Logo Innsbruck informiert

Diana Budisavljević

Wie eine mutige Innsbruckerin 10.000 Kinder aus den Konzentrationslagern der kroatischen Ustaša rettete

Als Tochter des Kaufmanns Max Obexer 1891 in Innsbruck geboren, wuchs Diana in einem gutbürgerlichen Hause auf, lernte mehrere Sprachen, schwärmte für die Musik von Richard Wagner und ging gerne auf die Jagd. Der Erste Weltkrieg änderte alles. Diana Obexer besuchte einen Pflegekurs an der Universitätsklinik. Sie wollte helfen, wollte einen Beitrag leisten. Dort im Krankenhaus lernte sie aber nicht nur, wie man Wunden versorgt, sie traf auch ihren zukünftigen Mann. Julije Budisavljević arbeitete als Chirurg im Innsbrucker Krankenhaus. Nach dem Krieg folgte Diana ihrem Mann nach Zagreb. Er baute dort die chirurgische Abteilung der Universitätsklinik auf. Diana lebte als Hausfrau und Mutter. Nichts bereitete sie auf die Aufgabe vor, die ihr zur Bestimmung werden sollte.

Grauen und Terror

Als 1941 die faschistischen Ustascha in Kroatien an die Macht kamen, begann ein brutaler Genozid an Serben, Juden und Roma. Jasenovac wurde zum Auschwitz des Balkans, und die faschistischen Mörderbanden machten auch vor Kindern nicht Halt. Als Diana Budisavljević davon erfuhr, dass Kinder in Konzentrationslagern zu Tode geprügelt wurden, verhungerten und an Seuchen starben, zögerte sie nicht. In ihrem Tagebuch schrieb sie: „Ich ging von dem Standpunkt aus, dass mein Leben nicht wertvoller sei als dasjenige all der unschuldig Verfolgten, und dass, wenn ich anderen zu helfen in der Lage wäre, ich dachte da in erster Linie an Kinder, mein Leben so reich sei, dass ich dann hinnehmen müsste, was eben kommen würde.“

Die geretteten Kinder

In den Lagern, auf den Bahnhöfen und in den Kinderheimen – überall registrierten Diana und ihre Helferinnen Kinder und bauten so eine Kartothek auf, die nach dem Krieg dazu dienen sollte, die Kinder wieder zu ihren Eltern zurückzubringen. Über 12.000 Namen soll diese Liste umfasst haben. 1945 wurde diese riesige Kartothek vom neu errichteten kommunistischen Staat beschlagnahmt. Darüber war Diana Budisavljević erbittert. Dennoch war die Kartothek nicht verloren. Dianas Liste diente nach dem Krieg genau jenem Zweck, den Diana ihr zugedacht hatte. Viele Kinder aus Kroatien und Bosnien fanden durch Dianas Aufzeichnungen ihre Eltern wieder. Dramatische Geschichten und Schicksale fanden sich hinter den Namen auf dieser langen Liste. Kinder, die aus umkämpften Gebieten deportiert und dann von Diana und ihren Helferinnen aus einem Konzentrationslager befreit wurden. Kinder, die mitten in der Nacht von ihren Müttern aus einem Zugabteil heraus an Diana übergeben wurden, weil die Mütter wussten, dass ihre Reise in den Tod führte. Die berühmteste Gerettete war Božidarka Frajt. Die Schauspielerin feierte vor allem in den 1960er und 1970er Jahren große Erfolge im jugoslawischen Film und war auch in der österreichischen Serie „Alpensaga“ zu sehen.

Vergessene Heldin

Von all dem wüsste niemand, hätte nicht Dianas Enkelin Silvija Szabo Anfang der 1980er Jahre eine Kiste am Dachboden des Hauses in Zagreb entdeckt. Diese Kiste enthielt Dianas Tagebuch und ihre Aufzeichnungen aus den Jahren 1941 bis 1945. Diana Budisavljević hatte jeden ihrer Schritte penibel aufgezeichnet. Von dem Tag an, als sie zum ersten Mal von den internierten Frauen und Kindern hörte, bis zu jenem Tag, als die Kartothek beschlagnahmt wurde. Langsam verbreitete sich die Geschichte in Kroatien und vor allem in Serbien. Aber bis in Dianas Heimat Österreich drang kaum ein Gerücht über ihre Heldentaten. Diana Budisavljević fand ihre letzte Ruhestätte am Innsbrucker Westfriedhof.

Zum Buch

Wilhelm Kuehs hat sich vor mehr als zwei Jahren auf die Spuren Diana Budisavljevićs begeben, nun liegt ein biografischer Roman vor, der die LeserInnen zum ersten Mal an dieser spannenden und faszinierenden Geschichte teilhaben lässt. Von den ersten Tagen bis zu ihrem Ende verfolgt die Erzählung Schritt für Schritt Dianas Rettungsaktion. Der biografische Roman ist im Tyrolia Verlag erschienen.

Zum Autor

Wilhelm Kuehs, geboren 1972, studierte Germanistik und Komparatistik an der Universität Klagenfurt. Als Lektor für deutsche Sprache und Literatur verbrachte er zwei Jahre in Osijek/Kroatien. Bei den Recherchen zu „Dianas Liste“ konnte er nicht nur seine tiefgreifende Kenntnis der Gegenwart und Geschichte Südosteuropas einbringen, sondern auch auf seine persönlichen Erfahrungen im ehemaligen Kriegsgebiet zurückgreifen. Wilhelm Kuehs hat mehrere Romane veröffentlicht. Er ist als Schriftsteller und Kulturwissenschaftler tätig und lebt mit seiner Familie in Kärnten.