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Johann Baumann, der Besitzer des Cafe Baumann in der Herzog-Friedrich-Straße 11, steht 1916 mit Angestellten vor seinem Lokal zum Fototermin bereit.
Johann Baumann, der Besitzer des Cafe Baumann in der Herzog-Friedrich-Straße 11, steht 1916 mit Angestellten vor seinem Lokal zum Fototermin bereit.

Innsbruck vor 100 Jahren - März 1916

02. März 1916
Volltrunkenheit. Gestern um 9 Uhr abends wurde ein Färber aus Dornbirn in der Herzog Friedrichstraße beanständet, weil er in stark betrunkenem Zustande mit einem Revolver herumfuchtelte und dadurch Aufsehen erregte. Er mußte von München hierher zum Militär einrücken und die 16 Quarteln Wein sind ihm, wie er sagte, zu stark geworden. Er hat sich auch durch Sturz eine klaffende Wunde oberhalb des rechten Auges zugezogen, so daß ihm von der Rettungsabteilung ein Notverband angelegt werden mußte.

04. März 1916
Die Bedeutung der Geflügelzucht im Kriege. Über diesen wichtigen Gegenstand wird auf Einladung des Tiroler Geflügelzuchtvereines am 9. April Herr Georg Wieninger, Konsulent für Geflügelzucht im k. k. Ackerbauministerium in Wien, in Innsbruck einen Vortrag halten. Alles Nähere wird später bekannt gegeben.

06. März 1916
Ein Speckdieb. Dieser Tage wurden bei einem Bauern in der Schneeburggasse in Hötting von einem unbekannten Täter mehrere Kilogramm Speck gestohlen. Der Dieb dürfte zur Vollbringung des Diebstahls das Küchenfenster geöffnet und den Speck mit Hilfe einer Stange herausgelangt haben.

07. März 1916
Spende. Für die erste Innsbrucker Schulkinderausspeisung wurde unter ungenannt der Betrag von 30 Kronen gespendet, wofür hiermit herzlichst gedankt wird.

Gefährliches Spiel. Unbeaufsichtigte Kinder ließen gestern nachmittags aus einem Fenster in der Haspingerstraße große brennende Papierfetzen zur Erde fallen. Über die Gefährlichkeit eines solchen Unfuges, noch dazu bei dem gestern herrschenden Winde, bracht wohl kein Wort verloren zu werden. Eltern, verräumt vor den Kindern die jetzt ohnehin so teuer gewordenen Zündhölzchen und klärt sie immer wieder über die Gefährlichkeit des Spieles mit denselben auf!

Kirchenglocken, die zur Einschmelzung für die Produktion kriegswichtiger Güter vorgesehen waren, auf einem Areal in Wilten. Im Hintergrund Stift Wilten und die Wiltener Basilika.
Kirchenglocken, die zur Einschmelzung für die Produktion kriegswichtiger Güter vorgesehen waren, auf einem Areal in Wilten. Im Hintergrund Stift Wilten und die Wiltener Basilika.

10. März 1916
Die Innsbrucker Glocken für Kriegsmetallzwecke. Nach einer Mitteilung des Innsbrucker Probsteiamtes an das Bürgermeisteramt von Innsbruck müssen die meisten Kirchenglocken der Stadt zu Kriegsmetallzwecken abgeliefert werden. Ausgenommen hievon sind nur die Glocke auf dem Stadtturm und die kleine Glocke in der Friedhofskapelle, dann sämtliche Glocken auf dem Turme der Spitalkirche und die große Glocke im Gewichte von 7000 Kilo (aus dem Jahr 1840) der Stadtpfarrkirche St. Jakob sowie noch zwei andere Glocken auf den Türmen dieser Kirche. Bürgermeister Greil gab in der gestrigen Sitzung des Innsbrucker Gemeinderates dies bekannt.

11. März 1916
Ehrendoktoren der Universität Innsbruck. Der Kaiser genehmigte, daß das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck dem Erzherzog Eugen, dem Erzherzog Franz Salvator und dem Chef des Generalstabes Generalobersten v. Hötzendorf das Ehrendoktorat der medizinischen Fakultät verlieh.

Diplom zur Ernennung von Erzherzog Franz Salvator zum Ehrendoktor der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck aufgrund seiner Verdienste um das Rote Kreuz, am 6. März 1916.
Diplom zur Ernennung von Erzherzog Franz Salvator zum Ehrendoktor der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck aufgrund seiner Verdienste um das Rote Kreuz, am 6. März 1916.

