Logo Innsbruck informiert

Zwei Osttiroler Betriebe im Zeichen der YOG2012

Großaufträge an sozial-ökonomische Betriebe vergeben.
Die ersten Olympischen Jugend-Winterspiele (YOG) finden vom 13. bis 22. Jänner 2012 in Innsbruck, Seefeld und Kühtai statt. Aber bei den Vorbereitungen 2011 steht Lienz im Mittelpunkt des Geschehens. Mit Schindel&Holz und s´Gwantl leisten zwei sozial-ökonomische Betriebe aus Osttirol ihren Beitrag für die Ausstattung des Olympischen Dorfs.

Während sich Schindel&Holz in einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag für die Produktion von 1.600 Möbelgarnituren gesichert hat, wird s´Gwantl die dazu passenden Vorhänge für die über 400 Wohnungen im Olympischen Dorf nähen. „Beide Großaufträge bringen die Olympischen Spiele nach Osttirol mit einem wichtigen sozialen und ökonomischen Impuls insbesondere für Lienz. Die europaweite Ausschreibung des Möbelauftrages war ein Novum in der österreichischen Vergabepraxis von öffentlichen Aufträgen. Noch nie zuvor wurden bei der Zuschlagserteilung soziale Kriterien wie die Integration von Langzeitarbeitslosen mitentscheidend gewichtet“, erklärt LHStv Hannes Gschwentner und stv. Aufsichtsratsvorsitzender der Jugend-Winterspiele 2012 GmbH.

„Die soziale Komponente stand bei den Olympia-Aufträgen im Mittelpunkt, dennoch haben sich beide Osttiroler Betriebe im Wettbewerb durchgesetzt. Die Qualität der Dienstleistung und die Nachhaltigkeit der Investitionen sind entscheidend“, bestätigt Gschwentner abschließend, der bei den Betriebsbesichtigungen in Lienz sich selbst ein umfassendes Bild von der Auftragsabwicklung gemacht hat. Mit dabei bei der Betriebsbesichtigung auch die Lienzer Bürgermeisterin LA Elisabeth Blanik, die in dieser Art der Auftragsvergabe großes Potential sieht: „Die Olympischen Jugendwinterspiele in Tirol machen es vor – ich hoffe, dass zukünftig bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand ein verstärktes Augenmerk auf soziale Aspekte gelegt wird“.

Schindel&Holz punktet mit Osttiroler Qualitätshandwerk
1.600 Einrichtungssets bestehend aus jeweils einem Tisch, Sessel, Schrank und Bett mit Nachtkästchen werden für zehn Tage 1.500 Athleten und Betreuern aus über 60 Nationen im Olympischen Dorf zur Verfügung gestellt. „Mit einem Volumen von EUR 500.000 handelt es sich um den größten und attraktivsten Auftrag seit Bestehen unseres Unternehmens. Die Größenordnung ist eine Herausforderung in den Bereichen Beschaffung, Produktion, Logistik und Lagerung. Aber unsere Mitarbeiter sind hochmotiviert, inspiriert vom Olympischen Gedanken und beweisen täglich, dass sie in ihrem Handwerk nach wie vor außergewöhnliche Leistungen erbringen können“, berichtet Heribert Pichler, Geschäftsführer von Schindel&Holz. Die Produktion verläuft nach Plan und über 80% des Auftrages ist bereits auf Lager. Der geplante Liefertermin im Herbst 2011 wurde bereits vorgezogen.

Beim s´Gwantl laufen die Nähmaschinen heiß
7.100 Meter Stoff von der Fa. Fussenegger aus Dornbirn werden zu 2.817 Vorhangbahnen von den Mitarbeiterinnen beim s´Gwantl in Lienz verarbeitet. Um den Olympia-Auftrag vom Zuschnitt, dem Nähen, dem Anbringen der Aufhänger bis zur Verpackung bewältigen zu können, wurden mit der Auftragssumme von EUR 60.000 u.a. vier zusätzliche Arbeitsplätze (zwei Vollzeit und zwei Teilzeitstellen) für sechs Monate geschaffen. „Die Frauenarbeitslosigkeit ist in Osttirol sehr hoch. Daher ist jeder zusätzliche Arbeitsplatz besonders wichtig. Mit diesem Auftrag können wir uns aber auch wirtschaftlich als Partner profilieren. Wir sind schon jetzt die einzige Änderungsschneiderei im Bezirk“, fasst Rita Feldner die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den Olympischen Jugendspielen zusammen.

Jugendspiele wollen nachhaltigen Nutzen stiften
Das Möbelprojekt von der Holzbeschaffung über die Fa. Egger in St. Johann in Tirol, die Produktion bei Schindel&Holz, den Transport über den Lienzer Transportunternehmer Johann Baumgartner bis zur nachhaltigen Nutzung in überwiegend karitativen Tiroler Einrichtungen ist ein stimmiges Konzept. „Der Grundstein wurde mit der Ausschreibung gelegt, bei der wir einen neuen und mittlerweile viel beachteten Weg eingeschlagen haben. Alle Partner zusammen tragen zu diesem besonderen Tiroler Nachhaltigkeitsprojekt bei, dessen Wertschöpfung zu 100% im Land Tirol bleiben wird“, so Jürgen Steinberger, Initiator und Projektleiter bei der Jugendspiele 2012 GmbH. Über die Hälfte der 1.600 Garnituren wurde bereits erfolgreich weitervermittelt. Ein Großabnehmer sind die Tiroler Flüchtlingsheime. Der Preis für die Ablöse der gebrauchten Möbel richtet sich nach der Gemeinnützigkeit der Organisation und der Menge der abgenommenen Möbel. Neuwertig wird das Set mit einem Verkaufspreis von über EUR 500 angesetzt.

Die Beauftragung der Vorhänge beim s´Gwantl hat sich nach einer Einholung von mehreren Angeboten in Tirol ergeben. Das Konzept hinter dem Betrieb s´Gwantl mit der Unterstützung von langzeitarbeitslosen Frauen beim Wiedereinstieg in die Arbeitswelt durch befristete Dienstverhältnisse mit vor allem sozialpädagogischer Begleitung war zudem überzeugend. Unter dem Trägerverein SOFA, ein Verein der CARITAS, werden vier Bereiche beim s´Gwantl geführt: ein Naturladen, ein Second-Hand-Shop, eine Änderungsschneiderei und die Altkleidersammlung im gesamten Osttiroler Raum.

„Wir wollen mit unseren Mitteln, die für die Organisation der Jugendspiele 2012 eingesetzt werden, einen Nutzen vor allem in Tirol stiften, Projekte wie diese fördern und dabei sozial wie ökonomisch wirtschaften. Wenn dabei die Partnerschaften so funktionieren wie mit Schindel&Holz und s´Gwantl ist das umso erfreulicher und motivierend“, so Steinberger. Das Gesamtvolumen mit Material und Zusatzausstattungen beläuft sich auf EUR 950.000 für beide Positionen.

Karitative Einrichtungen bzw. Schüler- und Studentenheime mit Interesse an einer Weiternutzung der Möbel können sich bis einschl. August an die Schülergruppe der Handelsakademie Innsbruck, die ab sofort die Jugendspiele 2012 GmbH beim Vertrieb unterstützt, unter der E-Mail-Adresse go4charity@hotmail.com wenden.
04. August 2011