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Von den Anfängen der Innsbrucker Alma Mater

Mit mehr als 28.000 Studierenden und über 4.500 MitarbeiterInnen ist die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck die größte Forschungs- und Bildungseinrichtung in Westösterreich. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt allerdings, dass auch die Innsbrucker Uni einmal klein begonnen hat.

Wer bis zum letzten Drittel des 17. Jahrhunderts als Tiroler studieren wollte, musste in die Ferne ziehen. An der Universität Wien, Freiburg, Dillingen und Ingolstadt, aber ebenso an italienischen Universitäten waren Tiroler Studierende zu finden. Von 1600 bis 1610 ist etwa ein maximaler Zustrom von 121 Tiroler Hörern an der Universität Ingolstadt nachgewiesen. Der Bedarf nach universitärer Bildung war also vorhanden. Dennoch wurde es erst 1665 – nach dem Aussterben der Tiroler Linie der Habsburger – mit der Gründung einer eigenen Universität ernst.

Aufbauend auf das seit 1562 bestehende Jesuitengymnasium gründete Kaiser Leopold I. am 15. Oktober 1669 eine Universität und sicherte ihre Finanzierung, indem er eine Sondersteuer auf das Haller Salz, den „Haller Salzaufschlag", verfügte. Dabei handelte es sich um eine überaus sichere Einnahmequelle, da Salz ein Grundnahrungsmittel für Mensch und Tier ist. Finanzierungen dieser Art waren nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Andere Universitäten hatten ihre finanzielle Basis etwa in Erträgen aus ständischen und kirchlichen Stiftungen.

 

Entwicklung der „Hohen Schule“

Mit dem Studienjahr 1669/70 begannen die beauftragten Jesuiten mit dem ersten Universitätskurs in Logik, womit der Grundstein für die Philosophische Fakultät gelegt wurde. 1671 nahmen die Theologische und die Juridische Fakultät den Betrieb auf, 1674 folgte das medizinische Studium.

Mit der Ausfertigung des kaiserlichen Stiftbriefes durch Leopold I. und der Bestätigung durch Papst Innozenz XI. erlangte die Universität Innsbruck im Jahr 1677 schließlich volle Rechtsgültigkeit. Die Universität wurde zweimal aufgelöst und wieder eröffnet. Ab 1826 erfolgte die endgültige Wiedererrichtung der Philosophischen und der Juridischen Fakultät durch Kaiser Franz I. und schrittweise die der anderen Fakultäten.

Im Jahr 1826 wurde das Lyceum zu Innsbruck zu einer Universität erhoben.
Im Jahr 1826 wurde das Lyceum zu Innsbruck zu einer Universität erhoben.

Was das Studienjahr alles mit sich brachte

Das Studienjahr begann am 29. Oktober, wurde mit dem Heilig-Geist-Amt eröffnet und dauerte bis in die letzten Augusttage des darauffolgenden Jahres. Die ersten Vorlesungen fielen auf den ersten Werktag nach Allerheiligen. Das Studienjahr war durchzogen von einer Vielzahl von Feiertagen, von denen heute nur mehr geträumt werden kann. Zu den Feiertagen zählten die Tage der Patrone (vom Landes-, Universitäts-, Fakultätspatron bis hin zum Studentenhauspatron), die Tage zugunsten der Ordensstifter und anderer verehrter Heiliger. Jeder Donnerstag war frei, der Samstag hingegen nicht. Auch während des Haller Marktes im Frühjahr und Herbst entfiel der Studienbetrieb. Studienfrei waren ebenfalls an Tagen, an denen Hinrichtungen stattfanden. 1739 drängten bei einer Hinrichtung am „Köpfplatzl“ in Innsbruck neugierige Studenten derart, dass der Henker sein Amt nur „ganz unvollkommen“ ausüben konnte.

Zudem wurde dem „sittlichen“ Verhalten von Studenten große Aufmerksamkeit gewidmet. So wurde etwa die Anwesenheit genau überwacht. Der Aufenthalt in Gasthäuern zu verbotener Stunde – im Winter ab 21:00 Uhr, im Sommer ab 22:00 Uhr – wurde geahndet. Auch kostspieliges Schmausen und Trinkgelage waren untersagt, Abstinenz vom Tanzen, Fischen und Jagen wurde gefordert. 

Besser spät als nie

Per ministeriellen Erlass von 1897 wurde den Frauen der Zugang an die Universitäten eröffnet – vorerst allerdings nur an den Philosophischen Fakultäten. Bereits drei Jahre später hatte die Frauenbewegung die Zulassung zum Medizinstudium erkämpft, während die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät erst 1919, in den ersten Tagen der Republik Österreich, Frauen zum Studium zuließ. Bis 1918 waren Frauen an der Leopold-Franzens-Universität die große Ausnahme. Hinzu kam, dass kaum reale Aussichten auf eine wissenschaftliche Laufbahn bestanden.

Dies änderte sich in den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs, als Frauen als Assistentinnen tätig werden konnten. Der Senat lehnte noch 1906 mit sechs zu fünf Stimmen die Zulassung von Akademikerinnen zur Habilitation ab. 1902 begann Adelheid Schneller mit 29 Jahren ihr Studium und war damit die erste Frau, die an der Innsbrucker Universität promovierte, und zwar am 10. Dezember 1907. Bis 1918 wurden lediglich fünf Frauen an der Philosophischen und vier an der Medizinischen Fakultät promoviert. 

Eine Universität mit 16 Fakultäten

Die Jahre 1969, als der Unterricht an der Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur begann, und 1976, als die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät aus den Rechts- und Staatswissenschaften hervorging, brachten weitere universitäre Ausbauschritte.
Mit der Einführung des Universitätsgesetzes 2002 wurde die Universität in fünfzehn kleineren Fakultäten strukturiert. Gleichzeitig wurde die Medizinische Fakultät in eine eigenständige Medizinische Universität überführt. Mit der Gründung der „School of Education“ erhielt die Universität 2012 schließlich ihre 16. Fakultät. (AA)

 

 

Als Quellen für den Artikel dienten das Werk „Leopold-Franzens-Universität Innsbruck“, herausgegeben von der Universität Innsbruck, Hans Moser und Christian Smekal (2001), das Buch „Innsbruck. Geschichte und Stadtbild bis zum Anbruch der Neuen Zeit“ von Dr. Franz-Heinz Hye (1980) sowie die Homepage der Universität Innsbruck www.uibk.ac.at.