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Ein Zug der Linie 4 - ehemalige Lokalbahn Innsbruck - Hall i. T. fährt vom Innrain kommend in den Marktgraben ein.
Ein Zug der Linie 4 - ehemalige Lokalbahn Innsbruck - Hall i. T. fährt vom Innrain kommend in den Marktgraben ein.

Innsbruck vor 100 Jahren - Februar 1918

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum von Tamara Eberhart

01. Februar 1918
Eine Irrsinnige in der Kirche. In der Herz Jesukirche ist gestern bei einem ungefähr 25 Jahre alten Fräulein plötzlich Irrsinn ausgebrochen. Die Unglückliche hatte allerlei Wahnvorstellungen, rief jedermann zu „der Friede ist geschlossen“ und erzählte alles Mögliche durcheinander. Man hat sie in ärztliche Beobachtung gebracht. 

04. Februar 1918
Der Storch im Hausgang. Auf dem Wege zur Landesanstalt ist am Samstag abends eine junge Frau aus Hötting in der Innstraße liegen geblieben. Im Gange des Hauses Nr. 13 kam dann ein kräftiger Junge zur Welt; die Freiw. Rettungsabteilung leistet die nötige Hilfe und schaffte Mutter und Kind ans erstrebte Ziel.

Gasthof und Tiroler Weinstube zum Speckbacher in der Maximilianstraße 35.
Gasthof und Tiroler Weinstube zum Speckbacher in der Maximilianstraße 35.

05. Februar 1918
Hausfrauenzusammenkunft. Freitag, den 8. Feber findet um 4 Uhr beim Speckbacher (Maximilianstraße) ein kurzer Vortrag über Kriegserfindungen der Hausfrau statt. Es werden Kostproben von Tee und Kriegsspeisen verabreicht, das Anfertigen von Einlagesohlen aus Zeitungspapier gezeigt und Rezepte diktiert. Arbeitsmaterial und ein Stück Brennholz oder Kohle ist mitzubringen.

07. Februar 1918
Eine aufsehenerregende Straßenszene. Ein Soldat ungarischer Nation kam in die Wohnung einer Familie in der Egerdachstraße und gab durch Zeichen zu verstehen – angeblich beherrschte er die deutsche Sprache nicht – man möge ihm etwas zu essen geben, er biete dafür zwei Stück Seife als Gegenwert an. Die Frau des Hauses war damit einverstanden, deckte dem Soldaten in einem Zimmer den Tisch, verließ aber dieses und begab sich in die Küche, um das Essen für die Familie fertigzustellen. Diese Zeit benützte der Ungar zur Verübung eines gemeinen Diebstahls. Vor allen Dingen nahm er einmal die beiden Seifenstücke zu sich, mit deren Hilfe er die Frau überlistet hatte, dann stahl der Lump eine Geldtasche vom Fensterbalken weg und macht sich davon. Einige Stunden später kam die Frau mit ihrer Schwester in die Jesuitenkirche. Dort entdeckten sie den Ungarn, sie folgten ihm auf die Straße und in Pradl stellten sie ihn. Der tapfere Sohn aus der Puszta empfahl sich dringend mit Hilfe seiner flinken Beine, nicht weniger rasch gefolgt von den beiden Frauen. Der Vorfall erregte begreiflicherweise auf offener Straße Aufsehen und Neugierde. Ein Zivilist hat dann den Fliehenden in der Gabelsbergerstraße aufgehalten. Derzeit beschäftigt sich die vorgesetzte Behörde mit ihm. Der größte Teil des gestohlenen Geldes, etwas über 60 Kronen, wurde noch bei dem Soldaten vorgefunden.

08. Februar 1918
Gefrorenes Gemüse. Eine Bäuerin hielt am Donnerstag auf dem Innsbrucker Gemüsemarkte gefrorenes und offenbar ungenießbar gewordenes Weiß- und Blaukraut feil, aber nicht etwa zu einem Preise, der der schlechten Qualität der Ware entsprach, sondern zu einem sehr hohen Preise. Die Leute waren darüber höchlichst und mit Recht aufgebracht. Vizebürgermeister Zösmayr schritt dann gegen die Verkäuferin energisch ein.

09. Februar 1918
Plötzlich erkrankt ist gestern nachmittags beim Einkaufen in einem Geschäfte in der Museumstraße ein junges Fräulein. Da der bedrohliche Zustand nicht vorüberging, berief man die Rettungsabteilung zwecks Ueberführung in die Wohnung nach Pradl.

11. Februar 1918
Der Liter Milch – K 3,20! Zwei Soldaten, so schreibt unser Höttinger Gewährsmann, mussten gestern auf ihrem Sonntagsausfluge zum Kerschbuchhofe in diesem Hofe für ein Glas Milch (1/4 Liter), 80 Heller bezahlen. Allerdings wurde im Hofe die Erklärung abgegeben, die Gastwirtschaft sei derzeit geschlossen, dies ist aber doch kein Grund, solche ungeheure Preise zu verlangen!

12. Februar 1918
Der Besuch der Innsbrucker Bäder. Derzeit haben die Innsbrucker städtischen Volksbäder Hochbetrieb. Es war nicht immer so ein Zudrang wie er heute herrscht, aber jetzt kann der Bedarf nicht mehr bewältigt werden. Alle Bäder, auch jene, die früher nicht allzusehr in Anspruch genommen waren, sind zu der Stunde des Tages belagert, es heißt auch hier anstehen. Den allergrößten Zuspruch bewahrt sich das Herzog Ottobad (Volksbad 3) in der Ottostraße. Eine starke Vermehrung der Badegäste und deren Konzentrierung auf die Badeanstalten verursachte die wegen des Kohlemangels nötig gewordene Schließung des Dampfbades (ehemals Nicolits), insbesondere aber der Zwang Gas zu sparen. Es besuchen daher viele Personen, welche zuhause ihre Badeeinrichtung haben, die städtischen Bäder, um das knapp bemessene Gas zu Koch- oder Heizzwecken verwenden zu können. Im Sommer, wenn die Schwimmbäder benützbar sind, wird sich dieser Zustand sicher bessern.

