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In Zeiten allgemeiner Not bot Musik für Zivilisten und Soldaten eine willkommene Abwechslung.
In Zeiten allgemeiner Not bot Musik für Zivilisten und Soldaten eine willkommene Abwechslung.

Innsbruck vor 100 Jahren - Jänner 1916

01. Jänner 1916
6 Bitten um Ziehharmonika. 6 Bitten um Ziehharmonika, welche aus dem Felde an die Innsbrucker Rettungs-Abteilung einlangten, konnten bisher leider nicht erfüllt werden, da es derselben am nötigen Gelde hiezu mangelt. Deshalb tritt die Rettungs-Abteilung, welche schon über 1 Dutzend Musikinstrumente zum Versand fürs Feld von Gönnern geschenkt bekam, neuerdings mit der Bitte um Geldspenden zum Ankauf solcher heißersehnter Ziehharmonika (im Schützengraben auch „Wanzenpresse“ genannt) heran. In den Tabak-Geschäften Reßler und Stainer sowie in der Rettungsstation sind Sammelbüchlein und Bögen vorhanden, zur Entgegennahme von großen und kleinen Spenden für diese unseren Vaterlandsverteidigern zu erweisende große Wohltat – (denn als solche wird jede Art von Musik im Felde empfunden.)   

05. Jänner 1916
Im Soldatenheim. Im Soldatenheim, Stadtsaal, spielte gestern das erstemal unter großem Beifall eine Abteilung der hiesigen Regimentsmusik, dank der Bemühungen der Frau Dr. Walde. Die Mannschaften wären jedenfalls sehr froh, wenn diese Konzerte regelmäßig wiederholt würden.  

07. Jänner 1916
Hebammen-Kurse. Der Unterricht der Hebammen-Kandidatinnen deutscher Zunge beginnt mit 1. März 1916 und dauert bis Ende Juli. Personen, die sich zur Aufnahme melden, müssen, wenn sie ledig sind, das 24. Lebensjahr erreicht haben und dürfen das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben.

 

Aufnahme der Kirschentalgasse aus dem Jahr 1913, wo die dreiste Diebesbande gestellt wurde.
Aufnahme der Kirschentalgasse aus dem Jahr 1913, wo die dreiste Diebesbande gestellt wurde.

07. Jänner 1916
Ein Diebesnest ausgehoben. In der Kirschentalgasse wurde gestern vormittags eine aufsehenerregende „Amtshandlung“ vorgenommen. Vor dem Hause Nr. 8 (Höttinger Gebiet) hielt ein Wagen, auf den eine Menge von Lebensmitteln der verschiedensten Art aufgeladen wurden: Schmalz, Zucker, Teigwaren, Mehl und andere zum Lebensunterhalt sehr notwendige kostbare Dinge. Es handelt sich um Diebesgut, das in diesem Hause zusammengetragen worden war; die Diebe sind Soldaten, der Hauptbeteiligte scheint ein Koch zu sein. Die der ausgedehnten großen Diebstähle Beschuldigten sind bereits verhaftet worden. Bei einem der Soldaten fand man einen Geldbetrag von 800 K.

11. Jänner 1916
Ein Kriegshund entlaufen. Vor einigen Tagen ist am hiesigen Hauptbahnhofe um halb 3 Uhr nachmittag einem durchfahrenden Marschbataillon ein Kriegshund (Fuchsrasse) entlaufen. Derselbe ist mittelgroß, hat weiße Flecken am Kopf und Nacken, Ohren und Schwanz sind nicht gestutzt, trug sein Halsband, ist dressiert und hört auf den Namen „Zessi“. Der Hund hat einen Wert von 400 Kronen. Sachdienliches wolle der Polizei bekannt gegeben werden.

Ob in diesem Hündchen ein zukünftiger Kriegshund schlummert?
Ob in diesem Hündchen ein zukünftiger Kriegshund schlummert?

13. Jänner 1916
Unterrichtskurse zur Heranbildung von Organen der Gesundheits- und Lebensmittelpolizei. Es werden all jene Personen, die an diesem Kurse teilnehmen wollen, aufgefordert, sich im Monate Februar unter Nachweis ihrer Vorbildung beim Vorstande der k.k. allgemeinen Untersuchungsanstalt für Lebensmittel in Innsbruck mündlich oder schriftlich anzumelden. Zum Besuche der Kurse werden nur solche Kandidaten zugelassen, welche eine Vorbildung nachweisen, die zum mindesten jener der absolvierten Bürgerschule entspricht. Die Dauer des Kurses wird auf sechs Wochen festgesetzt. 

Ein hoffnungsvolles Früchtel. Ein zehnjähriges Mädchen hat zum Schaden mehrerer Personen seit zirka einem Monate im Milchgeschäfte Kirchmayr, St. Nikolausgase 1, Taschendiebstähle ausgeführt. Bisher sind 10 solche Fälle bekannt. Der Schaden beträgt zusammen 59 Kronen 36 Heller. Das Geld hat das Mädchen teilweise vernascht, teilweise ihrer Mutter mit der Bemerkung übergeben, daß sie es gefunden habe. Zwei Geldtäschchen wurden noch vorgefunden, die anderen hat das Mädchen vernichtet. 

