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Fuhrwerke in der Schneeburggasse, um 1920. Rechts im Bild das Gasthaus mit der Hausnummer 12, in dem sich das Höttinger Gemeindeamt befand.
Fuhrwerke in der Schneeburggasse, um 1920. Rechts im Bild das Gasthaus mit der Hausnummer 12, in dem sich das Höttinger Gemeindeamt befand.

Innsbruck vor 100 Jahren - Dezember 1916

02. Dezember 1916
Behandelt die Kunden anständig! Wieder kommt uns die Klage zu, daß manche Geschäftsleute grob u. ungerecht sind, wie aus folgendem Beispiel hervorgeht. Das Spezereiwarengeschäft Pfanzelter in Mariahilf hat eine Milchverschleißstelle, in welcher eine Frau einen halben Liter Milch erhielt mit dem Bemerken, vor 10 Uhr sei eigentlich keine Zeit zum Milchholen; als auf die naßkalte Witterung hingewiesen wurde, erhielt die Frau von der Tochter der Inhaberin die Antwort: „Es ist kein Schad, wenn sie einmal draußen anfrieren.“ 

04. Dezember 1916
Die erste städt. Kriegsküche in Innsbruck. Heute vormittags um 11 Uhr wurde die städtische Kriegsküche in der Mädchenbürgerschule in der Schulgasse (Wilten) eröffnet. […] Es gab bei der Eröffnung Gerstensuppe, abgeröstete Nudeln und Salat zum Preise von insgesamt 70 Hellern. Das Essen war reichlich, schmackhaft und sauber zubereitet. Es wurde für ungefähr 150 Portionen angetragen. […] Vorerst muß die Stadtgemeinde die Kosten tragen, da bis zur Stunde noch keine Spenden eingelaufen sind; es wären solche sowohl in Geld wie in Naturalien sehr erwünscht. Wie wir hören, soll die Statthalterei demnächst im Vereine mit der Kriegsgetreideverkehrsanstalt eine neue Kriegsküche im Asyl für Obdachlose errichten.

Der Nikolausmarkt in der Maria-Theresien-Straße, um 1920.
Der Nikolausmarkt in der Maria-Theresien-Straße, um 1920.

05. Dezember 1916
Der Nikolausmarkt. In der langen Reihe der Stände auf dem althergebrachten Nikolausmarkte im Herzen Alt-Innsbrucks weist klaffende Lücken auf; und auch sonst zeigt der volkstümlich gewordene Markt starke Spuren der Zeit, sowohl in der Beschickung des Marktes, als auch in der qualitativen Auswahl der angebotenen Waren. So wurde der Nikolausmarkt heuer zum erstemal zu einem Tandelmarkt untergeordneter Bedeutung […] Vor allem fehlten die großen geschlossenen Buden der Lebzelter und Wachszieher, mit den vielen leckeren guten Sachen, den Erzeugnissen der Lebzelter, die Krampusse und Nikolause in allen Größen aus süßem Teig, die Busserln und Schleckerln […] Nichts von alledem gabs heuer, nur leichte, billige, inhalts- und geschmacklose Zuckerwaren, Aepfel, Zitronen und dergleichen Zeug. Auch die Stubaier Eisenwaren sind heuer ausgeblieben, anstatt der warmen, guten Filzpatschen wurden einfache, wenige Exemplare aus alten Stoffresten angeboten. Die Weihnachtskrippen, die Bücherhändler, die temperamentvollen Kastanienbrater – heuer kamen sie alle nicht. Spielzeugwaren, zumeist einfache, aber gute Holzschnitzereien, waren zur Genüge auf dem Markte. Und die Preise? Sie standen auf der Höhe unserer Zeit, in der man um ein Zweihellerstück überhaupt nichts mehr bekommt.

06. Dezember 1916
Klagen über die Kartoffeln. Fortwährend und ohne Unterlaß laufen in unserer Redaktion Klagen über die Kartoffeln ein, welche der Verproviantierungsausschuß der Stadt Innsbruck den Bewohnern heuer vermittelte. Starke Vorwürfe, bittere Beschwerden, grobe Schimpfereien enthalten die Zuschriften, nur wenige vermögen in ihrem gerechten Zorn über die schlechte Ware die Besonnenheit zu bewahren und sachlich zu urteilen. […]

09. Dezember 1916
Ueberfahren. wurde bei der Triumphpforte ein älterer Herr von einem Gummiradler. Der Herr wollte gerade noch vor dem Einspänner den Bürgersteig erreichen, als er niedergerannt wurde. Trotzdem Pferde und Wagen über ihn hinweggingen, konnte sich der zuerst betäubt Daliegende und aus Kopfwunden heftig Blutende wieder erheben. Ein Feldwebel half ihm in den Gummiradler zwecks Fahrt zu einem Arzte.

