auf Gamben, Cembali, Zinken, Lauten oder Barock-Posaunen, kannte seine Begeisterung keine Grenzen. Die Landeshauptstadt schien Ulf der geeignete Ort, um die musikalische Welt der Renaissance und des Barocks zu neuem Leben zu erwecken; war Innsbruck in jener Zeit doch eine weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte und wirkende musikalische Hochburg gewesen. Als Otto Ulf 1963 die Ambraser Schlosskonzerte gründete, ahnte er nicht, dass diese zu einem mehrwöchigen Festival wachsen und die Stadt wieder zu einem Zentrum der Alten Musik in ganz Europa machen würden. Heuer feiern die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik ihr 40-Jahr-Jubiläum. Ein Blick zurück in die Anfänge, als die Crème
de la Crème der Alten Musik ihren Blick wieder ins Herz der Alpen lenkte.

Die Ambraser Schlosskonzerte, 1963 von Otto Ulf initiiert, fanden rasch ein begeistertes Publikum.
Die Ambraser Schlosskonzerte, 1963 von Otto Ulf initiiert, fanden rasch ein begeistertes Publikum.

Treffpunkt für die Größen der Szene

Was 1963 im herrschaftlichen Spanischen Saal von Schloss Ambras im kleinen Rahmen begann, entwickelte sich rasch zu einem hell leuchtenden Stern am Himmel der Alten Musik. Alljährlich versammelten sich in der Folgezeit die internationalen Größen der Szene in Innsbruck. Zu ihnen gehörten Gustav Leonhardt, Alan Curtis, William Christie, Wieland und Sigiswald Kuijken sowie Konrad Junghänel – um nur einige zu nennen. Die begnadeten Musiker führten die Klangwelten der Gotik, der Renaissance und des Barocks zu neuer Blüte; auf originalen bzw. nachgebauten Instrumenten interpretiert, erwachte die fast vergessene musikalische Geschichte Innsbrucks.

 

1976 wurden die Ambraser Schlosskonzerte um eine Festwoche erweitert, das Festival war geboren.
1976 wurden die Ambraser Schlosskonzerte um eine Festwoche erweitert, das Festival war geboren.

Namensgeber für Wettbewerb

Schon Kaiser Maximilian I. hatte in der Hofburg große Komponisten, wie Heinrich Isaac, Ludwig Senfl und Paul Hofhaimer, um sich geschart. Später unterhielten Erzherzöge, wie Ferdinand II., Leopold V. und Ferdinand Karl, berühmte Hofkapellen und etablierten die Oper als zeitgemäße Kunstform. Leopold V. baute das erste freistehende Theater nördlich der Alpen. Ferdinand Karl ließ zwischen 1652 und 1654 ein Opernhaus errichten, das rund 1.000 BesucherInnen Platz bot. Er holte auch Pietro Antonio Cesti, einen der berühmtesten Opernkomponisten der damaligen Zeit, an den Hof nach Innsbruck. Nach ihm ist der Internationale Gesangswettbewerb für Barockoper benannt, den die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik regelmäßig ausschreiben. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert war die Stadt im Herzen der Alpen musikalisch eine Weltstadt, deren kostbare Schätze es im 20. Jahrhundert wieder zu entdecken galt. Die Ambraser Schlosskonzerte fanden ein begeistertes Publikum. Ulf konnte die Reihe rasch ausbauen und die renommiertesten internationalen Ensembles und KünstlerInnen nach Innsbruck holen. Zu ihnen gehörten neben den eingangs erwähnten auch der im März dieses Jahres verstorbene Nikolaus Harnoncourt, der seit 1971 15 Jahre lang nach Innsbruck kam und mit seiner Leidenschaft, seinem unbestechlichen Qualitätsanspruch an sich selbst sowie an sein Ensemble „Concentus Musicus“ die ZuhörerInnen fesselte. 

Jacobs war der erste Sänger, der bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zu hören war und wirkte ab 1976 mehrfach als Dirigent mit. Der Spezialist für historische  Aufführungspraxis Alter Musik und Opern des Barocks war von 1997 bis 2009 künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen.
Jacobs war der erste Sänger, der bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zu hören war und wirkte ab 1976 mehrfach als Dirigent mit. Der Spezialist für historische Aufführungspraxis Alter Musik und Opern des Barocks war von 1997 bis 2009 künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen.

Ein Stargast wird zum Leiter der Festwochen

1972 gründete Ulf die Internationale Sommerakademie mit der Zielsetzung, den MusikerInnen – wissenschaftlich orientiert und künstlerisch vielfältig – Kurse für historische Aufführungspraxis unter der Leitung von renommierten Künstlerpersönlichkeiten anzubieten. 1976 schloss sich daran erstmals eine Festwoche an, für die weitere historische Aufführungsorte in ganz Innsbruck gesucht und gefunden wurden. Zu den Stargästen gehörte René Jacobs, schon damals einer der bekanntesten Countertenöre. Er unterrichtete erstmals bei der Sommerakademie. In den folgenden Jahren kam er immer wieder nach Innsbruck und übernahm schließlich die Leitung der Innsbrucker Festwochen. An seiner Seite standen vor 40 Jahren die Barockgeigerin Lucy van Dael, der Gambist Wieland Kuijken und am Cembalo Alan Curtis, Professor an der University of California und Direktor des dortigen „Collegium Musicum“. Er gestaltete auch die Einführung in den Abend. Auf dem Programm Werke von Antonio Caldara, Johann Sebastian Bach, FranÇois Couperin und Georg Friedrich Händel. 

Die Festwochen, wie man sie heute kennt

Schließlich wurde das musikalische Angebot noch einmal erweitert und damit Innsbrucks Bedeutung als Residenz der Alten Musik endgültig einzementiert: 1980 kam erstmals eine szenische Barockoper auf die Bühne des Tiroler Landestheaters. 1982 brillierte Alan Curtis mit Monteverdis „L‘incoronazione die Poppea“. Die Festwochen der Alten Musik in ihrer heutigen Form waren geboren und Innsbruck avancierte zum international geachteten Zentrum der frühen Oper. Unter anderem wurden bereits Werke von Claudio Monteverdi, Cesti, Francesco Cavalli, Georg Philipp Telemann, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt. Nach wie vor sind die Opern das Herzstück der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, deren künstlerische Gestaltung aktuell in den Händen von Alessandro De Marchi liegt. Um sie gruppiert sich eine Reihe hochkarätiger Veranstaltungen für Jung und Alt – darunter die Ambraser Schlosskonzerte, die heuer ebenfalls ganz im Zeichen des 40-Jahr-Jubiläums des Festivals stehen.