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Eine kolorierte Postkarte zeigt das Areal des Stadttheaters und des Stadtsaales. Außerdem erkennt man im Hintergrund die Nordkette
Eine kolorierte Postkarte zeigt das Areal des Stadttheaters und des Stadtsaales. Außerdem erkennt man im Hintergrund die Nordkette

Innsbruck vor 100 Jahren - November 1915

02. November 1915
Ohnmachtsanfall im Stadttheater. Gestern abends um 8 Uhr ist im Stehparterre des hiesigen Stadttheaters die junge Frau eines Südbahners plötzlich von einer tiefen Ohnmacht befallen worden. Der diensthabende Wachmann trug dieselbe ins Inspektionszimmer, wo sie auch ärztlichen Beistand erhielt. Da sie aber nicht zu sich kam, musste sie durch die Rettungsabteilung in die Wohnung nach Wilten überführt werden. 

03. November 1915
Verbot der Versendung von Ansichtskarten ins Ausland. Von amtlicher Stelle wird uns mitgeteilt: Die Versendung von Postkarten, die Abbildungen von Städten, Stadtteilen, Ortschaften, Landschaften, militärisch wichtigen Objekten, verkehrs- und volkswirtschaftlichen Anlagen, besonders hervorragenden Baulichkeiten und Denkmälern der Monarchie enthalten, nach dem Auslande ist verboten. 

05. November 1915
Die unvorsichtige Jugend. In Pradl wurde einem 15-jährigen Handlungslehrling ein Luftdruckgewehr abgenommen, weil er mit diesem von der Wohnung seiner Eltern aus in den Hof hinabschoss. Er beging dadurch, vielleicht ohne es zu wissen, eine strafbare Handlung. 

06. November 1915
Die Kindesleiche im Inn. Wir berichteten am Donnerstag über jene grauenhafte Entdeckung, als ein Arbeiter auf einer Matratze im Inn die Leiche eines kleinen Kindes wahrnahm. Bei den Versuchen, die Matratze in der Nähe des Turnusvereinshauses herauszubringen, kippte diese um und die Leiche fiel ins Wasser. Da an dieser Stelle der Fluss etwas seicht ist und nicht sonderlich stark treibt, glaubte man, zur Aufklärung des dunsten Falles, die Kindesleiche dort zu finden. Um die Arbeit bei der Suche zu erleichtern, wurde gestern nachmittags eine Feuerwehrleiter zu Hilfe genommen, diese beim Durchgange nächst dem Turnusvereinshause zum Innufer hinabgeschafft und dort ausgezogen. Dann spannte man die Leiter waagrecht vom Ufer aus über den in Betracht kommenden Teil des Flussufers und Dr. Brir, Kommissär des Innsbrucker städtischen Polizeiamtes, stieg über die Leiter, um von dieser aus das Flussufer abzusuchen. Die Nachforschungen nach der Kindesleiche mussten aber frühzeitig und ohne Ergebnis abgebrochen werden, da die Leiter in dieser waagrechten Stellung nicht genügenden, sicheren Halt bot.

Hier ist der Blick gegen Südwesten zur Hofburg und Hofkirche geneigt.
Hier ist der Blick gegen Südwesten zur Hofburg und Hofkirche geneigt.

13. November 1915
Das Dach der Hofburg, bestehend aus wertvollen, alten, mehrere Millimeter dickem Kupferblech, sollte zu Gunsten der Kriegsmetallsammlung abgetragen und durch eine andere Blechsorte ersetzt werden. Die Vorbereitungen zu dieser großen Arbeit waren bereits getroffen, die Abdeckung wird aber, wie wir erfahren, unterbleiben, da sich inzwischen die Verhältnisse im Bezuge von Kupfer durch die Öffnung des Donauweges verändert haben. 

15. November 1915
Beurlaubung der eingerückten Handelsakademiker. Die f. f. Direktion der Innsbrucker Handelsakademiker teilt mit, dass zufolge eingelangter Nachricht in Aussicht genommen ist, die zur militärischen Dienstleistung eingerückten Schüler des vierten Jahrganges der Handelsakademie auf Ansuchen bis zum 7. Jänner 1916 zu beurlauben. Diese Schüler erhalten unter der Voraussetzung des regelmäßigen Schulbesuches und eines günstigen Studienerfolges unmittelbar vor Urlaubsende das Abgangszeugnis. 

17. November 1915
Bei der Arbeit verunglückt. Auf dem Dache der Turnhalle der Infanteriekadettenschule im Innrain hatten gestern zwei Gehilfen und der Lehrling Gottfried K. des Spenglermeisters Probst einen Teil des Daches neu einzudecken. Die Arbeit sollte ungefähr um 10 Uhr vormittags begonnen werden. Während die beiden Gehilfen noch vor dem Gebäude mit den Vorbereitungen für die Arbeiten beschäftigt waren, stieg K. auf das Dach des Gebäudes. Auf einmal stürzte er aus der Höhe desselben – etwa 6 Meter – herab und blieb bewusstlos auf dem Boden liegen. Niemand war Zeuge über den Hergang, da der Lehrling ganz allein auf dem Dache stand, wahrscheinlich aber ist er auf dem durchnässten Blechdach ausgeglitten und zum Sturz gekommen. Der Junge wurde sofort in die chirurgische Klinik des Krankenhauses getragen, da er anscheinend auf den Kopf gefallen war und vollständig bewusstlos blieb, bald nachher aber starb der Junge an den schweren Verletzungen. Gottfried K. war 15 Jahre alt, im Vinschgau geboren und nach Innsbruck zuständig. Seine Mutter ist in Innsbruck ansässig. 