14. Jänner 1916
Stromabschaltung in Innsbruck. Zur Durchführung des Austausches eines unbrauchbar gewordenen Hochspannungsapparates ist das städtische Elektrizitätswerk genötigt, die Unterstation am Berg Isel Sonntag den 16. Jänner von 10 bis 11 Uhr Vormittag außer Betrieb zu setzen und erfolgt in dieser Zeit die Versorgung der Stadt vom Mühlauerwerke allein. Da die Leistungsfähigkeit des letzteren zu gering ist, werden alle Stromabnehmer ersucht, sämtliche nicht unbedingt notwendigen Lampen, Motoren und sonstige Stromverbraucher in dieser Stunde abzuschalten. Sollte wider Erwarten die Stromversorgung einzelner Stadtteile eingestellt werden müssen, so sollen die bei der Abschaltung des Stromes von selbst stehen gebliebenen erst nach Wiedererscheinen des Lichtes neu eingeschaltet werden, weil sonst die Motorensicherungen abschmelzen.     

17. Jänner 1916
Ein Geisteskranker. Am 16. d. M. gegen 12 Uhr mittags kam ein Fleischhauergehilfe halb bekleidet und in sehr aufgeregtem Zustande in das Wachzimmer Wilten um Hilfe bittend, da er von einer Menge Leute mit Erstechen bedroht werde. Er warf schon am Vorabend gegen 10 Uhr von seiner in der Mentlgasse gelegenen 2. Stockwohnung Matratzen und Betten in den Hof und wollte nachspringen, woran er aber von Hausleuten verhindert wurde. Ueber Anordnung eines herbeigerufenen Arztes brachte die Rettungsabteilung den Mann in die Nervenabteilung, wo er auch verblieb. Derselbe sollte heute einrücken.   

20. Jänner 1916
Der Sebastianitag. Der Sebastianitag, das Patroziniumsfest im Pfarrsprengel Dreiheiligen, war seit jeher bekannt, gefürchtet wegen der Kälte, die um diese Zeit herum in den Tagen des Vollmondes meist den Höhepunkt des Winters erreichte. Heute verspürt man nichts davon; kaum daß sich unter dem Einflusse des ungewöhnlich milden Wetters die Erddecke schloß. Und gestern erst brachte man uns zwei lebende Beweismittel für diese ewig denkwürdige Ausnahme eines Nordtiroler Winters: zwei muntere, wohlgenährte Maikäfer, die in Mühlau im Freien gefunden wurden.   

Aufgrund des Personalmangels mussten sowohl auf der Lokalbahnlinie Innsbruck - Hall i. T. als auch auf den Stadtlinien erstmals Wagenführerinnen und Schaffnerinnen eingesetzt werden.
Aufgrund des Personalmangels mussten sowohl auf der Lokalbahnlinie Innsbruck - Hall i. T. als auch auf den Stadtlinien erstmals Wagenführerinnen und Schaffnerinnen eingesetzt werden.

22. Jänner 1916
Frauen als Wagenführer bei unserer Lokalbahn. Wie wir erfahren, werden in einer Zeit bei der Innsbrucker Straßenbahn Frauen in den Dienst als Wagenführer gestellt, da die Einberufung von Wagenführern und Schaffnern zu Militärdiensten große Lücken in den Stand des Personals reißt. In Betracht kommen hier solche Frauen, die sich bereits als Schaffnerinnen schon seit einiger Zeit betätigten und sich als solche bewährt haben. […] Aber die Zeit, in der wir leben, erzeugt außergewöhnliche Zustände, und die Frau als Wagenführerin ist eigentlich gar nichts Außergewöhnliches mehr; in größeren Städten ist diese kriegszeitliche Einführung schon früher getroffen worden.  

Von der Straße. Der Kinderbettel nimmt in einer Weise zu, die Aufmerksamkeit verdient. Gestern ging so ein kleiner Knirps, dessen Vater Südbahnangestellter ist, in der Erlerstraße betteln. Da er bei den Passanten wenig Glück hatte, besuchte er die Geschäftsläden. Durch dieses offenbar von den Eltern geduldete Betteln wird nicht Gutes erreicht, im Gegenteil, die Kinder werden nur zu Faulheit, Leichtsinn, besonders zur Lüge und anderen Untugenden erzogen. Zudem ist es auch von den Eltern gewissenlos, ihre Kinder auf den Straßenbettel zu schicken, wenn der Mann ein hinreichendes Einkommen hat. […]   

29. Jänner 1916
Wohltätigkeitsveranstaltung für die Witwen und Waisen der gefallenen Tiroler. Am 6. Februar findet unter der Devise Schwarz-Gelb in den Stadtsälen eine Veranstaltung zu Gunsten der Witwen und Waisen der gefallenen Tiroler, sowie zur Erhaltung und Ausgestaltung der Kriegsfürsorge „Kinderkorb“ statt. […]