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Mit Augen hören und Händen sprechen

Gebärdensprachkurs im Schülerhort Wilten
Wie es ist, die unzähligen Geräusche rund um einen herum nicht zu hören und Mundbewegungen zwar zu sehen, doch keine Laute wahrnehmen zu können, davon konnten sich die SchülerInnen des Schülerhortes Wilten in den vergangenen Monaten ein Bild machen. Denn seit diesem Hortjahr besucht ein gehörloses Kind den Schülerhort. Die beiden Vizebürgermeister Sozialreferent Franz X. Gruber und Kinder- und Jugendreferent Christoph Kaufmann haben am 28. Juni 2011 den Schülerhort besucht und sich das laufende Projekt angesehen.

Mitmenschen mit Beeinträchtigung verstehen lernen
Um Verständigungsbarrieren abzubauen, dem hörgeschädigten Kind eine bestmögliche Eingliederung in die Gruppe zu ermöglichen und den anderen Kindern eine etwaige Scheu zu nehmen, haben die LeiterInnen des Horts ein völlig neuartiges Projekt in die Wege geleitet. Seit Mai wird im Rahmen der Freizeitgestaltung neben sportlichen und kreativen Aktivitäten auch ein Gebärdensprachkurs für die Hortkinder angeboten. Mit Feuereifer üben die Jugendlichen, mit ihren Händen zu sprechen und die Gesten ihrer Mitschüler zu verstehen. Die beiden Vizebürgermeister sind sich einig: „Dies ist ein beispielhaftes und besonders wichtiges Projekt.“

„Diese Initiative zeigt einmal mehr, wie vielseitig das Angebot in den Schülerhorten der Stadt ist und trägt sicher mit dazu bei, dass die Kinder aufmerksam auf die gegenseitigen Bedürfnisse werden“, ist Kaufmann überzeugt. Der Schülerhort Wilten ist einer von zehn Schülerhorten der Stadt Innsbruck und wird derzeit von 42 Kindern besucht. „Es ist toll, dass die Kinder des SH Wilten dieses Pilotprojekt mitgestalten“, freut sich auch Vizebgm. Guber, „so zeigen sie Verantwortung gegenüber Menschen mit Handicap und geben einen Impuls für besseres Verständnis.“ Das Projekt sei ein weiterer Beitrag zu mehr Inklusion und Barrierefreiheit, betont Gruber.

Begeisterung und Lerneifer bei den Kindern
Für die Leitung des Kurses zeichnete Victoria Kirchmair von der Beratungsstelle für Gehörlose verantwortlich. „Die rund zehn Kinder, die am Kurs teilnehmen sind sehr motiviert und stellen viele Fragen. Wir haben mittlerweile schon das Fingeralphabet, die Wochentage, den Jahreskreis, Tiere, Zahlen und Gebäude gelernt“, erklärt die Kursleiterin. Sie selbst kommuniziert mit den Kindern ausschließlich in Gebärdensprache, diese haben wiederum nicht die geringste Scheu, selbst die gelernten Gesten zu versuchen. Der Kurs geht im September noch sechs Wochen weiter, sodass die Schüler am Ende zehn Einheiten zu je einer Wochenstunde besucht haben. Im Zuge des Hortjahres haben die Kinder außerdem auch die Beratungsstelle besucht.
28. Juni 2011