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Konfirmationsurkunde von König Heinrich von Böhmen an die Stadt Innsbruck.
In dieser Urkunde bestätigt der König den Innsbrucker Bürgern alle Urkunden, die sie über Zölle und andere damit verbundenen Rechte haben. Das Gemmensiegel von König Heinrich von Böhmen ist mit einer Pergamentpressel der Urkunde angehängt.
Konfirmationsurkunde von König Heinrich von Böhmen an die Stadt Innsbruck. In dieser Urkunde bestätigt der König den Innsbrucker Bürgern alle Urkunden, die sie über Zölle und andere damit verbundenen Rechte haben. Das Gemmensiegel von König Heinrich von Böhmen ist mit einer Pergamentpressel der Urkunde angehängt.

Bürgeraufnahme im Mittelalter - Bürgerbuch

Im Mittelalter stellten die Innsbrucker StadtbewohnerInnen rechtlich keine homogene Gruppe dar, sondern setzten sich aus verschiedensten Bevölkerungsgruppen, die sich vor allem in ihrer rechtlichen und wirtschaftlichen Stellung unterschieden, zusammen. Der Großteil der in Innsbruck lebenden Menschen wie Adelige, Klerus, Juden und Angehörige des landesfürstlichen Hofes gehörte nicht der städtischen Gemeinde an und unterstand nicht dem Stadtrichter. Vom Bürgerrecht ausgeschlossen waren auch jene Personen, die im Dienst einer anderen Obrigkeit wie einem hohen Beamten standen. Die eigentlichen städtischen EinwohnerInnen waren Bürger und Inwohner, welche der städtischen Gerichtsbarkeit unterlagen. Die Bürger verfügten über das Bürgerrecht, das mit Rechten und Pflichten gegenüber der Stadtgemeinde verbunden war und sie führten die Innsbrucker Stadtverwaltung. Die erste Nennung des Ausdrucks „Bürger Innsbrucks“ findet sich im Tauschvertrag von 1180 zwischen Markgraf Berchtold V von Andechs-Meranien und dem Kloster Wilten. Zu den Inwohnern zählte jene Gruppe von Personen, die auch in der Stadt ansässig waren, Pflichten gegenüber der Stadtgemeinde hatten, jedoch waren sie nicht berechtigt, sich an der städtischen Verwaltung zu beteiligen. Zudem genossen Inwohner im Gegensatz zu den Bürgern weniger Rechte.

Erlangung des Bürgerrechts

Es gab zwei Möglichkeiten den Status des Bürgerrechts zu erlangen. Zum einen konnten Bürger, die bereits in der Stadt wohnten, ihr bestehendes Bürgerrecht an ihre Söhne weitervererben; diese bezeichnete man als Erbbürger. Der Stadtrat erkannte formal das ererbte Bürgerrecht, unter der Voraussetzung in Innsbruck wohnhaft zu bleiben und verheiratet zu sein, an. Den Bürgereid mussten sie nicht schwören, dieser wurde ihnen lediglich vorgelesen. Zum anderen konnten sich Inwohner oder neu zugezogene Personen um die Erlangung des Bürgerrechts bewerben. Hierfür mussten bestimmte Nachweise erbracht werden: von ehelicher Geburt zu sein, über ein bestimmtes Vermögen sowie persönliche Freiheit zu verfügen, verheiratet zu sein oder sich in naher Zukunft zu verheiraten, niemanden Diener zu sein, keiner anderen Obrigkeit zu unterstehen und das Bürger- und Einschreibegeld bezahlen zu können. Seit der Gegenreformation musste der Bewerber nachweislich dem katholischen Glauben angehören. Über die Gewährung des Bürgerrechts entschied die Stadtgemeinde. Mit der Aufnahme in den Bürgerstand erhielt der Bewerber nicht nur Rechte sondern auch zahlreiche Pflichten, die er mit dem Schwur des Bürgereids bestätigte. Nach der Bezahlung der Aufnahmetaxe, zählte man zum Stand der Vollbürger. Diese Personen wurden als geschworene Bürger bezeichnet.

