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Plakate und Plakatproduktion im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg gilt als die Geburtsstunde des politischen Propagandaplakates. Immerhin prägten Affichen schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts das Straßenbild der Städte. Dabei handelte es sich jedoch um amtliche Verordnungen sowie Werbeplakate, die damals eine erste künstlerische Blütezeit erlebten. Das Werbeplakat verführte mit mancherlei optischer Verheißung. Es weckte positive Emotionen. Es verleitete zum Kauf. Doch der Weltkrieg veränderte alles und er machte auch vor der schönen heilen Plakatwelt nicht Halt.

Am 28. Juli 1914, mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an das Königreich Serbien, fiel auch der Startschuss für eine bis dahin unvorstellbare Kriegspropaganda-Schlacht. Das Plakat blieb dabei das wichtigste bildliche Massenkommunikationsmedium.

Wie alle anderen Krieg führenden Staaten lenkte Österreich-Ungarn seine Kriegspropaganda nicht mit sachlichen Argumenten sondern mit bewusst negativer Emotionalisierung. Das Propagandaplakat des Ersten Weltkrieges vereinte auf eine noch nie da gewesene Art moderne grafische Gestaltung mit unverhohlener Aggressivität. Dem Plakat kamen dabei zwei Aufgaben zu: Information und Agitation. Die Herabwürdigung des Gegners wurde zum Programm dieses „Propagandasyndroms“. Der Feind wurde als Unmensch stigmatisiert (Abb. 1). Das Auslösen von Verunsicherung und Angst entwickelte sich zur gängigen Strategie auf Kriegsplakaten. Die Kriegsthematik hielt Einzug in alle Plakatbereiche. Ob Werbeplakat, Verordnungen, Plakate für Kriegsanleihen, Ausstellungen oder Sammelaktionen; Das Propagandaplakat hatte immer auch Stimmung für den Krieg selbst zu machen. Die Propaganda idealisierte den Krieg und stellte ihn als durch und durch gut und gerechtfertigt dar.

 

Koordiniert und zensuriert wurde die Plakatproduktion, wie alle Medien, vom Kriegspressequartier in Wien, einer Abteilung des Armeeoberkommandos, die bereits am Tag der Kriegserklärung ihre Arbeit aufnahm. Da es keine einheitliche staatliche Propagandalinie gab, entwickelt sich in der Plakatgestaltung des Ersten Weltkrieges ein abwechslungsreiches, künstlerisch anspruchsvolles Nebeneinander unterschiedlichster Motive und Stile.

 

Auf den Plakaten des Ersten Weltkrieges spielten Symbole und Allegorien eine wichtige Rolle. Die Personifikation der Austria, Wappentiere, Nationalflaggen aber auch der greise Kaiser Franz Joseph I. galten als Symbole nationaler Identität und sollten Patriotismus und Zusammenhalt im Vielvölkerstaat festigen. Besonders beliebt war der Rückgriff auf Motive aus dem Mittelalter. Die eigene ruhmreiche Vergangenheit wurde optisch beschworen, um das Pflichtgefühl gegenüber dem Vaterland zu stärken, die eigene Überlegenheit zur Schau zu stellen und die Kriegsbegeisterung nicht abflauen zu lassen. Zusätzlich schienen historische Heldentaten und Triumphe auch Garanten für den Sieg im Weltkrieg zu sein. Auf Plakaten suggerierten strahlende Helden und Ritter mit Schwertern einen altertümlichen Kampf Mann gegen Mann. Dieser ließ sich der Bevölkerung einfacher vermitteln als die Realität des ersten industriell geführten Krieges unter Einsatz von Panzern, Maschinengewehren und Giftgas. Mit dieser geschönten und übertrieben patriotischen Art der Darstellung umging man auch das Tabu, auf den Propagandaplakaten Tote darzustellen.

Die kostspieligen Kriegshandlungen wurden durch Kredite bei der eigenen Bevölkerung finanziert. Zu diesem Zweck wurden in der gesamten Österreichisch-Ungarischen Monarchie Kriegsanleihen aufgelegt. Da die Zeichnungsbereitschaft der Bevölkerung ab 1915 abnahm, wurden die Anleihen stark beworben. Diesen Werbekampagnen maß man kriegsentscheidende Wichtigkeit zu. Sie waren in ihrer Bedeutung beinahe den Kriegswaffen gleich gestellt. Aus diesem Grund findet man unter den Entwürfen für Kriegsanleiheplakate eine besonders mitreißende künstlerische Gestaltung sowie eine große Vielfalt in Motivwahl und Stilistik.

 

Dominiert auf den Kriegsanleiheplakaten zu Beginn des Ersten Weltkrieges noch die Darstellung der Kampfeslust unverletzbarer, strahlender Sieger, wandelte sich das Bild mit dem Verlauf der grausamen Kampfhandlungen. Aus jugendlichen Helden wurden ausgemergelte und nachdenkliche Männer, die das Ende des Krieges herbeisehnten. Diese Friedenssehnsucht wurde ebenso für die Bewerbung der Kriegsanleihen instrumentalisiert wie Ängste und Nöte der Angehörigen an der Heimatfront.

Die Plakate des Ersten Weltkrieges vereinen mehrere wichtige Aspekte und Funktionen in sich. Einerseits sind sie einzigartige historische Quellen. Gleichzeitig repräsentieren sie aber immer auch den künstlerischen Ausdruck ihrer Zeit. In ihnen vereinen sich Informationsmedium, Propagandainstrument und Kunstwerk.

 

Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zeigt das Stadtmuseum Innsbruck in seiner aktuellen Ausstellung „Weihnachten bin ich Zuhause“ einen Querschnitt durch die Plakatproduktion der Zeit von 1911 bis 1919. Anhand von Verordnungen und Propagandaplakaten wird der „Große Krieg“ in Innsbruck mit seinen Anfängen, seinem Verlauf und seinen Auswirkungen in Erinnerung gerufen.

 

Ausstellung „Weihnachten bin ich Zuhause“ bis 5. Dezember 2014

Stadtmuseum Innsbruck, Badgasse 2

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.00 – 17.00 Uhr