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Innsbrucker Markttag 1963: Links Marktstände vor dem heute nicht mehr bestehenden Gebäude der Felician Rauch’schen Druckerei, rechts ist die zwei Jahre zuvor eröffnete „neue“ Markthalle erkennbar. – Anton Pohl (Wien 1898–1981 Innsbruck), 1963
Innsbrucker Markttag 1963: Links Marktstände vor dem heute nicht mehr bestehenden Gebäude der Felician Rauch’schen Druckerei, rechts ist die zwei Jahre zuvor eröffnete „neue“ Markthalle erkennbar. – Anton Pohl (Wien 1898–1981 Innsbruck), 1963

Eine Innsbrucker Grande Dame feiert Geburtstag

Madame, gemeint ist die „neue“ Markthalle, wurde am 03. Oktober 1960 eröffnet und feiert daher im kommenden Monat ihren 55. Geburtstag. Ihre ältere, neben ihr stehende Schwester ist fast doppelt so alt: die Großmarkthalle (die „alte“ Markhalle) wurde am 11. Oktober 1914 ihrer Bestimmung übergeben, war daher 2014 beachtliche 100 Jahre alt. Gründe genug, um historisch auf den Innsbrucker Markt zu „gehen“.

"Zeitig in der Früh beginnt dort an den Ständen das Fragen, Handeln und wohl auch Feilschen, das Loben und Preisen der schönen War‘ oder das Schimpfen, wenn die Frau Hinteregger gestern an holzigen Kohlrabi derwischt hat, wo sie doch scho zwanzig Jahr am gleichen Stand einkaft“. (1943) 

Auf’n Markt gehen 

Natürlich gab es in Innsbruck schon vor den beiden Hallen einen „mercatus“. Der Montagsmarkt, an dem Viktualien, also Lebensmittel, feilgeboten wurden, fand am Platz vor dem heutigen Goldenen Dachl statt: 1460 hatte Sigmund der Münzreiche der Stadt das Recht dazu verliehen. Die Verkaufsstände waren unter den Lauben („Stadtgewölben“) aufgestellt und damit Händler und Ware vor Wind und Wetter geschützt. 1765 wurde erstmals der Innrain zum Marktplatz umfunktioniert: Der Markt stand nun bis 1960 „unter dem so lauschigen Halbdunkel, das die mächtigen Baumkronen der Allee am Innrain über das allmorgendliche hausfrauengeschäftige Leben
und Treiben“ breiteten (1943).

Es hat sich „so manches enge Vertrauensverhältnis zwischen Markt- und Hausfrau herausgeschält, und jede der alten Marktfrauen hat ihre Stammkunden, die sie besonders gut hält und für die sie manch guats Stückl auf d’ Seiten legt“. (1943)

Markt im Spätherbst: Kürbisse in leuchtendem Orange. Am Feuer im Eisenkessel wärmen sich Menschen im Nebel. Nur mehr wenige gelbe Blätter warten auf den Bäumen. Den Hintergrund bildet die Silhouette der Johannes von Nepomuk-Kirche am Innrain. Als dieses Gemälde 1960 entstand, waren die Tage des Innsbrucker Obst-, Gemüse- und Blumenmarktes an diesem Standort bereits gezählt. – Franz Schwetz (Salzburg 1910–1969 Innsbruck), Markt vor der Johannes von Nepomuk-Kirche am Innrain, 1960
Markt im Spätherbst: Kürbisse in leuchtendem Orange. Am Feuer im Eisenkessel wärmen sich Menschen im Nebel. Nur mehr wenige gelbe Blätter warten auf den Bäumen. Den Hintergrund bildet die Silhouette der Johannes von Nepomuk-Kirche am Innrain. Als dieses Gemälde 1960 entstand, waren die Tage des Innsbrucker Obst-, Gemüse- und Blumenmarktes an diesem Standort bereits gezählt. – Franz Schwetz (Salzburg 1910–1969 Innsbruck), Markt vor der Johannes von Nepomuk-Kirche am Innrain, 1960