11. Dezember 1916
Unheil. In der Nähe des Gemeindeamtes Hötting stürzten vom Wagen eines „Kracherlmannes“ zwei Kisten mit dem guten Erfrischungssafte. 50 Stück gingen in Trümmer, und was noch zu retten war, das bargen in Eile kleine Leckermäuler, denen es bei solchen Anlässen genug im Kreise der Zuschauer gab.

13. Dezember 1916
Ein Meteor. Ein Herr, der in der unteren Innstraße wohnt, bemerkte vorgestern um 7 Uhr abends einen niederstürzenden Meteor.

14. Dezember 1916
Verhaftung. In Innsbruck ist ein Postamtsdiener verhaftet worden, weil er im Verdachte steht, Postsendungen ohne Wert und deren Inhalt sich angeeignet zu haben. Unter solchen Sendungen befinden sich auch sicher zahlreiche kleinere Sendungen ins Feld.

16. Dezember 1916
Von den Kartoffeln weiß eine Villenbesitzerin am Berg Isel, eine gebürtige Wienerin, ausnahmsweise ein Lob zu singen. Sie hat erst kürzlich mit drei anderen Familien unter zweimal mehrere Säcke Kartoffel in der städt. Großmarkthalle gekauft und war mit denselben sehr zufrieden. Es war fast gar kein Mist dabei, nur sehr wenige waren faul und der bessere Teil der angefaulten war noch verwendbar. Wir bestätigen daher gerne die Tatsache, so seltsam es klingen mag, daß es eine Partei in Innsbruck gibt, die mit den böhmischen Kartoffeln zufrieden war.

18. Dezember 1916
Der Alkoholteufel. Besinnungslos lag am Sonntag früh in der Museumstraße ein 53-jähriger „Monteur“. Man sollte es nicht für möglich halten, daß diese teuren Zeiten es einem verheirateten Manne gestatten, sich derart anzusaufen. Die Leute glaubten, einen Verunglückten vor sich zu haben und beriefen die Rettungsabteilung.

Blick in die Bäckerbühelgasse in Hötting, um 1900.
Blick in die Bäckerbühelgasse in Hötting, um 1900.

23. Dezember 1916
Uebergriffe. Wir werden um Aufnahme folgender Zeilen ersucht: Dieser Tage wurde ein Fräulein, welches um ¾ 11 Uhr nachts von der Bäckerbühelgasse bis zu ihrer Wohnung in der Nikolausgasse ging, von einem städtischen Sicherheits-Wachmann angehalten und so behandelt, als wenn sie schlechtem Lebenswandel nachginge. Man kann doch Rücksicht und Anstand von jedermann für solche Personen verlangen, die sich später als sonst auf dem Wege befinden. Wachmänner aber können so viel Ortskenntnisse besitzen, um solche Mädchen, welche sie anzuhalten verpflichtet sind, zu erkennen, zumalen doch in dieser Gegend nicht das Revier für solche Ware ist. Zumindest aber könnte man mit Anstand fragen, wenn man schon angehalten wird!

27. Dezember 1916
Die Feiertage. Die allgemeine Erwartung und Hoffnung auf Schnee für die Weihnachtsfeiertage schlug fehl, es traten weder Niederschläge ein, noch änderte sich der abnormale Witterungscharakter in einer anderen Weise. Drei windige, trübe und unerfreuliche Tage waren es, die eigentlich niemand so recht begeistern konnten, weder den Wintersportsfreund noch die vielen anderen, welche gerne einen freien Tag für Naturgenüsse ausnützen. […] Die Mehrzahl der Stadtbewohner wird an den Feiertagen wohl daheimgeblieben sein. So kam es auch, daß in Innsbruck ein ganz außergewöhnlicher Verkehr herrschte, der an die Tage erinnerte, an welchen das Pflaster unter den Nagelschuhen der Gäste aus dem Deutschen Reiche oder der auf 1000 Schritt erkennbaren Engländer dröhnte.

28. Dezember 1916'
Der praktische Wirt. In Mariahilf hatte ein Gastwirt auf seinem Schilde kurz und bündig die gut deutsche Bezeichnung „Weinhaus“ anbringen lassen. Nun ging es ihm aber wie vielen anderen seiner Berufsgenossen, die Weinvorräte wurden täglich geringer und schließlich ging ihm – bis auf weiteres – der gute Tropfen ganz aus. Um diese bedauerliche Tatsache auch von außen erkenntlich zu machen, hat der Wirt zu einem höchst einfachen Mittel Zuflucht genommen und auf seinem Schilde das „h“ überklebt. Die Aufschrift auf diesem lautet nun: „Wein aus!“