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Gräber am Ostfriedhof, um 1914
Gräber am Ostfriedhof, um 1914

Innsbruck vor 100 Jahren - November 1916

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Renate Ursprunger

02. November 1916
Heimatschutz und Friedhofschmuck Man schreibt uns: Bei Unterberger ist in einer hübschen von Maler Toni Kirchmeyr gezeichneten Umrahmung eine Tafel mit Ratschlägen ausgestellt, welche von Heimat-Schutzfreunden verfaßt, helfen sollen durch Aufklärung die schwierige Arbeit der Friedhofskommission zu unterstützen. Die Ratschläge zur Veredelung unserer Friedhöfe im Sinne des Heimatschutzes lauten: „ […] Gedenkst Du des Toten, so lege ihm einen Kranz von Feld- oder Gartenblumen aufs Grab, verunziere es aber nicht mit nachgeahmten Papier- oder Wachsblumen. Unwahrheit und Täuschung läßt sich mit dem Ernst des Ortes nicht im Einklang bringen. Willst Du dem teuren Toten einen Denkstein oder ein Erinnerungszeichen setzen, so bedenke, daß der Wert nicht in der Masse, Größe und hohen Kosten liegt, sondern in der harmonischen Einfügung in das Ganze und in der Schönheit des Denkmales. Ein schlichtes Kreuz aus Holz oder Schmiedeeisen kann durch farbige Behandlung zu hoher, künstlerischer Wirkung kommen. Für den Denkstein wähle ein heimisches Material: Nagelfluhe, Granite, Tuffstein, Muschelkalk, körniger Kalkstein usw., vermeide aber glatt polierte Steine; alles Spiegelnde ist unruhig und unpassend im Rahmen der Natur. Stelle kein Glas, Porzellan und keine Photographien auf. Es soll hier nicht das Vergängliche stehen und quälen und was in den Schrank gehört, stehe nicht unter dem freien Himmel.“ 

04. November 1916
Warnung vor Zuzug in die Stadt. Das städt. Arbeitsvermittlungsamt Innsbruck verlautbart folgendes: Der Bedarf an weiblichen Dienstboten und an Gasthauspersonal ist in Innsbruck reichlich gedeckt. Von auswärts kommende Arbeitssuchende haben geringe Aussicht eine Stelle zu finden und können in schwierige Lage geraten. Vor Zuzug wird daher gewarnt. 

Handelsakademie, um 1915
Handelsakademie, um 1915

07. November 1916
Kaufmännische Kurse für Kriegsgeschädigte an der Handels-Akademie. Von militärischer Stelle wird uns mitgeteilt: Im Laufe dieses Monats wird an der Innsbrucker Handels-Akademie ein mehrere Monate dauernder Kurs für kaufmännische Fächer und zwar getrennt für Offiziere und Mannschaft eröffnet, sofern sich für jeden der Kurse mindestens zehn Teilnehmer freiwillig melden. Teilnehmer können kriegsbeschädigte Offiziere, dann Unteroffiziere und Mannschaft deutscher Nationalität werden, die ihre Kriegsdiensttauglichkeit nicht oder in absehbarer Zeit nicht erlangen werden. Anmeldungen und nähere Auskünfte beim Platzkommando in Innsbruck (Burggraben 3). 

08. November 1916
Brotkontrolle. Dieser Tage wurde von einem Mitgliede der Kontrollkommission für Lebensmittel bei einer Bäckerei im östlichen Stadtteile eine Kontrolle über das Brot durchgeführt. Hiebei wurde festgestellt, daß das Brot durchgehends pro Kilo um 10 Deka zu gering befunden wurde. 