19. November 1915
Achtung Fußgänger! Bleibt womöglich auf den seitlichen Gehsteigen; wenn es aber unbedingt sein soll, dass ihr auf der Fahrstraße gehen müsst, dann Aug und Ohr offen! Nicht sorglos dahintrollen, wie gestern eine bald 60 Jahre alte Frau es tat, welche beim Landhaus die Straße überquerte, unter ein rasch des Weges kommendes Fuhrwerk geriet, eine Strecke mitgeschleift und beinahe gerädert worden wäre. Soldaten hielten rechtzeitig die Pferde an; immerhin erlitt die Frau eine schmerzhafte Quetschung am Rücken und verschiedene stark blutende Riss-und Quetschwunden. Nach erhaltener ärztlicher Behandlung überführte man die nicht Gehfähige im Rettungswagen in ihre Wohnung nach Vill. 

22. November 1915
Ein Unglück kommt selten allein. In St. Nikolaus hat sich am Samstag der bald 70-jährige Private Nikolaus N. in den rechten Unterschenkel gehackt; infolge Ausgleitens am gefrorenen Boden stürzte er nieder und brach sich das Bein gerade an der Stelle, wo die Hackwunde saß. 

23. November 1915
Versuchte Münzfälschung. Seit einiger Zeit wurde durch einen Zivilwachmann beobachtet, dass in einem Hause der Altstadt ein straßenseitiges Fenster im 4. Stock bis gegen Mitternacht durch ein auffallend grelles Licht beleuchtet wurde. Nachschau und Untersuchung ergab folgendes: Dort wohnt ein Kanzleidiener, welcher sich zur Anfertigung von 5- und 1-Kronenstücken Gipsmodelle angefertigt hatte und aus einer Mischung von Zink und Blei solche Geldstücke herzustellen versuchte, was ihm jedoch bisher noch nicht recht gelungen ist. Das Material und Werkzeug hat er seinem Dienstgeber entwendet. Der Geldmacher wurde verhaftet und dem Gerichte eingeliefert.

Zu sehen ist hier eine Kollision zweier Wägen der Linien 1 und 4.
Zu sehen ist hier eine Kollision zweier Wägen der Linien 1 und 4.

23. November 1915
Zusammenstoß der Straßenbahn. Heute um Mittagsläuten gab es bei der Haltestelle am Burggraben starken Auflauf. Mit ziemlicher Wucht war der Motorwagen eines elektrischen Straßenbahnzuges an der genannten Haltestelle an die Seitenwand des Anhängewagens Nr. 137 des Gegenzuges angefahren, weil der Motorwagen auf den feuchten glatten Schienen nicht zu bremsen war. Der Motorführer zog die Bremsen bis zum Äußersten, gab Sand, dass die Rillen der Schienen vollgefüllt waren, der Wagen glitschte aber unaufhaltbar über die Schienen hinweg, rasselte über den Wechsel hinaus und in die Seitenwand des Anhängewagens des entgegenkommenden Zuges. Der Anhängewagen erlitt einige Defekte, sonst aber ist nichts weiter vorgefallen. Zu Schaden gekommen ist niemand.

Schwarzweißfoto der Johanneskirche mit Christbaummarkt in Innsbruck aus dem Jahre 1936.
Schwarzweißfoto der Johanneskirche mit Christbaummarkt in Innsbruck aus dem Jahre 1936.

29. November 1915
Der Verkauf von Christbäumen. Wie alle früheren Jahre, wird auch heuer der Verkauf der Christbäume an gewisse Bedingungen geknüpft. Darüber erfahren wir von zuständiger Stelle: Christbäume, welche in der Landeshauptstadt Innsbruck oder in der Stadt Hall zur Einlieferung gelangen, müssen mit einem von der f. f. Bezirksforst-Inspektion Innsbruck, Hall oder Steinach ausgestellten Lizenzschein versehen sein und überdies die Marke des Amtshammers des Forstschutzorganes (Gemeindewaldaufsehers) tragen. […] 

30. November 1915
Im Rauche erstickt. Zu dem schweren Unglücksfalle in der Wohnung der Familie P. in Hötting, Riedgasse Nr.26, erfahren wir noch, dass im Laufe des gestrigen Tages im Innsbrucker Spitale auch das dritte Kind der Eheleute P. , der 4 Monate alte Josef, gestorben ist. Es sind also drei lebensfrische, früher gesunde Buben durch einen verhängnisvollen Unglücksfall plötzlich durch den Tod hinweggerafft worden. Das Befinden des kleinen Josef schien anfangs nicht so sehr bedenklich zu sein, gestern verschlimmerte es sich aber zusehends und nachmittags starb das Kind infolge der Einatmung des Rauches. Wie festgestellt wurde, entstand der Rauch tatsächlich durch Papier, das beim Ofen zu glimmen begann. Man fand noch verkohltes Papier in der Nähe des Ofens vor.

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum
von Rafael Warger