Die vereinten Wappen Österreich, Tirol und Innsbruck.
Der Innsbrucker Stadtschreiber Georg Müller beauftragte den Hofmaler Georg Fellengiebel die Wappenmalerei auf Pergament anzufertigen und fügte dieses dem Innsbrucker Bürgerbuch hinzu. Um 1600.
Die vereinten Wappen Österreich, Tirol und Innsbruck. Der Innsbrucker Stadtschreiber Georg Müller beauftragte den Hofmaler Georg Fellengiebel die Wappenmalerei auf Pergament anzufertigen und fügte dieses dem Innsbrucker Bürgerbuch hinzu. Um 1600.

Rechte und Pflichten eines Bürgers

Jeder Innsbrucker Bürger unterlag dem Bürgerrecht, unabhängig ob dieses vererbt oder verliehen worden war. Die bedeutendsten Rechte waren: Ausübung eines Berufes oder Gewerbes in der Stadt, Weide- und Holzbezugsrecht, aktives und passives Wahlrecht sowie rechtlicher Schutz der Stadt. Die wichtigsten Pflichten waren: Gehorsam gegenüber dem Landesfürsten und der städtischen Obrigkeit, Steuer- und Wehrpflicht, Mithilfe bei Bekämpfung von Katastrophenfällen, Übernahme von Ämtern und Funktionen.

Verlust des Bürgerrechts

Jedem Innsbrucker Bürger konnte das Bürgerrecht auch wieder aberkannt werden. Denn der Besitz des Bürgerrechts war an den Verbleib in der Stadt gebunden und verließ jemand die Stadt, um sich an einem anderen Ort niederzulassen, so verlor dieser das Innsbrucker Bürgerrecht. Ebenfalls drohte der Verlust des Bürgerrechts, wenn man sich man sich in den Dienst einer anderen Obrigkeit begab. Ebenso konnte das Bürgerrecht jemanden durch den Stadtrat entzogen werden, wenn dieser gegen die bestehende Rechtsordnung verstoßen hatte. Gleichzeitig bedeutete dies das Berufs- bzw. Gewerberecht zu verlieren und damit wirtschaftlichen Schaden für den Betroffenen.

Ansicht von Innsbruck. Zu sehen sind die Innsbrucker Altstadt und Sankt Nikolaus. Dieser kolorierte Kupferstich stammt von Georg Hoefnagl aus dem Jahr 1575.
Ansicht von Innsbruck. Zu sehen sind die Innsbrucker Altstadt und Sankt Nikolaus. Dieser kolorierte Kupferstich stammt von Georg Hoefnagl aus dem Jahr 1575.

Das Innsbrucker Bürgerbuch

Jede Person, der das Bürgerrecht verliehen worden war, wurde in das Bürgerbuch eingetragen. Die Einschreibung in das Innsbrucker Bürgerbuch – „Erhebung in bürgerliche Freiheit“ – galt als Ehrensache und als Dokument über erlangte städtische Standeserhöhung, nämlich vom geduldeten Inwohner oder Neuankömmling zum stadtansässigen Vollbürger.

Die Entstehung des Innsbrucker Bürgerbuchs reicht bis zur Regierungszeit von Herzog Siegmund (1439-1490) zurück. In dieser Zeit wirkte Sigmund Pawmann als Stadtschreiber. Von ihm stammen die ältesten charakteristischen Eintragungen und daher wird er als „Begründer“ des Innsbrucker Bürgerbuchs bezeichnet. Der Stadtschreiber Hermann Ygl leistete ab 1547 wichtige Arbeiten für die innere Ordnung Innsbrucker Bürgerbuches, da dessen ursprünglicher Zweck war, die Rechte der Stadt, die Befugnisse des Stadtrates als auch die Ordnung des Gemeinwesens schriftlich festzuhalten und der Nachwelt zu überliefern. Der Wert des Innsbrucker Bürgerbuchs liegt nicht nur in dem Register über verschollene und ausgestorbene Bürgergeschlechter, sondern birgt ein gutes Stück älterer Stadtgeschichte Innsbrucks.

 

Aus dem Stadtarchiv:
Maga Natalie Lorenz

Altes Regierungsgebäude. Gemälde Öl auf Leinwand. um 1767
Altes Regierungsgebäude. Gemälde Öl auf Leinwand. um 1767