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Chancengleichheit in der Schule mit und ohne Hörschädigung

Da sie dem Unterricht aufgrund schlechten Hörens nicht ausreichend oder nur schwer folgen können, haben hörgeschädigte Kinder oft einen Nachteil in ihrer Ausbildung. Die sogenannten FM-Anlagen ermöglichen es SchülerInnen, dem Unterricht besser zu folgen.

Der Schulalltag mit all seinen kleinen und großen Herausforderungen verlangt von Kindern und Jugendlichen viel Energie, Konzentration und Einsatz. Für SchülerInnen mit Hörschädigung verstärken sich die täglichen Hürden oft zusätzlich. Familie Vötter aus
Arzl kennt diese nur allzu gut: Die beiden Söhne Thomas (elf Jahre) und Alexander (sieben) sind von Geburt an hörgeschädigt. „Wenn Kinder mit Handicap auf die Welt kommen, ist es eine große Herausforderung. Wenn man dann Hilfe bekommt, hat man die Kraft, die Situation zu meistern“, erzählte Mama Gabriele. „Bund, Land und Stadt haben unserer Familie viel geholfen – etwa durch die Finanzierung der FM-Anlagen. Das Geld ist auch gut investiert, denn ich bin mir sicher, dass meine Kinder einmal einen richtigen Beruf ausüben und somit wieder etwas zurückgeben können“, fügt sie hinzu. Hörgeschädigte Kinder werden vonseiten der Stadt zum Teil bereits vor bzw. bei Schuleintritt künftig mit den dringend benötigten drahtlosen Signalübertragungsanlagen,
den FM-Anlagen, ausgerüstet. Dies betrifft im Stadtgebiet durchschnittlich fünf bis sechs Kinder, die pro Jahrgang eingeschult werden. 

Investition in faires Schulwesen 

Für die Anschaffung, die genaue Einstellung und die Adaptierung der Geräte auf die jeweiligen Ohren fallen durchschnittlich Kosten bis zu 2.200 Euro an. Die Krankenkassen zahlen die Geräte nur für Menschen in Beschäftigung und nicht für jene in Ausbildung.

Beim Hausbesuch zeigte Mama Gabriele mit ihren beiden Söhnen, wie die FM-Anlage – die sie um den Hals trägt – funktioniert.
Beim Hausbesuch zeigte Mama Gabriele mit ihren beiden Söhnen, wie die FM-Anlage – die sie um den Hals trägt – funktioniert.

„Es war klar, dass ein Weg gefunden werden musste, um betroffenen Familien zu helfen“, stellt Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer klar: „Es ist unsere Aufgabe, allen Kindern – ob mit oder ohne Hörschädigung – die gleiche Chance auf Bildung und eine damit verbundene optimale Vorbereitung auf die Berufswelt zu geben. Mit der Unterstützung der FM-Anlagen ist uns dies gelungen.“ Stadtrat Ernst Pechlaner stimmt zu: „Die Förderung ist nicht nur eine Investition in Barrierefreiheit, sondern auch eine Investition in Gleichberechtigung, Bildung sowie in ein funktionierendes und faires Schulwesen.“

Was sind FM-Anlagen?

Sogenannte FM-Anlagen übertragen alle Schallereignisse, wie Sprache und Musik, drahtlos mittels Funkwellen. Personen mit einer Hörschädigung nutzen spezielle Empfangsgeräte, die die Funksignale aufnehmen. Meist werden die Geräte um den Hals getragen und leiten diese Signale an einen Kopfhörer oder ein Hörgerät bzw. Cochlea-Implantat weiter. Störende Nebengeräusche werden nicht übertragen. Eine zu geringe Lautstärke aufgrund größerer Entfernungen zur Sprecherin bzw. zum Sprecher wird ausgeglichen. „Durch die FM-Anlage höre ich den Lärm nicht mehr, den die anderen in der Klasse machen. Ich verstehe die Lehrerin viel besser“, bestätigt Thomas Vötter, der in der Schule seit mehr als einem halben Jahr durch eine solche Anlage unterstützt
wird. Mobile FM-Geräte haben zusätzlich den Vorteil, dass die betroffenen Kinder an außerschulischen Veranstaltungen wie Wandertagen, Museumsbesuchen und Theateraufführungen barrierefrei teilnehmen können.

Transparenter Ablauf

In der Pädaudiologie der Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen Innsbruck wird der Bedarf einer FM-Anlage bei Kindern festgestellt. Die Betroffenen werden von der Stadt Innsbruck unterstützt, sofern nach der Testphase ein positiver Effekt erzielt werden konnte. SchülerInnen und ihre Lehrpersonen werden seitens der Stadt, BeratungslehrerInnen für hörgeschädigte Kinder des Landes Tirol sowie durch „ProjectEar“ verstärkt begleitet. „Zuerst haben wir die Geräte leihweise für etwa vier Wochen bekommen. Als sich schließlich gezeigt hat, dass es für die Kinder passt und die Stadt noch ihre finanzielle Unterstützung zugesprochen hat, waren wir natürlich sehr froh“, berichtet Gabriele Vötter. Die transparente Vorgehensweise wurde in Zusammenarbeit von Mag. Wolfgang Grünzweig (Koordinator des Behindertenbeirats der Stadt Innsbruck), Werner Pfeifer (stellvertretender Vorsitzender des Behindertenbeirats und Obmann von „ProjectEar“, Schwerhörigen Zentrum Tirol) sowie dem Team rund um o.Univ-Prof.
Dr. Patrick Zorowka (Direktor der Univ.-Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen Innsbruck) erarbeitet. (AA)