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Wald-Gasthof Zur Eiche (= Eichhof). Postkarte nach 1919
Wald-Gasthof Zur Eiche (= Eichhof). Postkarte nach 1919

Innsbruck vor 100 Jahren - Juli 1915

1. Juli 1915
Kinderwanderung. Man schreibt uns: Die Wanderung der Innsbrucker Kriegskinder, welche die Ortsgruppe Innsbruck des Turistenvereines „Die Naturfreunde“ Sonntag, den 27. Juni veranstaltete nahm bei herrlichem Sommerwetter einen hochbefriedigenden Verlauf. Ungefähr 160 Kinder hatten sich gegen halb 9 Uhr Vormittag im Garten des „Arbeiterheims“ eingefunden, von wo aus bald nach 9 Uhr die Wanderung begann. Auf dem Wege zum Hußlhofe reihten sich dann die im Stadtteile von West-Wilten wohnenden Kinder an, so daß die Teilnehmerzahl die Höhe von 180 Kindern erreichte. […] In Freudenrufe brach die fröhliche Schar aus, als sie das Frühstück (Butterbrot mit Honig und Himbeerlimonade) in Empfang nahmen. Nach kurzer Rast ging es wieder weiter, dem Endziele der Wanderung, dem „Eichhof“ am Nattererboden entgegen. Bald war das Mittagsmahl, eine kräftige Erbssuppe mit Reis und Brot zubereitet, Löffel und Teller klapperten und tüchtig wurde dem Essen zugesprochen. Nach dem Essen begannen allerlei Spiele und hauptsächlich war es das Mitglied Herr Novac, um den sich die Kleinen in hellen Haufen scharten und immer wieder neue Spiele verlangten.  

2. Juli 1915
Vom „Eisernen Blumenteufel“. Die Benagelung des zur Schaffung eines Fondes für Witwen und Waisen nach gefallenen Tiroler Kriegern gewidmeten „Eisernen Blumenteufels“, der früher im 1. Stock und jetzt in der Einfahrt des Landhauses aufgestellt ist, macht ganz ansehnliche Fortschritte. Die Kappe, der Brustteil und der Turnister, sowie ein Teil des linken Armes sind schon vollständig, und, wie man sieht, unter fachmännischer Leitung benagelt worden. Wie wir erfahren, waren bis Sonntag bereits 31.000 Nägel eingeschlagen, was zum Ruhme unserer opferfreudigen Bevölkerung umso mehr bedeutet, als erst vor kurzem aus Wien gemeldet wurde, daß der dortige Wehrmann in Eisen bereits mit 100.000 Nägeln beschlagen sei. 
 

3. Juli 1915
Sorglose Fußgänger, wenn selbe mitten auf dem Fahrdamm gehen, sind stets in Lebensgefahr oder doch in Gefahr verletzt zu werden. Ein 50jähriger Herr nahm gestern abends in der Maria Theresienstraße von einem Bekannten Abschied; er rief demselben rückwärtsgehend noch verschiedenes zu und beachtete infolgedessen das Gebimmel eines auf dem Fahrrad daherkommenden Telegraphenjungen nicht. Der Radler kam bei dem nun unausbleiblichen Zusammenstoß zum Sturze und quetschte und zerschund sich die Knie, der mit Unrecht so sehr aufgebrachte tuende Herr hatte nur geringfügige Abschürfung am Schienbein. 
 

7. Juli 1915
Der Geschützdonner aus Südtirol in Innsbruck hörbar. Bald nach Beginn der Feindseligkeiten der Italiener konnte man in der Gegend der Serlesspitze deutlich Kanonendonner wahrnehmen, der von einem der Kampfplätze im Süden Tirols kam, wahrscheinlich von der Vielgereuter Hochebene. In den letzten Tagen ist nun in Innsbruck selbst und im Nordosten der Stadt unzweifelhaft der Schall von Geschützdonner festgestellt worden, einzelne starke Schläge, die dumpf, nicht rollend und tönend über den Brenner herüberklangen. Eine Täuschung ist ausgeschlossen. In Innsbruck selbst ist der Donner der Kanonen schwerer festzustellen, weil hier der Lärm zu groß ist, es wurde aber doch einmal abends ungefähr um 9 Uhr, als einigermaßen Ruhe herrschte, dieser unzweifelhafte von unseren Mörsern herrührender Donner gehört.

„Anno Neun“-Denkmal vor der Ottoburg. Postkarte um 1920
„Anno Neun“-Denkmal vor der Ottoburg. Postkarte um 1920

8. Juli 1915
Schlagobersverbot für den Bezirk Innsbruck. Die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck verlautbart: Die Erzeugung von Schlagobers und dessen Verkauf, einschließlich der Verabreichung in Gast- und Schankgewerben, Konditoreien und Kaffeehäusern wird in den Gemeinden Absam, Hall, Hötting, Igls, Mühlau, Fulpmes, Steinach und Telfs strengstens verboten. Uebertretungen dieses Verbotes werden mit Geldstrafen bis zu 200 Kronen, beziehungsweise mit Arrest bis zu 14 Tagen geahndet.  

