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Eine Kompanie Kaiserjäger steht vor dem Kaiser-Franz-Joseph-Schutzhaus auf dem Patscherkofel. (Foto 1915)
Eine Kompanie Kaiserjäger steht vor dem Kaiser-Franz-Joseph-Schutzhaus auf dem Patscherkofel. (Foto 1915)

Innsbruck vor 100 Jahren - März 1918

von Angelika Kollmann-Rozin

04. März 1918
Ablieferung der Glockenseile. Mit Rücksicht auf den Mangel an Hanfmaterial hat das Kriegsministerium angeordnet, daß die Kirchengemeinden die zufolge Ablieferung der Glocken überflüssig gewordenen Glockenseile für die Kriegsleistung einzuliefern haben. Die Glockenseile sind an die Adresse des zuständigen k. u. k. Militärkommandos aufzugeben. Das Stationskommando zahlt nach der Uebernahme der Glockenseile den vom Kriegsministerium festgesetzten Durchschnittspreis von 75 h das Kilo.

Blick von Hötting –  oberhalb der neuen Pfarrkirche –  Richtung Patscherkofel. (Kolorierte Postkarte um 1918)
Blick von Hötting – oberhalb der neuen Pfarrkirche – Richtung Patscherkofel. (Kolorierte Postkarte um 1918)

05. März 1918
Von Schwemme zu Schwemme. Ein Kanzleidiener hatte neulich eine Begegnung mit einer von ihrem Manne geschiedenen Gelegenheitsarbeiterin, die in Hötting wohnt und wegen ihres Lebenswandels der Stadt verwiesen ist. Der abenteuerlustige Ehemann lud seine alte Bekannte zum Mitgehen ein und nun zog das Pärchen in der Stadt von Wirtshaus zu Wirtshaus: von 3 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends hatten sie, stets wacker zechend, die Schwemmlokale dreier Gaststätten in der Nähe des Bahnhofs absolviert, in der letzten aber übermannte den Liebhaber beim dritten Liter Wein der Schlaf. Sorgsam fragte ihn noch vor dem Schwinden der Sinne seine Begleiterin, ob er wohl genug Geld zum Bezahlen der ansehnlichen Zeche habe; der freigebige aber unvorsichtige Begleiter zeigte seine Brieftasche vor, dann entschlummerte er sanft. Seine Begleiterin bezahlte mit der Brieftasche des Schlafenden, dann bandelte sie mit einem Soldaten an und verließ mit diesem auch das Lokal. Der Schläfer erwachte nach einiger Zeit und ging nachhause. Am nächsten Morgen entdeckte seine Gattin, daß die Brieftasche fehle, in der sich weit über hundert Kronen befunden hatten. Der Verdacht des Diebstahls fällt wohl in erster Linie auf seine lustige Begleiterin, aber vorläufig kann dieser nichts nachgewiesen werden.

11. März 1918
Hütteneinbrüche. Das Kaiser-Franz-Joseph-Schutzhaus auf dem Patscherkofel, Eigentum der Touristenklubsektion Innsbruck ist gestern aufgebrochen vorgefunden worden. Der Schaden, welchen die Einbrecher durch Zertrümmerung von Fenstern, Türen usw. anrichteten, ist groß, noch bedeutender aber kann der Schaden angesetzt werden, der durch Verschleppung von Wäsche, Decken und anderen Ausstattungsstücken angerichtet wurde. Es fehlen nicht weniger als 25 Wolldecken, viel Tisch- und Bettwäsche, Bestecke u. dgl. Der Einbruch erfolgte durch die Veranda, und zwar wahrscheinlich vor 14 Tagen, da zu dieser Zeit der Haushund in Hlg. Wasser mehrmals nachts Lärm schlug; offenbar waren die Einbrecher auf dem Wege. Die Wäsche und die Decken trugen die Merke „Oe. T. C.“ Vor Ankauf wird gewarnt. Die gleichen Einbrecher haben auch – vermutlich in der gleichen Nacht – dem Jagdhaus „Maximilianhütte“ nächst der der Lanser Alpe auf dem Wege zum Patscherkofelhaus einen Besuch abgestattet und das Jagdhaus beraubt. Dieses ist Eigentum des kais. Rates Max Obexer in Innsbruck.