14. Februar 1918
Der Liter Milch K 3,20. Im Montagsblatte haben wir mitgeteilt, dass zwei Soldaten am Sonntag den 10. Feber im Kerschbuchhofe für ein Glas Milch (1/4 Liter) 80 Heller hätten bezahlen müssen. In Vertretung des Kerschbuchhofbesitzers teilt uns nun Dr. Kneringer mit, es könne durch Zeugen einwandfrei festgestellt werden, dass am Sonntag an Soldaten überhaupt keine Milch am Kerschbuchhofe abgegeben wurde. Es sei infolgedessen auch nicht richtig, dass von den Kerschbuchhofleuten weder an diesem Tage noch sonst einmal für ¼ Liter Milch 80 Heller verlang oder von Soldaten bezahlt wurde. – Wir geben dieser Mitteilung gerne Raum, denn es stellt sich nachträglich heraus, dass einer der beiden Soldaten, welche im Kerschbuchhofe eingekehrt sein wollten, unseren Höttinger Berichterstatter direkt belogen hatte.

16. Februar 1918
Vergessen. Vorgestern nachts, als ein hiesiger Fleischhauer Feierabend gemacht und große Fleischvorräte für den nächsten Morgen zum Verkauf hergerichtet hatte, ging er schlafen; er vergaß aber die Ladentüren zu schließen und das Licht abzudrehen. Schreck und Freude waren gleich groß, als er gegen 4 Uhr morgens von einem Wach- und Schließmann geweckt wurde und alles in Ordnung gefunden hat.

Ein Zug der Linie 4 - ehemalige Lokalbahn Innsbruck - Hall i. T. fährt vom Innrain kommend in den Marktgraben ein.
Ein Zug der Linie 4 - ehemalige Lokalbahn Innsbruck - Hall i. T. fährt vom Innrain kommend in den Marktgraben ein.

19. Februar 1918
Von der Straßenbahn. Das Eisenbahnministerium hat über die Entwürfe der Lokalbahn Innsbruck-Hall „Müllerstraße“ und „Hofgarten“ und die Verschiebung der Haltestelle „Innsteg“ für die Fahrtrichtung zum Berg Isel und der Haltestelle „Mühlau-Reichsstraße“ von Kilometer 6.890 nach Kilometer 6.726 bei Umbennenung dieser Haltestelle in „Arbeiterbäckerei“, sowie betreffend die Verlegung der Haltestelle „Westbahnhof“ der Linie Innsbruck-Hall i.T. für die Fahrtrichtung nach Hall von Kilometer 2.317 nach Kilometer 2.266 die Amtshandlung angeordnet. Diese wird Donnerstag, den 28. Feber, unter Leitung des Hofrates Grafen Vetter durchgeführt werden, und zwar tritt die Amtsabordnung um 9 Uhr vormittags bei der Haltestelle „Mühlau-Reichsstraße“ zusammen.

22. Februar 1918
Beim Ausflug verunglückt. Gestern abends ist auf dem Rückwege von einem Spaziergange unweit des Hungerburgsees eine ältere Frau recht unglücklich gestürzt; sie hat sich den linken Unterarm gebrochen.

23. Februar 1918
Seids Deutsche oder Walsche? Aus Vill wird uns berichtet: Am 20. d. M. gegen ¾ 3 Uhr nachmittags kamen von südliche Richtung (über dem Silltale) vier Flugzeuge. Sie flogen sehr nieder; ein Bauernbursche rief zu einem Flieger hinauf: „Seids Deutsche oder Walsche?“ Der Fahrer rief eine Antwort herunter; infolge des Surrens des Propellers konnte man jedoch nicht verstehen, was. Von Vill aus nahmen die Flugzeuge den Kurs in nördlicher Richtung gegen den Grillhof. Dort ließen sie sich noch weiter herunter, sodaß sie beinahe die Bäume streiften, und flogen direkt Innsbruck zu.

25. Februar 1918
Im Gedränge. In deinem Innsbrucker Gasthause mit starkem Verkehre ist der Kellnerin die Geldtasche gestohlen worden, während sie sich durch die Gäste durchdrängte. Es befanden sich darin 60 Kronen.

26. Februar 1918
Das städtische Meldeamt bleibt am Mittwoch, den 27. Feber, wegen Reinigung der Amtsräume geschlossen.

Blick vom Brückenplatzl in die Pradler Straße Richtung Süden. Links das Haus Pradler Straße 1 mit der Metzgerei Hans Müller aus den 1960iger Jahren.
Blick vom Brückenplatzl in die Pradler Straße Richtung Süden. Links das Haus Pradler Straße 1 mit der Metzgerei Hans Müller aus den 1960iger Jahren.

28. Februar 1918
Zur Regelung des Wurstverkaufes trifft der Stadtmagistrat folgende Anordnungen: Die Wursterzeuger werden aus den ihnen zur Verarbeitung vom Stadtmagistrate zugewiesenen Rindern nur mehr zwei Sorten Wurst erzeugen: Braunschweiger und Extrawurst, welch beide Sorten zum gleichen Preise von 7 K per Kilo in folgenden Verkaufsstellen abgegeben werden: A. Hörtnagl, Burggraben; Josef Kohlegger, Herzog-Friedrich-Straße; Josef Kohlegger, Karlsstraße; A. Raffel, Andreas-Hofer-Straße; H. Müller, Pradlerstraße. […]