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The Good, the Bad and the Contradictious

Kunst aus New Orleans in der Galerie im Andechshof
(RMS) ‚Das Gute, das Schlechte und das Widersprüchliche‘ unter diesem Titel steht die diesjährige Ausstellung von KünstlerInnen aus New Orleans in der städtischen Galerie im Andechshof, die von 5. bis 24. Juli frei zugänglich besichtigt werden kann. Im Zuge des kulturellen Austausches zwischen den Partnerstädten Innsbruck und New Orleans wurden auch dieses Jahr wieder StudentInnen der University of New Orleans eingeladen, im Rahmen einer Ausstellung in der Andechsgalerie ihre aktuellen Werke zu präsentieren.

Am Abend des 4. Juli wurde die Ausstellung von Kulturstadträtin Univ.-Prof. Dr. Patrizia Moser gemeinsam mit Galerieleiter Horst Burmann in Anwesenheit der Künstler Jason Derouin und Holis Hannan eröffnet. Zur Vernissage waren weiteres Dr. Joe M. King (Acting Chancellor der Universität New Orleans), Prof. Dr. Gordon H. „Nick“ Mueller (Initiator der International Summer School), Alea Merlock-Cot (Assistant Vice-Chancellor der Universität New Orleans) und Gertraud Griessner (Center Austria in New Orleans) aus den USA angereist

Kunstaustausch der Partnerstädte
Seit dem Jahr 2000 gibt es im Rahmen der Fördermöglichkeiten der Andechsgalerie eine Kooperation mit dem Fine Arts Department der Universität von New Orleans. Die Idee zu dem Austausch stammt vom Innsbrucker Künstler Mag. Wolfgang Falch gemeinsam mit Kulturamtsleiter Horst Burmann.

Die Universitäten Innsbruck und New Orleans verbindet seit über 30 Jahren eine enge Beziehung, die neben dem Austausch von Professoren auch die 1976 gegründete International Summer School beinhaltet. Am 4. Juli 1995 haben die Städte New Orleans und Innsbruck auch offiziell mit einer Partnerschaftsurkunde ihre Freundschaft besiegelt.

Zur Ausstellung
Namensgeber für diese Ausstellung war der internationale Titel eines bekannten Westernklassikers des italienischen Regisseurs Sergio Leone: „The Good, the Bad and the Ugly“.

Eine ähnliche Art von Interaktion und Spannungsfeldern, wie sie Leone in seinem Film zeigt – mit den berüchtigten Gewaltszenen und den vielschichtigen Abstufungen von Gut und Böse – finden sich auch in den Werken der drei KünstlerInnen. Jeder und jede von ihnen erforscht und belebt die Formensprache und die Dichotomie der Dinge auf ihre ganz individuelle Weise, und in der Gesamtschau regen sie ein Gespräch über Gegensätze und Widersprüche an. Jeder verarbeitet die Erfahrung von Widersprüchlichkeit auf individuelle Weise. Mit verschiedenen Medien, verschiedenen methodischen Ansätzen und vielleicht auch mit einem gewissen Maß an amerikanischem „Western-Understatement“ ermöglichen diese Künstler einen visuellen und konzeptionellen Ideenaustausch mit dem Betrachter und frischen den „Standard“ neu auf.

Denny, Derouin und Hannan versuchen in ihrer Ausstellung das Spannungsverhältnis von Gegensätzen zu erfassen. Obwohl diese Thematik alles andere als neu ist, gelingt es dennoch, ganz eigene und erfrischende Betrachtungsweisen zu entwickeln: sei es der eigenartige Humor von Robyn Denny, deren Figuren den Betrachter zu beobachten scheinen, oder die geheimnisvollen Bürostühle des Jason Derouin, welche mit dem Auge des Betrachters auf sonderbare Weise kokettieren, und nicht zuletzt die Absurdität in den Collagen von Holis Hannan. Die Künstler Jason Derouin und Holis Hannan werden bei der Ausstellungseröffnung anwesend sein.

Zu den KünstlerInnen
Die Künstlerin Robyn Denny beleuchtet in ihren Werken vorwiegend das Motiv der Spannung. Ihr Zyklus ’Eat‘ zeigt grotesk wirkende menschliche Gestalten, die auf kleineren Gestalten herumkauen und sie sich einverleiben. Die Künstlerin fesselt ihre Figuren durch Linien und obwohl die Gestalten in ihnen zweifellos gefangen sind, deuten weitere transparente Farbebenen an, dass es in einer anderen Dimension doch Bewegungsfreiheit geben könnte. Dabei vermeidet es Denny, mit dem Kannibalismus-Tabu eine klare Gegensätzlichkeit im Sinne von „Gut“ und „Böse“ zu betonen, vielmehr möchte sie in ihrer Linienführung und Räumlichkeit das Spannungsverhältnis zwischen Einengung und Befreiung hervorheben.

Jason Derouins Fotografien sind Trugbilder, die mit dem Gegensatz von Realem und Nichtrealem spielen. Sorgfältig und akribisch genau erstellt Derouin winzige Modelle von Möbelstücken und Inneneinrichtungen aus den 1950er/ 1960er Jahren, um sie dann zu fotografieren. Dabei fertigt er seine Modelle mit einer geradezu besessenen Präzision, die es auf der Fotografie sehr schwer oder gar unmöglich macht, den Modellcharakter der Objekte zu erkennen. Vielmehr bekommt man den Eindruck, dass hier lebensgroße Objekte auf kleinen Fotos abgebildet sind. Hervorhebungen und Gegenüberstellungen verschaffen dem Betrachter ungewöhnliche kognitive Erlebnisse, hervorgerufen durch den „schrägen“ Umgang mit scheinbar vertrauten Formen.

Die Collagen von Holis Hannan stellen hingegen die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich, schön und hässlich, physisch und immateriell, konkret in Frage. Wie Derouin setzt sie die Fotografie als Medium ein, um Illusionen einzufangen. Sie produziert Collagen aus verschiedenen Printmedien, wie etwa Modezeitschriften, aber auch Fotografien und Büchern. Die Ausschnitte heftet und klebt sie auf einen Hintergrund und kann damit sowohl Flachheit wie auch räumliche Tiefe erzeugen. Anschließend fotografiert Hannan ihre Schöpfung und nimmt weitere Bearbeitungen vor, indem sie Welligkeit, abrupte Übergänge und Maßstabverhältnisse nach Belieben ändert. Dabei entsteht eine „neue Ästhetik“ ihrer Bilder, eine Technik, die der Vorgehensweise der Kubisten und Dadaisten ähnelt. Hannan hinterfragt vorgefasste Wahrnehmungsmuster von Außenwirkung und Identität einer Person, sie setzt die chaotische Technik der Collage bewusst ein, um den BetrachterInnen Dinge als zusammengehöriges Ganzes zu präsentieren, welche ursprünglich nicht zusammenpassten. Unter diesem Blickwinkel wird auch deutlich, wie sehr die scheinbare Rationalität der Schönheitsrituale und Handlungen, denen sich die Konsumgesellschaft unterwirft, zu einer Verzerrung der menschlichen Sehgewohnheiten führt.

05. Juli 2011