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Musterbaustelle "Neue Mittelschule Hötting"

EU-gefördertes Modernisierungsprojekt an denkmalgeschützter Schule in Innsbruck
Sie ist von außen ein Prunkstück – die Neue Mittelschule Hötting (NMH) in Innsbruck. Von den Star-Architekten Baumann-Prachensky vor 80 Jahren entworfen, gilt es nun, sowohl die Hülle (Wärmeschutz) als auch die betagten Klassenräume selbst an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Da so wie die NMH rund 80 Prozent aller Schulen in der Landeshauptstadt denkmalgeschützt sind, handelt es sich in der Höttinger Au um eine „Musterbaustelle“, für die sogar die EU Forschungsgelder bereitstellt. Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider und Schulstadtrat Ernst Pechlaner zeigten sich von den Ergebnissen in zwei „Musterklassen“ beeindruckt. Franz Danler, Geschäftsführer der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) als Schulerhalter, will die hier gewonnen Erfahrungen auch bei der Sanierung anderer Schulen einsetzen.

Um Schüler/innen und Lehrer/innen auch künftig ein optimales Lernumfeld in der denkmalgeschützten Schule bereitzustellen, werden im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes 3 Encult die Möglichkeiten einer Schulsanierung als eine von acht Fallstudien untersucht. Architekt Gerald Gaigg erläutert die z. T. technisch unterschiedlichen Maßnahmen in den beiden Klassenräumen anhand folgender Schwerpunkte:

• Neue LED-Beleuchtungsanlage, entwickelt von der Firma Bartenbach – hier wird die Helligkeit über Sensoren dem tatsächlichen Lichtbedarf angepasst (Grundsituation, Präsentation, konzentriertes Arbeiten). Bewegungsmelder sorgen dafür, dass Beleuchtung und Lüftung ausschließlich dann in Betrieb sind, wenn die Klassen genutzt werden.

• Verbesserung der Raum-Akustik (kürzere Nachhallzeiten) durch neue Werkstoffe mit hohem Schallschluckvermögen – dadurch wird die Lehrperson deutlich verstanden. Zudem wurden an der Zimmerdecke akustikverbessernde Elemente montiert.

• Die Vorlauftemperatur der noch intakten Heizkörper konnte von 85 auf 65 Grad gesenkt werden – dank eines eigenen Kreislaufes und eines dank sanierter Originalfenster sowie Innendämmung geringeren Wärmebedarfes.

• Beide Klassen erhielten eine Be- und Entlüftungsanlage, die eine hohe Luftqualität sichert.

• Ebenfalls wurden gemeinsam mit dem Denkmalamt die Anstriche und Bodenbeläge erneuert. Dabei konnte entsprechend dem ursprünglichen Farbkonzept der Architekten Baumann-Prachensky das Flair der ursprünglichen Raumwirkung der frühen Moderne der Dreißigerjahr zurückgewonnen werden.

• Aktuell wird mit dem städtischen Schulamt die Frage der passenden Schulmöbel geklärt.

Die beiden Musterklassen mit den seit Dezember gewonnenen Erfahrungen und Messdaten bilden nunmehr die Grundlage für die Entscheidung über die Sanierung der gesamten Schule. Es geht um die Kosten und darum, wie eine kosteneffiziente, baukonstruktiv und bauphysikalisch richtige sowie denkmalpflegerisch überzeugende Sanierung gelingen kann.

Die Kosten für die beiden Musterklassen belaufen sich auf 450.000 €. 267.000 € davon übernimmt die EU, 35.000 € kommen von privaten Firmen, 120.000 € bezahlt die IIG, wie Geschäftsführer Franz Danler betont. Die Innsbrucker Immobiliengesellschaft ist österreichweit der einzige Partner am EU-Forschungsprojekt 3 ENCULT – Efficient Energie For EU Cultural Heritage.

Tiroler Forschungspartner von 3Encult sind der Arbeitsbereich Energieeffizientes Bauen der Universität Innsbruck und Bartenbach Lichtlabor. Das Team der Fallstudie wird von der IIG als Eigentümerin mit Architekt Gerald Gaigg und dem Landeskonservatorat Tirol des Bundesdenkmalamtes geführt. Angeschlossen haben sich die Firmen Zumtobel, Tridonic, Kompetenzzentrum Licht, Holzbau Wegscheider, Isocell, Organoid Technologies, Zoller&Prantl und Warema.
06. Mai 2013