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Seit 2015 haben einige MitarbeiterInnen im Stadtmagistrat die Möglichkeit, bei Sprachbarrieren auf DolmetscherInnen zuzugreifen, die per Video zugeschalten werden.
Seit 2015 haben einige MitarbeiterInnen im Stadtmagistrat die Möglichkeit, bei Sprachbarrieren auf DolmetscherInnen zuzugreifen, die per Video zugeschalten werden.

Videodolmetschen sorgt für Verständnis

Seit nunmehr einem Jahr läuft das Projekt „Videodolmetschen“ im Stadtmagistrat Innsbruck. Es bietet die Möglichkeit, innerhalb von zwei Minuten eine Übersetzungshilfe in 14 verschiedenen Sprachen via Video zu Gesprächen zuzuschalten. Über die tägliche Arbeit damit, berichten die unterschiedlichen Ämter .

Amtsgespräche sind oftmals bereits für Einheimische schwierig. Für jemanden mit einer anderen Muttersprache als Deutsch, ist dies meist noch schwieriger. Diesen Tatsachen wirkt die Stadt Innsbruck mit zwei Projekten entgegen: Während die Initiative „Innsbruck spricht auf Augenhöhe“ die Amtssprache möglichst einfach gestaltet, kann Fällen, in denen Sprachbarrieren aufgrund fehlender Deutschkenntnisse auftreten, durch das Projekt „Videodolmetschen“ Abhilfe geschaffen werden. Vorstellen kann man sich das System wie den weltweit verbreiteten Internet-Videotelefonieservice „Skype“.

Ehrung vom Bundeskanzleramt

Dass das Projekt „Videodolmetschen“ österreichweit positiv wahrgenommen wird, belegt eine Auszeichnung über die sich der Stadtmagistrat kürzlich freuen durfte: Es wurde mit einer Anerkennungsurkunde des Bundeskanzleramts ausgezeichnet. „Die Auszeichnung ist eine Bestätigung unserer Arbeit. Als das Projekt im vergangenen Jahr gestartet wurde, waren die internen Reaktionen sowie die aus den anderen Gemeinden durchwegs positiv. Die Urkunde des Bundeskanzleramts ist natürlich neben einer Anerkennung eine zusätzliche Motivation für zukünftige Projekte“, erklären Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer und der für Integration zuständige Stadtrat Mag. Gerhard Fritz unisono. Auch Magistratsdirektor Dr. Bernhard Holas, der die Einführung des Projekts maßgeblich unterstützt hat, sieht die Neuerung sehr positiv: „Dieser Service ist für beide Seiten hilfreich und beugt Missverständnissen aufgrund sprachlicher Barrieren vor.“

Ende Februar wurde das Projekt „Videodolmetschen“ mit einer Anerkennungsurkunde des Bundeskanzleramts ausgezeichnet. Magistratsdirektor Bernhard Holas und Projektverantwortliche Nicola Köfler (M.) nahmen den Preis von Staatsekretärin Sonja Steßl entgegen.
Ende Februar wurde das Projekt „Videodolmetschen“ mit einer Anerkennungsurkunde des Bundeskanzleramts ausgezeichnet. Magistratsdirektor Bernhard Holas und Projektverantwortliche Nicola Köfler (M.) nahmen den Preis von Staatsekretärin Sonja Steßl entgegen.

Nahezu täglicher Gebrauch

Angeboten wird der Service im Sozialamt, im Standesamt, im Wohnungsservice und im Gesundheitsamt. In knapp über einem Jahr Praxisbetrieb konnte bereits viele interessante Erfahrungen gesammelt werden. So zum Beispiel im Amt für Soziales: Dort arbeiten aktuell vier MitarbeiterInnen der Mindestsicherung im Schalterbereich mit dem Programm. Dabei handelt es sich um die erste Anlaufstelle im Amt mit dem stärksten Parteienverkehr. „Wir sehen den Einsatz des ,Videodolmetschens‘ als Gewinn und Entlastung für die Klienten und die Mitarbeiterschaft gleichermaßen. Es ist nahezu täglich im Gebrauch“, erläutert Amtsleiter Dr. Markus Warger.

Dolmetscherin überzeugte durch Empathie

Auch im Gesundheitsamt kommt das System ab und zu zum Einsatz. „Natürlich brauchen wir vorwiegend die Sprachen unseres Hauptklientels. Da es sich dabei oft um Prostituierte handelt, werden vor allem osteuropäische Sprachen benötigt“, erklärt Amtsarzt Dr. Hans-Peter Rammer. Er erzählt außerdem von einem Fall, der ihm im Gedächtnis geblieben ist: Eine Dolmetscherin wurde zu einem PatientInnengespräch zugeschaltet, um einer jungen Frau ihre Krankheit zu erklären. „Die Dolmetscherin hat von Anfang an sehr viel Empathie an den Tag gelegt. Das ist natürlich bei Gesprächen über Krankheiten essentiell“, erklärt Rammer. 

„Das Projekt wurde im vergangenen Jahr gestartet, um Bürgerinnen und Bürger mit geringen Deutschkenntnissen rasche und professionelle Hilfestellung anbieten zu können und damit die Kommunikation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erleichtern. Ein Rückblick belegt: Das ist gelungen.“

Stadtrat Mag. Gerhard Fritz

Stadtrat Mag. Gerhard Fritz

DolmetscherInnen kommen oft persönlich mit

Aus den Referaten „Wohnbau-Förderungen, Fachbereich Mietzins- und Annuitätenbeihilfe“ und „Wohnungsvergabe“ ist zu vernehmen, dass es inzwischen vermehrt vorkommt, dass das System nicht benötigt wird, da Parteien bereits DolmeterscherInnen mit ins Amt bringen. Das Angebot ist offenbar noch nicht hinreichend bekannt. Wenn es zur Anwendung kommt, wird es aber in beiden Referaten „als große Hilfe angesehen, welche die Weitergabe von Informationen möglich macht, die ohne das System oftmals nicht funktioniert“. Die Sprache, die in diesen Referaten am häufigsten beim Videodolmetschen benötigt wird, ist türkisch.

Standesamt

Auch im Standesamt besteht die Möglichkeit bei Bedarf auf DolmetscherInnen über Video zuzugreifen. Referent Markus Tilly erklärt: „Aufgrund der Gesetzeslage sind für Beurkundungen im Standesamtsbereich gerichtliche beeidete Dolmetscherinnen bzw. Dolmetscher notwendig. Oftmals scheitert die Kommunikation aber bereits an der Vermittlung von Grundinformationen – dafür ist das System sehr hilfreich.“ (DH)

Verfügbare Sprachen beim Videodolmetschen

  • Türkisch
  • Bosnisch
  • Kroatisch
  • Serbisch
  • Russisch
  • Arabisch
  • Polnisch
  • Rumänisch
  • Bulgarisch
  • Tschechisch
  • Slowakisch
  • Ungarisch
  • Slowenisch
  • Gebärdensprache