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Innsbruck zählte zur Zeit Ferdinands II. rund 5.300 Einwohner – Ansicht Innsbrucks aus dem „Schwazer Bergbuch“ (1556)
Innsbruck zählte zur Zeit Ferdinands II. rund 5.300 Einwohner – Ansicht Innsbrucks aus dem „Schwazer Bergbuch“ (1556)

Ein Museum voller Schätze

Erzherzog Ferdinand II. war bekannt für seine Sammelleidenschaft und seine Feierfreude – als Landesfürst von Tirol machte er Innsbruck zu einem gesellschaftlichen Hotspot seiner Zeit.

aus dem Stadtarchiv von Susanne Gurschler

 

Am 17. Jänner 1567 war es soweit: Ferdinand II. und seine Entourage trafen in Innsbruck ein. Die Route war genau festgelegt, das Programm penibel ausgearbeitet: Der sehnlichst erwartete Landesfürst sollte mit allen Ehren empfangen werden, die ihm gebühren. Am Saggenfeld wurde er, ganz traditionell, mit Geschützfeuer begrüßt, dann ging es über die von Schnee und Eis geräumte Straße Richtung Innbrücke und Goldenes Dachl, wo ihn Landstände, Klerus und Adel erwarteten, zur Pfarrkirche St. Jakob. Als der Erzherzog eintrat, erklang das „Te Deum Laudamus“.
Der 1529 in Linz geborene Ferdinand II. hatte Tirol und die Vorlande von seinem Vater Kaiser Ferdinand I. geerbt, war davor Statthalter in Prag gewesen und residierte von nun an in Innsbruck – jener Stadt, in der er schon einen Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte. In den folgenden 30 Jahren machte der für seine Sammelleidenschaft und großartigen Feste bekannte Habsburger Innsbruck zu einem kulturellen Zentrum der damaligen Zeit. Er bescherte der Stadt rauschende Bankette und richtete im herrschaftlich ausgebauten Schloss Ambras ein Museum ein, das schon zu Ferdinands Lebzeiten weit über die Landesgrenzen hinaus für Staunen sorgte.

Die Federzeichnung von Joris Hoefnagel, entstanden um 1580, zeigt Schloss Ambras und im Bildhintergrund die Stadt Innsbruck.
Die Federzeichnung von Joris Hoefnagel, entstanden um 1580, zeigt Schloss Ambras und im Bildhintergrund die Stadt Innsbruck.

Bauliche Veränderungen in Innsbruck

Als Statthalter in Prag hatte sich Ferdinand II. den Ruf erworben, sehr viel Geld für Kunst und Kultur und für große Feierlichkeiten auszugeben – und die Kassen entsprechend zu belasten. In Innsbruck sollte es nicht anders sein. Schon vor seiner Übersiedlung hatten, unter Federführung des aus Prag angereisten italienischen Architekten Giovanni Lucchese, die Umbauarbeiten in der Hofburg sowie auf Schloss Ambras begonnen.
Auf Ambras, das sich vom mittelalterlichen Burg in ein prächtiges Renaissance-Schloss verwandelte, entstanden unter anderem der Spanische Saal, errichtet zwischen 1569 und 1572, und daran anschließend das – heute nicht mehr existente – Ballhaus. In Innsbruck ließ der Erzherzog die Silberne Kapelle errichten, Grabstätte für sich selbst und seine erste Frau Philippine Welser, und zwar in unmittelbarer Nähe zum Kenotaph Kaiser Maximilians I. in der Hofkirche. Zudem ließ er den Hofgarten erweitern und im Westen der Stadt einen Tiergarten samt Lustschloss errichten.

Der Tiroler Landesfürst Ferdinand II. ließ unter anderem den Hofgarten erweitern, die Hofburg und Schloss Ambras ausbauen.
Der Tiroler Landesfürst Ferdinand II. ließ unter anderem den Hofgarten erweitern, die Hofburg und Schloss Ambras ausbauen.

Ein leidenschaftlicher Sammler

Da sein Vater mit den Eidgenossen im Westen und Venedig im Süden Frieden geschlossen hatte, verlief die Regierungszeit Ferdinands II. – bis auf die Gegenreformation – relativ ruhig. So konnte er sich seiner größten Leidenschaften widmen: dem Sammeln von exotischen, besonderen, spektakulären und wertvollen Objekten aus aller Welt, die er in seiner Kunst- und Wunderkammer auf Schloss Ambras ausstellte. Je seltener etwas war, desto wertvoller war es, desto mehr begehrte es der Erzherzog. Die honorigen Gäste, die er und seine Frau Philippine Welser auf Schloss Ambras empfingen, mussten sich nicht nur einem alkoholreichen Begrüßungsritual in der Bacchusgrotte unterziehen, sie wurden vom Erzherzog auch durch sein „Museum“ im Unterschloss geführt, bestehend aus Rüstkammer, Kunst- und Wunderkammer sowie Bibliothek. Hier hortete Ferdinand II. kunstvolle Artefakte, exotische Gegenstände, Mineralien, kunsthandwerkliche Produkte, Tier- und Pflanzenpräparate, wissenschaftliche Instrumentarien, aber auch Abbildungen „abnormer“ Personen – wie des Haarmenschen Petrus Gonsalvus, des tyrannischen Fürsten Vlad IV. Tzepesch, bekannt als „Dracula“, oder des Zwergs „Thomele“ und des Riesen Bartlmä Bona. Dazu kamen Ferdinands II. mit herrlichen Rüstungen bestückte Rüstkammern und die Porträtgalerie. Das nach seinem Tod erstellte Nachlassinventar listete Tausende Stücke auf.

Nicht im Sinne der Habsburger Heiratspolitik war die Ehe zwischen Ferdinand II. und der Bürgerstochter Philippine Welser.
Nicht im Sinne der Habsburger Heiratspolitik war die Ehe zwischen Ferdinand II. und der Bürgerstochter Philippine Welser.

Von Festen und Feiern

Legendär auch die rauschenden Feste, Turniere und Bankette, bei denen der Landesfürst sich in Szene setzte – und seinen überaus fantasiereichen und kreativen Geist sprühen ließ. Eine der glamourösesten Feiern war ohne Zweifel die Hochzeit von Johann Lipsteinsky Kolowrat, Kämmerer des Erzherzogs und Neffe von Philippine Welser. Er heiratet 1580 die aus einer reichen Tiroler Familie stammende Katharina von Payrsberg. Für den Fürsten Anlass genug, ein bombastisches Festprogramm zu erstellen.
In einem bunten „Handlungsturnier“ wurden die vier Jahreszeiten dargestellt, die vier Elemente, die Sternenbilder und die Götterwelt, wobei Ferdinand II. in die Rolle des Göttervaters Jupiter schlüpfte. Er fuhr in einem von drei Adlern gezogenen, mit Blattgold verzierten Wagen vor. Die Erinnerung an den Festzug sollte für die Nachwelt erhalten werden: Auf 37 aquarellierte Kupferstiche und 18 erklärende Textseiten wurde das Ereignis dokumentiert. Drei Exemplare des Fest-Kodex blieben erhalten – einer in der Bibliothek von Schloss Ambras. Auch das Begräbnis des Landesfürsten 1595 geriet zum großen Akt. Dem höfischen Zeremoniell folgend, wurde der Leichnam unter Beteiligung aller wichtigen Vertreter der Stände in die Innsbrucker Hofkirche überführt und aufgebahrt. In der Silbernen Kapelle fand Erzherzog Ferdinand II. seine letzte Ruhestätte, neben seiner geliebten ersten Frau Philippine Welser.