13. März 1916
Der seltsame Fund im Mariahilfer Friedhofe. Wir haben vor einigen Tagen berichtet, daß auf dem Mariahilfer Friedhofe eine Schachtel mit einem stark entwickelten Embryo aufgefunden wurde. Wie nun durch das ärztliche Gutachten festgestellt wurde, handelt es sich in dieser unaufgeklärten Sache um eine Totgeburt. Bei dieser geheimen Geburt scheinen aber fachkundige Hände im Spiel gewesen zu sein. Bisher wurde ein Mann, der in diese Angelegenheit verwickelt zu sein scheint, verhaftet.

17. März 1916
Briefe zwischen Nordtirol und Salzburg zensurfrei. Seitens der zuständigen Militärdienststellen wurden die Privatkorrespondenz im Verkehre zwischen dem Kronlande Salzburg und Nordtirol zensurfrei erklärt. Es können daher von nun an alle Privatbriefe aus Orten im Amtsbereiche der Tiroler Bezirkshauptmannschaften Landeck, Imst, Reutte, Innsbruck, Schwaz, Kuffstein und Kitzbühel nach Orten des Kronlandes Salzburg geschlossen aufgegeben und versendet werden. – Ausdrücklich wird betont, daß hingegen alle Privatbriefe aus den übrigen Teilen Tirols und Vorarlbergs nach dem Kronlande Salzburg nach wie vor zensurpflichtig und daher offen zu versenden sind. Obige Zensurbefreiung hat auch für den Gegenverkehr, das ist aus Salzburg nach Nordtirol, Gültigkeit.

18. März 1916
Die Liebe und der Suff. Gestern nachts gab es in Mariahilf eine arge Rauferei, welche mit schweren Verwundungen endigte. Eine 30 Jahre alte Hausiererin blieb bewußtlos und blutüberströmt am Platze; Sie erhielt einen Hieb über den Kopf, derart, daß Splitter des Schädels ins Gehirn drangen, einen zweiten Hieb auf den linken Arm, der wichtige Nerven und Sehnen durchtrennte und einen dritten Schlag über das Knie; eine große klaffende Wunde war die Folge. Ihre Gegner, zwei Soldaten, haben auch „Andenken“ an diese „lauschige“ Nacht mitgenommen. Der eine erhielt drei Stiche in die linke Schulter und Oberarm, der andere einen Stich in die Herzgegend. Polizei, Rettungsabteilung und Spitalarzt hatten mit den drei Hauptverletzten lange Arbeit.

20. März 1916
Eine Schlacht unter Nachtvögeln. Kürzlich gab es in der unteren Feldgasse zu Hötting wüste nächtliche Szenen. Mehrere Burschen im Alter von 16 und 18 Jahren hatten unter sich Händel, wobei es schließlich zu einer Rauferei kam. Bei dieser nächtlichen Ruhestörung wurde sogar mit Revolvern geschossen. Ob Verletzungen vorgekommen sind, konnte bis jetzt nicht festgestellt werden, da erst am Samstag Anzeige erstattet wurde.

Blick von Mühlau gegen Westen: Im Vordergrund sieht man den neuen, noch unbelegten Friedhof, die Pfarrkirche und das Gelände und die Bauten der Lodenfabrik Baur und Weyrer.
Blick von Mühlau gegen Westen: Im Vordergrund sieht man den neuen, noch unbelegten Friedhof, die Pfarrkirche und das Gelände und die Bauten der Lodenfabrik Baur und Weyrer.

21. März 1916
Zeitweise Betriebseinstellung. Die Schafwollwarenfabrik Weyrer in Mühlau hat vorläufig wegen Mangels an Rohmaterial den Betrieb eingestellt. In einem Teile des Fabriksgebäudes sind russische Arbeiterabteilungen untergebracht.

22. März 1916
Ein jugendlicher Dieb. Gestern wurde in der Höttingerau ein Bursche im Alter von etwa 14 Jahren verhaftet, weil derselbe einer Partei in der Höttingerau eine goldene Herrenuhr samt Kette entwendet hatte. Die Uhr hat der Bursche angeblich an einen Hadernsammler um 3 Kronen verkauft.

27. März 1916
Der Verkehr mit Kriegsgegangenen. Von amtlicher Seite wird mitgeteilt: Es ist vorgekommen, daß Arbeitgeber und deren Angestellte mit Kriegsgefangenen Karten spielten. Soche und ähnliche Unterhaltungen sind mit den Kriegsgefangenen strengstens untersagt.

31. März 1916
Spazierstöcke, besonders solche mit gebogenem Griff, sind in allen Spitälern ein höchst willkommenes Geschenk. Die Rettungsabteilung hätte Gelegenheit, solche gerade den Bedürftigen zu überreichen, weshalb um derartige Spenden hiemit sehr gebeten wird. In der Rettungsstation im Rathaus werden diese Gaben jederzeit gern übernommen. 

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum
Mag.ª Angelika Kollmann-Rozin