12. März 1918
Stänkerer. Ein Kaiserjäger stänkerte bei hellichtem Tage in der Herzog-Friedrich-Straße einen Sicherheitswachmann wegen einer von diesem früher gegen den Kaiserjäger unternommenen Amtshandlung an. Der Wachmann ließ sich dies nicht gefallen und forderte den Soldaten auf, mit ihm zur Militärpolizei zu gehen. Der Kaiserjäger weigerte sich; zudem wurde der Soldat von seinem Begleiter, einem Waffengefährten, in seinem Widerstande bestärkt, es kam deshalb zu Handgreiflichkeiten, die auf der Straße großes Aufsehen erregten. Der zweite Soldat riß den Wachmann von seinem Kameraden fort, so daß dieser entspringen konnte; dann setzte sich die Balgerei zwischen dem zweiten Soldaten und dem Polizisten fort. Schließlich blieb der Wachmann Sieger; er führte dann den Soldaten zur Militärpolizei.

Ansicht der Schäden an den Gleisanlagen des Innsbrucker Hauptbahnhofs nach einem italienischen Fliegerangriff. (Foto 1918)
Ansicht der Schäden an den Gleisanlagen des Innsbrucker Hauptbahnhofs nach einem italienischen Fliegerangriff. (Foto 1918)

13. März 1918
Fliegeralarm. Zwischen 10 und 11 Uhr in der vergangenen Nacht verlosch das elektrische Licht, schrillten die Signale durch die Nacht; es war das nicht mehr unbekannte Zeichen für Fliegergefahr. Die Alarmierung war nötig, obgleich der Feind noch für Laienbegriffe weit entfernt war.

18. März 1918
Das alte Lied. Zu einer Beamtensgattin in der Herzog-Friedrich-Straße kam vor mehreren Tagen eine Frauensperson mit dem schon sehr stark abgetragenen Angebote, Butter, Eier, Speck und dergleichen verlockende Sachen aus dem Zillertale zu beschaffen, natürlich gegen einen entsprechenden Vorschuß. Es gibt noch immer einfältige Leute genug, die auf einen solchen Schwindel hereinfallen. Die Beamtensfrau griff auch in ihre Tasche, nicht tief zwar, aber immerhin – sie war aufgesessen und angeschmiert.

21. März 1918
Vergeudung von Saatgut. Amtlich wird verlautbart: Es wurde die Wahrnehmung gemacht, daß viele Landwirte in der unbegründeten Furcht, es könnte das ihnen belassene Saatgetreide noch weggenommen werden, ihre Felder zu einem noch ungeeigneten Zeitpunkte nach äußerst mangelhafter Vorbereitung bebauen. Hiezu wird amtlicherseits mitgeteilt, daß eine Abnahme von Saatgetreide nicht geplant ist. Es ist daher verwerflich, wenn Landwirte in unverantworlicher Weise das kostbare Saatgut vergeuden und den Ausfall der künftigen Ernte von vornherein beeinträchtigen. Jene Landwirte, die so gewissenlos handeln, schädigen sich in erster Linie selbst.

Innbrücke mit Blick auf die Altstadt. (Panoramapostkarte zwischen 1910 und 1920)
Innbrücke mit Blick auf die Altstadt. (Panoramapostkarte zwischen 1910 und 1920)

26. März 1918
Ein Hochstapler. In einem Innsbrucker Hotel empfing ein Gast, der Offiziersuniform trug und sich als Oberleutnant Sonundso ausgab, den Kellner eines anderen gastlichen Hauses in Innsbruck in einer streng geschäftlichen Angelegenheit. Es handelte sich um die Uebernahme einer größeren Sendung Schokolade, die der angebliche Offizier dem Kellner und Händler angeboten hatte. Das Geschäft wurde gemacht, der Kellner gab 4000 K auf die Hand, der andere empfahl sich heimlich und ließ sich nicht wieder sehen. Der Unbekannte ist vermutlich ein verkleideter Hochstapler.

27. März 1918
Frost. Der Witterungscharakter wechselt jetzt häufig und gründlich; gestern Sturm, heute sonnenklar und windstill, aber frostig wie im Hochwinter. 6 Grad unter Null könnten unter Umständen nach den vielen warmen Tagen in den zwei letzten Monaten Schaden gebracht haben; der Winter-Roggen war schon stark ausgewachsen, er wird aber hoffentlich doch nicht gelitten haben, wohl aber sind die frisch erblühten Obstbäume, die Marillen und Pfirsiche zu Schaden gekommen; Marillen auf Spalieren standen seit mehreren Tagen in Blüte.

30. März 1918
Volkswohnungen. Ein Projekt der Stadt mit weittragender Bedeutung für Volkswohl und Volksgesundheit ist unstreitig die Schaffung billiger, gesunder Volkswohnungen. Die Stadt hat hier besondere Pläne, deren Verwirklichung sehr wünschenswert wäre. Im Zusammenhange mit der kriegs-volkswirtschaftlichen Bedeutung dieses Projektes steht auch die Errichtung der Kriegerheimstätten, für die das Bauprogramm bereits fertiggestellt ist.