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Bürgermeister Franz Fischer spricht zu Bediensteten und der uniformierten städtischen Polizei im Innenhof des Rathauses 1934.
Bürgermeister Franz Fischer spricht zu Bediensteten und der uniformierten städtischen Polizei im Innenhof des Rathauses 1934.

Zwei Diktaturen, ein Weltkrieg

Verwaltung der Stadt Innsbruck 1934-1945

von Dr.in Sabine Pitscheider (Wissenschaftsbüro Innsbruck e.V.)

Im Februar 1934 löste die Landesregierung den gewählten Gemeinderat Innsbrucks auf, übertrug dem Bürgermeister und Regierungskommissar Franz Fischer die alleinige Verantwortung für alle Agenden der Stadt und ordnete ein Sparprogramm an. Die Stadt und ihre Unternehmen – Elektrizitätswerk, Gaswerk, Nordkettenbahn, Pfandleihanstalt usw. – waren hoch verschuldet, der Zinsendienst für eine Anleihe in Schweizer Franken engten zusammen mit den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und der vom Deutschen Reich verhängten Tausend-Mark-Sperre den Spielraum städtischen Handelns ein. Lohnkürzungen, Investitionsstopps und Gebührenanhebungen folgten, ebenso ein Personalabbau. SozialdemokratInnen und NationalsozialistInnen mussten gehen, die wenigen neu Eingestellten hatten eine einwandfreie „vaterländische Gesinnung“ nachzuweisen. Die Verbundlichung der bis dahin städtischen Polizei zum Jahreswechsel 1935/36 verringerte die Ausgaben nicht in dem erwünschten Maß, da die Stadt ein Gebäude – das beschlagnahmte Haus der verbotenen Freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei, die „Sonne“ – umbauen, einrichten und erhalten musste. Die radikal gestiegenen Kosten für Wohlfahrt versuchten alle öffentlichen Stellen noch mehr in die private Wohltätigkeit auszulagern. Innsbruck richtete eine eigene Kanzlei für die Winterhilfe, die das Sammelwerk des Ständestaates unterstützte, ein, beschäftigte das dafür benötigte Personal aber nur tage- oder wochenweise. Die städtische Bautätigkeit erlahmte fast vollständig, unbedingt notwendige Renovierungen übernahmen private Betriebe. Das Stadttheater konnte nur mit Subventionen des Bundes vor einer Schließung bewahrt werden. Kurz: Die städtischen Ämter verwalteten den Mangel.

Oberbürgermeister Egon Denz in NSDAP-Uniform und mit Bürgermeisterkette
Oberbürgermeister Egon Denz in NSDAP-Uniform und mit Bürgermeisterkette

Nach dem „Anschluss“ im März 1938 stellte das NS-Regime den ausgewiesenen illegalen Nationalsozialisten Egon Denz zuerst als kommissarischen, dann ernannten Oberbürgermeister an die Spitze Innsbrucks. Die NS-Gemeindeordnung richtete Politik und Verwaltung noch mehr als die ständestaatliche Gemeindeordnung nach dem Führerprinzip von oben nach unten aus. Als Ratsherren bestellte das Regime hohe und höchste Funktionäre der NSDAP und ihrer Gliederungen.

Radikaler als der Ständestaat „säuberte“ das NS-Regime die Verwaltung von „rassisch Unreinen“ und politisch Unliebsamen. Neue Posten gingen nicht mehr an fachlich gut oder bestens geeignete Personen, sondern an anerkannte „Alte Kämpfer“. Die Personen der Führungsebene waren zumeist schon nationalsozialistisch bewährt und blieben im Amt.

In Angleichung an die Verhältnisse im Deutschen Reich entstanden neue Ämter, wie das Standesamt oder das Statistische Amt. Kulturelle und schulische Agenden löste die Stadt aus anderen Ämtern heraus und errichtete eine neue Magistratsabteilung. Im Wohlfahrtswesen ersetzte die Stadt die ehrenamtlichen Armenbezirksvorsteher durch städtische Angestellte. Angeglichen wurde auch das Steuersystem, so dass Ämter wegfielen, wie das Gefällsamt, das die städtischen Verbrauchsabgaben eingehoben hatte. Das Regime verordnete die Ausgliederung aller städtischen Betriebe, die bis dahin von politisch besetzten Verwaltungsausschüssen überwacht worden waren. Die Stadt fasste 1939 das Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerk, die Stadtgärtnerei und die Nordkettenbahn zu den Stadtwerken, heute Innsbrucker Kommunalbetriebe, zusammen. Von 1939 bis 1941 erwarb die Stadt die Aktienmehrheit an der Lokalbahn Innsbruck-Hall, verschmolz sie mit zwei Busunternehmen und der Patscherkofelbahn zu den Innsbrucker Verkehrsbetrieben und unterstellte diese ebenfalls den Stadtwerken. Von 1938 bis 1945 wuchs die Stadt: 1938 gemeindete sie Hötting, Mühlau und Amras ein, 1940 Arzl, 1942 Vill und Igls. Innsbrucks Verwaltung umfasste nun sieben zuvor eigenständige Gemeinden, die Befehlswege waren nach dem Wunsch des Regimes straffer. Eine rege Bautätigkeit setzte ein, denn die Wohnungsnot war enorm. Neue Stadtteile entstanden, zuerst für die Einheimischen, nach der Zuwanderung von SüdtirolerInnen bevorzugt für diese. Mit Kriegsbeginn wuchsen die Aufgaben der Verwaltung, das Karten- und Bezugsscheinamt entstand, das Amt für Familienunterstützung oder das Kriegsschädenamt. Wie schon im Ersten Weltkrieg übernahmen Frauen die Aufgaben der zur Wehrmacht eingezogenen Männer, so dass der zuvor sehr geringe Frauenanteil in der Verwaltung stetig wuchs.

Manche Aufgaben gab die Stadt aus politischen Gründen ab: Der NS-Volkswohlfahrt erzog die Kindergartenkinder im nationalsozialistischen Sinn, Stadttheater und städtisches Orchester fielen an das Land bzw. den Gau.

Der Personalstand passte sich den geänderten Verhältnissen an. Beim „Anschluss“ arbeiteten 808 Menschen für die Verwaltung, im Mai 1945 waren es 1.342, bei den Stadtwerken inklusive Innsbrucker Verkehrsbetriebe noch einmal 1.225.