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Südtiroler Platz - Blick gegen Norden. Im Vordergrund ist der Vereinigungsbrunnen, rechts das Bahnhofsgebäude zu sehen.
Südtiroler Platz - Blick gegen Norden. Im Vordergrund ist der Vereinigungsbrunnen, rechts das Bahnhofsgebäude zu sehen.

Innsbruck vor 100 Jahren - August 1917

aus dem Stadtarchiv von Angelika Kollmann-Rozin

03. August 1917
Ausbackungsverhältnis für Brot. Laut Statthalterei-Verordnung vom 20. Juli 1917 haben die Bäcker aus 960 Gramm Mehl 1250 Gramm Brot zu erzeugen.

06. August 1917
Eröffnung einer neuen Mittelstandsküche. Mit Rücksicht auf den überaus großen Andrang bei der Mittelstandsküche in der Templstraße, der die Abspeisung sämtlicher Reflektanten infolge der beschränkten Lokalitäten unmöglich macht und wohl auch mit Rücksicht darauf, daß nunmehr in allen Stadtvierteln mit Ausnahme der Altstadt und der in der weiteren Richtung derselben gelegenen Anrainer Kriegsküchen bestehen, eröffnet die Landeseinkaufsstelle im „Gold. Dachl“ eine weitere Mittelstandsküche. Die Küche wird 4 bis 600 Besucher aufnehmen können. Es wird Mittag- und Abendtisch verabreicht; der Mittagstisch kostet K 1.50, der Abendtisch K1.-. Die Eröffnung findet Mittwoch den 8. August statt.

07. August 1917
Neuerliche Aushebung der Zughunde. Am 16. August d. J. um 8 Uhr früh findet im großen Hofe der Klosterkaserne, wie der Stadtmagistrat durch Anschlag an der Amtstafel öffentlich bekannt gibt, eine neuerliche Vorführung und kommissionelle Schätzung der im Stadtbezirke Innsbruck befindlichen Zughunde bzw. Hunde statt, deren Größe selbe für den Zug geeignet erscheinen läßt, auch wenn sie noch nicht eingefahren sind.

Lebensmittel, Tabak, Petroleum und andere wichtige Gebrauchsgüter waren in den Kriegsjahren streng rationiert und konnten nur gegen Vorlage von Rationsausweisen bezogen werden.
Lebensmittel, Tabak, Petroleum und andere wichtige Gebrauchsgüter waren in den Kriegsjahren streng rationiert und konnten nur gegen Vorlage von Rationsausweisen bezogen werden.

09. August 1917
Der Schutz des Feldgutes und die Gerichte. Der Leiter des Justizministeriums hat an die Staatsanwaltschaften einen Erlaß gerichtet, worin diese aufgefordert werden, Anzeigen wegen Entwendung oder Beschädigung von Feldgut erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden und nötigenfalls gegenüber den Tätern von den Rechtsmitteln Gebrauch zu machen.

16. August 1917
Erhöhung der Fleischzufuhr nach Innsbruck. Am Dienstag fand eine Sitzung der Landesviehverkehrsstelle statt, in der nach langen Beratungen beschlossen wurde, die Zufuhr von Schlachtvieh nach Innsbruck, Hötting, Mühlau und Hall von monatlich 400 Stück auf 500 Stück zu erhöhen.

17. August 1917
Eine türkische Auszeichnung für Gastwirt Kiener. Der Besitzer der Südbahngastwirtschaft in Innsbruck, Anton Kiener, erhielt vom Delegierten des türkischen Roten Halbmondes in Wien mit einem Begleitschreiben einen vom Sultan verliehenen Orden vom Ottomanischen Roten Halbmond 3. Klasse zugesandt.

Die Karte zeigt den Lanser See mit der Bootsanlegestelle und dem Hotel Lansersee.
Die Karte zeigt den Lanser See mit der Bootsanlegestelle und dem Hotel Lansersee.

20. August 1917
Geschützdonner von der italienischen Front. Am gestrigen windstillen Tage konnte man in Innsbruck wieder den Kanonendonner von der Tiroler Front deutlich hören. Bergwanderer, die am Samstag abends und am Sonntag die Berge der Umgebung bestiegen, berichteten, daß der Donner der Geschütze gestern in noch nie gehörter Stärke und Ausdauer zu hören war, so daß man den Eindruck eines fernen Trommelfeuers hatte. Kaliber verschiedener Art waren ganz gut unterscheidbar. Der Schall schien von Südost zu kommen.

22. August 1917
Aus dem Elternhause entwichen. Der zehnjährige Knabe Richard Holzmann ist vergangene Woche aus dem Elternhaus in Innsbruck entwichen und dürfte sich am Land herumtreiben. Wer über den Knaben eine Auskunft zu geben vermag, wolle dies ehestens an den Jugendfürsorgeverein in Innsbruck berichten.

Die Lokalbahnhaltestelle „Innbrücke“ befand sich gegenüber der Ottoburg. Im Hintergrund sind die Häuserfront von Mariahilf und St. Nikolaus, sowie die Innbrücke zu sehen.
Die Lokalbahnhaltestelle „Innbrücke“ befand sich gegenüber der Ottoburg. Im Hintergrund sind die Häuserfront von Mariahilf und St. Nikolaus, sowie die Innbrücke zu sehen.

23. August 1917
Zu spät auf den Weg gemacht hat sich heute früh in Pradl eine junge Frau; sie wollte in die Landesanstalt, kam aber nur noch bis in die Amraserstraße, dort schenkte sie einem Mädchen das Leben. Ein Eisenbahner leistete den nötigen Beistand und sorgte dafür, daß beide von der Rettungsabteilung geholt wurden.

24. August 1917
Der Jausenkaffee der Innsbrucker. Es wird uns geschrieben: Wer von den Innsbruckern zur Zeit einen Ausflug in unsere herrliche Umgebung macht, dem kommt, wenn er Gelüste hat, ein bescheidenes Schälchen Kaffee zur Jause zu sich zu nehmen, besonders drastisch zum Bewußtsein, daß die einheimische Bevölkerung derzeit als Gäste minderer Güte taxiert werden. Wenn ein Innsbrucker zum Beispiel nach einem Bad in Lansersee sich einfallen läßt, im Lansersee-Hotel einen Kaffee zu bestellen, dem wird die bündige Antwort zuteil: Kaffee gibt es nicht. Diese Angabe entspricht jedoch nicht der Wahrheit, denn man sieht gleichzeitig im Hotelvorraum eine große Anzahl von nicht aus Tirol stammenden Gästen, die sich bei ansehnlichen Quantitäten guten Alpenmilchkaffees gütlich tun. Die ständigen Bewohner Innsbrucks rangieren eben hinter diesen exotischen Gästen; sie mögen bei einem verpantschten Kracherl oder einem Saccharin-Gefrorenen die herrliche Natur bewundern!