Frösche, Schnecken, Federvieh

„Allerley Garten-Gewächse, Grünzeug, auch saures und rübenes Kraut“ aber auch „Butter, Schmalz, Eier, Frösche, Schnecken, allerhand Feder- und anderes Wildpret“ (1791) wurden auch am nahen Markt bzw. Ursulinengraben angeboten. „Unreifes Obst, stinkende Fische, krepiertes Vieh“ waren verständlicherweise strengstens verboten (1791). Noch 1934 lagen an Samstagen geschlachtete „Schweine in Kisten“ vor der Johannes von Nepomuk-Kirche, „ihre Absonderungen“ verbreiteten einen entsprechenden „üblen Geruch“. Um 1950 konnten Katharina und Erna Fuchs aus Hötting dort zum ersten Mal in ihrem Leben die Bananen bestaunen, sogar erwerben – und dann verspeisen!

Die Maurer-Regina aus Arzl, die Kolb-Kathl und die Steinlechner-Toni "saßen tagtäglich um 6 Uhr früh auf ihrem Schemel hinterm Stand, und mühsam genug kamen die Kreuzer zusammen". (1943)

Die „neueste wohltätige Einrichtung der Stadt Innsbruck“

1913/14 wurde die heute noch bestehende Großmarkthalle am Herzog-Friedrich-Ufer von der Stadt Innsbruck errichtet. Allerdings war sie „nicht zum Verkaufe im  Kleinen bestimmt“, sondern ihre „großen Räume“ sollten „zur Lagerung und Ansammlung von Lebensmitteln dienen, welche vom Auslande oder von der Landwirtschaft betreibenden Bevölkerung in die Landeshauptstadt gebracht“ wurden. Die Marktfrauen mussten daher weiterhin bei Wind und Wetter im Freien ausharren.

„War nit so leicht, denn der Weg von Rum ist weit genug, wenn man seine War‘ auf dem Handwagerl selber nach Innsbruck schieben musste.“ (1943)

Markt ist Bewegung: Bewegung von Waren, vom Händler zum Käufer. Markt ist auch immer eine Versammlung von Menschen, die schauen, begreifen, riechen und reden und hören. – Josef Arnold (Wörgl 1891–1967 Innsbruck), Innsbrucker Markt, 1950er Jahre
Markt ist Bewegung: Bewegung von Waren, vom Händler zum Käufer. Markt ist auch immer eine Versammlung von Menschen, die schauen, begreifen, riechen und reden und hören. – Josef Arnold (Wörgl 1891–1967 Innsbruck), Innsbrucker Markt, 1950er Jahre

Die „neue“ Markhalle

Vor 55 Jahren, 03. Oktober 1960, wurde die „neue“ Markhalle eröffnet. Die von Architekt Willi Stigler geplante Stahlbetonhalle stellt eine Erweiterung der bereits bestehenden Großmarkthalle dar. Vor ihren großen Fensterflächen sind markante Beton-Lamellen angebracht, die als Sonnenschutz dienen und der „neuen“ Markthalle ihre Charakteristikum verleihen. Im Westen ist sie mit der Großmarkthalle verbunden, in der nun auch die bisher im Freien hart und ungesund arbeitenden (bäuerlichen) Marktfrauen ihren Platz fanden (Bauernmarkt). Dem Handel hingegen wurde die „neue“ Markhalle (Kojengeschäfte und Fixstände) zugewiesen.

„Hart war die Arbeit daheim im Garten bis spät ins Dunkel hinein, und morgen hieß es mit dem Hahnenschrei heraus, denn wer nit zeitig genug am Platz war, der ging
mit viel War‘ und wenig Kreuzer mittags wieder heim.“ (1943)

Zitate

Die mit (1943) gekennzeichneten Zitate stammen aus dem im Jahr 1943 veröffentlichten Porträt der damals 74-jährigen Innsbrucker Marktfrau, Gertraud Klotz, Bäuerin in Rum. Ihr Bericht steht stellvertretend für alle Innsbrucker Marktfrauen.

 

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum
Dr. Helmuth Oehler