9. Juli 1915
Von den Ferienkolonien. Montag, den 5. Juli ist die erste Kolonie von Wildmoos zurückgekehrt. Der dreiwöchentliche Aufenthalt dort droben hat den Kindern augenscheinlich recht gut getan; mit einer einzigen Ausnahme hat sich bei allen das Körpergewicht erhöht, die Zunahmen betrugen 0,5 bis 2,9 Kilogramm, der Durchschnitt 1,54 Kilogramm. Die zweite Kolonie bestehend aus 20 Mädchen von den Schulen in der Sillgasse, in Dreiheiligen und St. Nikolaus, ging Mittwoch den 7. Juli unter Führung der Lehrerinnen Greiderer und Hellebrand nach Wildmoos.

Der Schloss- und Brauereibesitzer von Büchsenhausen Robert Nißl stellte 1910 seinen Jagdbesitz Wildmoos der Ferienkolonie Innsbruck unentgeltlich zur Verfügung, um dort ein Erholungsheim für Kinder zu errichten. Postkarte um 1909
Der Schloss- und Brauereibesitzer von Büchsenhausen Robert Nißl stellte 1910 seinen Jagdbesitz Wildmoos der Ferienkolonie Innsbruck unentgeltlich zur Verfügung, um dort ein Erholungsheim für Kinder zu errichten. Postkarte um 1909

15. Juli 1915
Italienische Gefangene passierten gestern wieder die vom Hauptbahnhofe nach der Kaserne im Turnusvereinshause (Innstraße) führenden Straßen. Bei dem gestrigen Trupp befanden sich auch einige Krankenträger. Wie man uns mitteilt, werden die in Innsbruck untergebrachten italienischen Gefangenen, welche sich bereits an Zahl dem zweiten Hundert nähern, demnächst ins große Lager nach Mauthausen gebracht.

 

Blick von der Innpromenade auf das Turnusvereinshaus. Postkarte 1912
Blick von der Innpromenade auf das Turnusvereinshaus. Postkarte 1912

19. Juli 1915
Allzuscharf … In der Altstadt flüchtete sich am Samstag vormittags eine ältere Bedienerin notgedrungen in einen dortigen Gasthausabort. Die dortige Hausmagd erwischte den „ungebetenen Gast“ und riß denselben so ungestüm zur Tür heraus, daß ihr am rechten Oberschenkel ein Bruch entstand.
 

27. Juli 1915
Die Hofgarten-Promenade-Konzerte. Die Dienstag Vormittags-Konzerte entfallen bis auf Weiteres, nachdem das städtische Orchester am gleichen Tage für Verwundete und Rekonvaleszente im Stadtspital konzertiert.

28. Juli 1915
Erlaß für Vormünder. Da derzeit insbesondere und auch sonst Mangel an Vormündern, Mitvormündern und Kuratoren herrscht, können nunmehr zu diesen Aemtern eigenberechtigte, verläßliche, geeignete, ledige oder verheiratete Frauenspersonen (letztere nur mit Zustimmung ihrer Ehegatten) von den Gemeindevorstehungen dem Gerichte in Vorschlag gebracht werden. Einer Muttervormünderin muß jetzt nur in dem Falle ein Mitvormund beigegeben werden, wenn diese es verlangt oder wenn es im einzelnen Falle als wünschenswert und zweckmäßig oder gar erforderlich erscheint.
 

28. Juli 1915
Die Anno Neun-Gruppe von Christian Plattner, die bekanntlich von der Stadt angekauft wurde, geht nun endlich ihrer Aufstellung entgegen. Gegenwärtig wird in der Nische hinter der Ottoburg der etwa drei Meter hohe, als Sockel gedachte Steinblock aufgestellt, der in den letzten Tagen vom Höttinger Steinbruch heruntergeschafft worden ist. Die betonierte Unterlage für diesen Sockel war schon seit längerer Zeit fertig. Da sich auch die in Erz gegossene Denkmalsgruppe bereits in Innsbruck befindet, wird wohl die Fertigstellung des Denkmals nicht mehr lange Zeit auf sich warten lassen.  

30. Juli 1915
Ein Bierkrügerl als Waffe. In einem hiesigen Gasthause bekam gestern nachts bei einem Wortwechsel ein Kutscher einen tiefsitzenden Hieb auf den Kopf; er blutete „wie a Fakl“ und mußte den Kampfplatz „sofort räumen, um sich verbinden zu lassen.“

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum
von Mag.ª Renate Ursprunger