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Bombenzerstörung am Rathaus-Mitteltrakt und Rathaus-Fallmerayerstraße: Viele Zahlen, Daten und Fakten gingen im Krieg verloren.
Bombenzerstörung am Rathaus-Mitteltrakt und Rathaus-Fallmerayerstraße: Viele Zahlen, Daten und Fakten gingen im Krieg verloren.

78 Jahre Kommunalstatistik in Innsbruck

Die Geschichte des Statistischen Amtes in Innsbruck ist eine Geschichte des steten Wandels von Inhalten und Personen. Nachfolgend werden die tiefgreifendsten Umbrüche aus nahezu acht Jahrzehnten des Bestehens herausgegriffen.

Mehr als 78 Jahre sind nunmehr vergangen, seitdem am 01. September 1939 das „Statistische Amt“ der Stadt Innsbruck ins Leben gerufen wurde. Nicht ganz zufällig fiel dieses Datum genau mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zusammen. Planwirtschaft und insbesondere die Kriegsbewirtschaftung setzten eine umfassende Kenntnis über vorhandene Ressourcen und voraussichtlichen Güterverbrauch voraus. In enger Zusammenarbeit mit allen städtischen Abteilungen und Ämtern wurden zunächst vor allem kriegswichtige Daten gesammelt und verarbeitet. Aber das Amt stand unter keinem guten Stern. Immer mehr Stellen lehnten die Mitarbeit ab, und so musste die mit viel Fleiß begonnene Sammlung statistischen Zahlenmaterials zwangsläufig eingeschränkt werden. Nicht zuletzt deshalb, weil am 16. Dezember 1944 eine Fliegerbombe das im damaligen Rathaus-Neubau in der Fallmerayerstraße untergebrachte Amt voll traf und tragischerweise dadurch auch eine Mitarbeiterin der damals drei Beschäftigten den Tod fand.

Nachkriegszeit bis 1955

Wie bei Kriegsausbruch, so verlangte auch nach dem Ende des Krieges der einsetzende Wiederaufbau nach verlässlichen statistischen Unterlagen aus allen Sachgebieten. Was an Daten und Zahlen aus den Wirren des Krieges erhalten geblieben war, sammelte der damals bereits pensionierte aber für diesen Zweck wieder reaktivierte ehemalige Magistratsdirektor, Dr. Hans Fankhauser, in seinem „Statistischen Handbuch der Stadt Innsbruck“ – einem historisch höchst bemerkenswerten Dokument, das zu einer in ganz Österreich allgemein anerkannten Systematik eines kommunalstatistischen Handbuchs werden sollte. Diesem Handbuch schlossen sich zwei Schriftenreihen an: die „Statistischen Jahrbücher der Stadt Innsbruck“, die bis 1995 erschienen, und die „Statistischen Vierteljahresberichte“, deren Aufgabe es war, Daten von besonders aktuellem Interesse rasch zu veröffentlichen und damit die Stadtführung, -verwaltung und sonstige BenutzerInnen mit „frischem“ Datenmaterial zu versorgen. Unter dem Namen „Statistische Quartalsblätter“ existieren sie bis heute. Die inhaltliche Bandbreite reicht von Demografie über Kultur und Verkehr bis hin zu Wahlen. Die Aufgaben des Statistischen Amtes erweiterten sich in der Zweiten Republik immer mehr durch Aufträge des Bundes. Lag zunächst das Hauptgewicht bei agrarstatistischen Erhebungen, die eine zielbewusste Lebens- und Futtermittelproduktion ermöglichen sollten, so dehnte sich der Auftragsumfang im Laufe der Zeit auf die Preis-, Wohnbau- und Tourismusstatistik aus. 1951 fand die erste ordentliche gesamtösterreichische Volkszählung statt, deren Durchführung und Organisation für Innsbruck beim Statistischen Amt lag.

Von 1956 bis heute

In den folgenden Jahrzehnten führtensteigende Anforderungen zu einer personellen Aufstockung des Statistischen Amtes, dem vorübergehend auch die Agenden der Raumordnung übertragen wurden, und es wurde entsprechend in „Amt für Statistik,  Stadtforschung und Raumordnung“ umbenannt. Mit der Errichtung der städtischen Datenverarbeitungszentrale Ende der 1960er-Jahre zog auch in der Innsbrucker Kommunalstatistik das Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung ein. Für eine wahrliche
Revolution der Arbeitsabläufe sorgte schließlich der Einsatz moderner Computer mit entsprechenden Datenverarbeitungsprogrammen ab Mitte der 1980er-Jahre, was vor allem die Produktion und Herausgabe der Amtspublikationen erleichterte. Mit der Einrichtung der städtischen Webseite im Jahr 2000 wurden zunehmend auch statistische Angebote online zur Verfügung gestellt. Im Laufe seiner bewegten Geschichte ist das Statistische Amt mehrmals umgezogen. Eine besondere Gelegenheit, der Raumnot Abhilfe zu schaffen, bot sich im Jahr 1979. Im ehemaligen Gasthaus „Bierwastl“ am Innrain wurden der Stadt zwei Stockwerke zur Verfügung gestellt, in die das Einwohneramt und das Statistische Amt einzogen. Nach einer vorübergehenden organisatorischen Spaltung in „Auftragsstatistik“ und „Kommunales Berichtswesen“ fand das 2001 wiedervereinigte Referat für „Statistik und Berichtswesen“ ab 2002 im 5. Stock des Rathaus-Neubaus seine Heimat. 2016 übersiedelte die Dienststelle schließlich ins 5. Obergeschoß der Anichstraße 5a.

Aktuelle Herausforderungen

In seiner heutigen Gestalt versteht sich das Referat als moderner Informationsdienstleister, sowohl magistratsintern als auch extern. Mit dem Umstieg auf den Registerzensus im Jahr 2011 und dem damit einhergegangenen Aufbau zahlreicher Verwaltungsregister stehen immer größere Mengen an räumlich tief gegliederten Daten zur Verfügung, die es für die unterschiedlichen AkteurInnen der Informationsgesellschaft (Wirtschaft, Politik, Verwaltung, BürgerInnen) aufzubereiten gilt. Immer berücksichtigt werden müssen dabei natürlich die sich ändernden datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen. Mittlerweile werden jährlich weit mehr als 100.000 Internetzugriffe auf die rund 600 Dokumente der städtischen Statistikhomepage registriert, 4.000 LeserInnen klicken regelmäßig die „Statistischen Quartalsblätter“ an.

von Dr. MMag. Mathias Behmann