Logo Innsbruck informiert
Zu erkennen ist die Mittenwaldbahn beim Überqueren des Finstertal-Viaduktes gegen die Martinswand im Jahre 1913.
Zu erkennen ist die Mittenwaldbahn beim Überqueren des Finstertal-Viaduktes gegen die Martinswand im Jahre 1913.

Innsbruck vor 100 Jahren - Oktober 2015

01. Oktober 1915
Stenographie Kurse. Der tirolische Stenographen Verein wird wie alljährlich so auch heuer wieder seine Stenographie Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene eröffnen, sobald ihm eine entsprechende Räumlichkeit zur Abhaltung des Unterrichtes zur Verfügung steht. Das Nähere wird vor Beginn der Kurse mitgeteilt werden. 

02. Oktober 1915
Rauferei. In einem Wirtshause jenseits der Innbrücke, wo häufig Karrner verkehren, kam es gestern abends zwischen solchen und Militär zu Raufszenen, die sich auch auf der Straße fortsetzten. Die Karrner machen in diesem Gasthause Musik und kommen mit ihren Weibern, dies zieht Militär an und dann gibt’s – zumeist wegen des weiblichen Teiles dieser Gesellschaft – Streit und Rauferei.                                                                                                                                    

08. Oktober 1915
Das Wetter. Seit einer bedenklich langen Reihe von Tagen schon liegt eine schwere, undurchdringliche Nebeldecke über uns, die Niederschläge dauern mit kurzen Unterbrechungen an, es ist also ein wirkliches, unangenehmes Herbstwetter. 

11. Oktober 1915 
In der Kirche gestorben. Gestern früh ist in der Herz-Jesu Kirche der hiesige Private Franz Z. einem Herzschlag erlegen. Nach kurzem Unwohlsein sank er nieder und verlor das Bewusstsein. Man berief allsogleich die Rettungsabteilung, welche jedoch von einem Transport absehen musste, dass der 75-jährige Herr bereits verschieden war. 

Innenansicht der Herz Jesu Kirche aus dem Jahre 1915.
Innenansicht der Herz Jesu Kirche aus dem Jahre 1915.

13. Oktober 1915
Betriebsstörung. Bei den Allerheiligenhöfen waren am Montag Leute mit dem Fällen von Bäumen beschäftigt. Einer der Bäume stürzt auf die elektrische Oberleitung der Karwendelbahn nieder und riss den Draht entzwei; dies verursachte eine Störung des Betriebes, welche mehrere Stunden dauerte. 

15. Oktober 1915
Gegen die Vorschriften. Eine Geschäftsfrau in Pradl wurde angezeigt, weil sie einer Kunde sechs Kilogramm feines Weizenkochmehl zum Preise von 88 Heller das Kilo verabfolgt hatte, während der Höchstpreis mit 78 Heller festgelegt ist. Die Geschäftsinhaberin verantwortete sich damit, sie habe das Mehl um 82 Heller von der Stadt gekauft und könne es nicht ohne Gewinn abgeben. 

18. Oktober 1915
Diebische Jungen. Zu der am 15. d.M. unter obiger Spitzmarke gebrachten Notiz werden wir ersucht, nachzutragen, dass sich der genannte Uhrmacher in der Kiebachgasse bei diesem Ankauf einer strafbaren Handlung nicht schuldig gemacht hat und sich deshalb auch nicht zu verantworten haben muss.

Winteraufnahme der Altstadt im Bereich der Kiebachgasse.
Winteraufnahme der Altstadt im Bereich der Kiebachgasse.

18. Oktober 1915
Stellen: Gesuche, Jung verheiratete Frau: (erstklassige Hotelköchin), deren Mann im Felde steht, sucht bis Anfangs November irgendeine leichte Beschäftigung für tagsüber in Innsbruck. Besehen wird mehr auf angenehme Behandlung als auf hohen Verdienst. Bef. Zuschriften sind zu richten an Frau Betti Seidlhuber, derzeit Haus Nr. 105, Leonstein, Oberösterr. 8056=3 

18. Oktober 1915
Gefährlich Handlungen auf der Straße. Vom Stadtmagistrate Innsbruck wird uns mitgeteilt: Wie letzthin ein Fall gezeigt hat, kann der häufig vorkommende Unfug, dass rücksichtslose Leute ihre unbespannten Lastwägen in rasche Bewegung bringen, sich auf das rollende Fahrzeug schwingen und dann mit den Füßen die Deichsel leiten, oder dass  einer sich auf den Wagen setzt und mit dem Fuße die Deichsel lenkt, während der andere rückwärts schiebend den Wagen in rasche Bewegung bringt, sehr gefahrbringend sein. Eine ebenso gefährliche Handlung ist der Unfug, dass Fuhrleute mit bespannten Wagen aus Toreinfahrten, Haustoren usw. unbekümmert auf den Wagen sitzend herausfahren, anstatt die Pferde an den Zügeln zu führen und vorübergehende Leute rechtzeitig zu warnen. Da derartige Handlungen geeignet sind, eine Gefahr für die Sicherheit von Menschen herbeizuführen, so wird die städt. Sicherheitswache fürderhin mit aller Strenge gegen solcherart sorg- und rücksichtslose Personen einschreiten. 

19. Oktober 1915
Kirchtagsrauferei. Aus Steinach schreibt man uns vom 18. Okt. Gestern fand im Gasthause beim „Stiner“ in Trins als Abschluss der Kirchweihfeier eine solenne Rauferei statt, wobei einer der Beteiligten einen doppelten Armbruch davon trug. Solchen Leuten wäre zu ihrer Strafenthaltung in den jetzt so bedrängten Zeiten ein ganz anderer Platz abzuweisen. 

Schwarzweißansicht der Küche im Gasthof Breinößl.
Schwarzweißansicht der Küche im Gasthof Breinößl.

20. Oktober 1915
Diebstahl und Hütteneinbruch. Zum Schaden der Firma Körting in Innsbruck wurden ein ungefähr 50 Kilogramm schweres Stück Blei, eine Kanne aus Zinkblech und eine Blitzzange gestohlen.  – Im Gschnitztale haben Unbekannte in die Brennerhütte eingebrochen und daraus S Waren und Getränke im Wert von 300 Kronen entwendet. 

25. Oktober 1915
Schöner Bernhardiner ist billig zu verkaufen. Reichsstraße Trambahnhaltestelle Schießstand. 8807=3

26. Oktober 1915
Vorsicht beim Fensterputzen. In der Kiebachgasse hier war letzthin ein Mann im dritten Stocke eines Hauses dort mit dem Reinigen der Fenster beschäftigt. Durch Unvorsichtigkeit entglitt ein Fensterflügel seinen Händen, jener stürzte in die Tiefe und fiel mit Wucht auf das Pflaster, zwei knappe Schritte vor einer Frau, die eben des Weges kam. Die Sache ging noch gut ab, auch die weit herumfliegenden Splitter brachten der Frau keinen Schaden. Bei solchen Arbeiten soll man schon mit besonderer Vorsicht zu Werke gehen. 

29. Oktober 1915
Ein Irrsinniger entsprungen. Aus dem Irrenhause in Hall entkam am 17. d.M. ein Geisteskranker ungefährlicher Art. Der Mann trieb sich bis gestern außerhalb der Anstalt herum und gestern ist er in Innsbruck aufgegriffen worden. Man brachte ihn wieder nach Hall zurück. Vor dem Eingangstore in die Heilanstalt zu Hall aber gelang es dem Kranken, seinem Begleiter zu entkommen. Diesmal aber wurde er sofort wieder eingeholt.

 

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Katharina Weide