Familienausflug mit den Schlitten, Postkarte um 1910
Familienausflug mit den Schlitten, Postkarte um 1910

09. November 1916
Ablieferung der Schlitten und Rodeln. Unter Hinweis auf die an der Amtstafel des Rathauses veröffentlichte Kundmachung gibt der Stadtmagistrat Folgendes bekannt: Am 20., 21. und 22. November d. J. findet im Stadtgebiete Innsbruck die Ablieferung der Schlitten und Rodeln auf Grund des Kriegsleistungsgesetzes statt. […]
Abzuliefern sind die für Pferdezug eingerichteten Lastenschlitten aller Art und die Hand-(Hörner-)Schlitten usw., wenn mehr als einer vorhanden, nur je die Hälfte, ferner die Rodeln und zwar zur Gänze. Personenschlitten (für Pferdezug) sind nicht abzuliefern. Vorzuführen ist nur kriegsbrauchbares Material, sehr schwaches, mangelhaftes mithin nicht.

11. November 1916
“R o h ö“. Dienstag, den 14. d. M. werden Fisolen und Erbsen u. a. an jene Mitglieder abgegeben, deren Namen mit dem Buchstaben A bis K beginnen, und am folgenden Donnerstag jene von L bis Z. 

13. November 1916
Das Sieberer-Waisenhaus wieder von Waisen bewohnt. Die Zöglinge des Sieberer-Waisenhauses, welche bald nach Ausbruch des Krieges in Greisenasyl übersiedeln mußten, weil das Waisenhaus als Spital eingerichtet wurde, sind nun wieder in ihr altes Heim zurückgekehrt. Ebenso wie andere Notreservespitäler in Innsbruck ist nun auch das Spital im Sieberer-Waisenhause aufgelassen worden. 

15. November 1916
Hausfrauen-Beirat. Wie uns mitgeteilt wird, wurde bei der Statthalterei in Innsbruck ein Hausfrauen-Beirat eingesetzt, dem Hausfrauen aus den verschiedenen Kreisen der Bevölkerung zugezogen wurden. Die Statthalterei will sich vor Erlassung der mannigfachen Vorschriften auf dem Gebiete des Lebensmittelverkehres des Rates dieser Hausfrauen bedienen und es soll den Hausfrauen auch Gelegenheit geboten sein, durch selbständige Anregungen Verbesserungen hinsichtlich des Bezuges und der Verteilung von Lebensmitteln bei der Statthalterei vorzuschlagen. Mitglieder des Hausfrauen-Beirates sind die Frauen Maria Alton, Paula Burgauner, Ada v. Fenner, Hedwig Schneider und Lina Wageneder; ferner Stellvertreterinnen die Frauen Virginia Brunner, Auguste v. Manhardt und Marie Schraffl.

20. November 1916
Die Ladenverordnung zu Weihnachten. An den zwei Sonntagen vor Weihnachten können die Verkaufsläden wie immer offengehalten werden. Dieses Jahr fällt der Heilige Abend auf einen Sonntag. Nun entsteht die Frage, ob dieser, als der zweite Sonntag gerechnet wird oder nicht. Es wäre angezeigt, wenn die Kauflustigen von maßgebender Seite rechtzeitig darüber unterrichtet würden, denn es wird noch vielen in Erinnerung sein, was für ein Durcheinander in dieser Hinsicht im Jahre 1911 war, wo der Heilige Abend ebenfalls auf einen Sonntag fiel. 

28. November 1916
Der Schneefall. Während des ganzen gestrigen Tages hielt der Schneefall an, bald stärker, in der Form von spätwinterlichen Boen, dann wieder schwächer, als sollte die Bescherung bald aufhören; das letzter ist eingetreten, sagen wir glücklicherweise und Gott sei dank, denn noch mehr von dieser Sorte hätte die Verhältnisse nur noch verschlimmern können. Die Temperatur war schon während des Schneefalles über Null, sie hielt sich auch während des ganzen gestrigen Tages auf dieser zu solcher Jahreszeit ungewöhnlicher Höhe. Die Folge war ein Quatsch auf den Straßen, unabwehrbare Nässe auf den Gehsteigen, ein Zustand, der für Kriegssohlen und für Kriegsschuhe überhaupt, geradezu verhängnisvoll ist.