Logo Innsbruck informiert
Der Drang zum Licht: Die Hirten eilen zum göttlichen Kind. Franz Köberl (Innsbruck 1889-1967, Innsbruck)
Der Drang zum Licht: Die Hirten eilen zum göttlichen Kind. Franz Köberl (Innsbruck 1889-1967, Innsbruck)

Und das Licht scheint in der Finsternis

Tiroler Künstler setzten sich im 20. Jahrhundert nicht nur bildhauerisch, sondern auch mit Farbe und Pinsel sowie Zeichenstift mit dem Geschehen in der Heiligen Nacht auseinander. Dabei spielte die Darstellung des Lichtes, das vom göttlichen Kind ausgeht und die Dunkelheit durchbricht, eine wichtige Rolle – wie auch drei bemerkenswerte Arbeiten in der Sammlung des Innsbrucker Stadtarchivs/Stadtmuseums zeigen.

Tiroler Künstler setzten sich im 20. Jahrhundert nicht nur bildhauerisch, sondern auch mit Farbe und Pinsel sowie Zeichenstift mit dem Geschehen in der Heiligen Nacht  auseinander. Dabei spielte die Darstellung des Lichtes, das vom göttlichen Kind ausgeht und die Dunkelheit durchbricht, eine wichtige Rolle – wie auch drei bemerkenswerte Arbeiten in der Sammlung des Innsbrucker Stadtarchivs/Stadtmuseums zeigen. 

Während Maria und Joseph in Bethlehem „verweilten, kam für“ Maria „die Zeit der Niederkunft. Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn; sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil sich in der Herberge sonst kein Platz für sie fand.“ Mit diesen knappen Sätzen schildert der Evangelist Lukas die Geburt Christi – wenige Worte, die aber über Jahrhunderte Basis für die künstlerische Darstellung des weihnachtlichen Geschehens waren. Viel blieb daher stets den Vorstellungen von Künstler und Auftraggeber überlassen. Und so haben sich auch Tiroler Künstler im 20. Jahrhundert höchst unterschiedlich auf Themen rund um die Geburt Christi eingelassen, Plastisches, aber auch Gemaltes, Gezeichnetes und Gedrucktes geschaffen – und dabei das Licht in der Heiligen Nacht visualisiert.

Die Hirten eilen zum Licht

Ein von Prof. Franz Köberl geschaffener Holzschnitt lebt vom Schwarz-Weiß-Kontrast (Abbildung „Der Drang zum Licht …“). Links hebt sich vor dem Schwarz der Bäume die Heilige Familie weiß ab, d.h. vom Licht erfüllt. Rechts eilen die schwarzen, expressiv formulierten Silhouetten der Hirten heran. Über diesem dynamischen Figurenzug leuchtet der Stern, dessen Strahlen die Dunkelheit der Nacht zerschneidet und den Suchenden den Weg weist.

Göttliches und irdisches Licht in der Heiligen Nacht. – Helmut Millonig (* 1928 in Wattens), Die Anbetung des Heiligen Kindes, undatiert.
Göttliches und irdisches Licht in der Heiligen Nacht. – Helmut Millonig (* 1928 in Wattens), Die Anbetung des Heiligen Kindes, undatiert.

Himmlisches & irdisches Licht

Kräftige Farben, reduzierte Formen zeichnen Helmut Millonigs Gemälde „Die Anbetung des Heiligen Kindes“ aus (Abbildung „Göttliches und irdisches Licht …“). Unten agieren vor dem Blau der Nacht Figuren, deren Körper blockhaft, abstrahierend gebaut sind. Im Zentrum der Gruppe befindet sich der Jesusknabe in Draufsicht, wobei Millonig die weiße Liegestatt fast kreisförmig anlegte und damit das vom kindlichen Körper ausgehende Licht andeutet. Die Muttergottes kniet, während der hl. Joseph mit einer Laterne irdische Helligkeit verbreitet. Diese wird jedoch vom gleißenden Licht Gottes im oberen Teil des Bildes übertrumpft. Lichtstrahlen fallen von dort hinunter auf das Heilige Kind, verbinden so das Himmlische mit dem auf die Erde gesandten Gottessohn – und zeichnen ihn aus.

 

Freude in der Krippe. Frohes Fest 2015! Das nackte Jesulein zum Ausschneiden – eine fröhliche Lichtgestalt! – Oswald Oberhuber (* 1931 in Meran), Krippenausschneidebogen, undatiert.
Freude in der Krippe. Frohes Fest 2015! Das nackte Jesulein zum Ausschneiden – eine fröhliche Lichtgestalt! – Oswald Oberhuber (* 1931 in Meran), Krippenausschneidebogen, undatiert.

Eine fröhliche Lichtgestalt

Einen durchaus praktikablen Krippen-Ausschneidebogen gestaltete Oswald Oberhuber. Seine Cut-out-Szenerie zeichnet sich durch Freude und auch einem Augenzwinkern aus. Die Protagonisten der Heiligen Nacht sind graphisch formuliert, die Farben hell, die Inkarnate weiß, die linearen Heiligenscheine in einem Rotton gehalten. Das deutlich nackte Jesulein, auf eine weiße Windel gebettet, ist auch bei Oberhuber die hellste, da weiße Lichtgestalt. Der kahlköpfige hl. Joseph mit bemerkenswertem Fingerspiel und die blonde, blauäugige, relativ sinnliche Gottesmutter betrachten das göttliche Kind. Auch Ochs und Esel agieren ziemlich vergnügt – vielleicht aufgrund des eklatanten Platzmangels, wodurch der Gehörnte auch ein bisserl ins Stolpern kommt.

Das Licht scheint in der Finsternis

Weihnachts-Freude kann das Betrachten von Krippen auf öffentlichen Plätzen, in sakralen und profanen Räumen in Innsbruck, aber auch das Aufstellen der eigenen Krippe bereiten. Künstlerische Darstellungen der Geburt Christi realisieren aber auch immer folgende tröstliche Worte aus dem Johannes-Evangelium: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis.“

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum
Dr. Helmuth Öhler