Logo Innsbruck informiert
866686428_0.jpg

Mehr als nur „Warm, satt und sauber“

Positive Bewertung der Wohn- und Pflegeheime der Stadt Innsbruck.
Die Innsbrucker Soziale Dienste GmbH (ISD) betreibt zur Betreuung und Pflege von SeniorInnen in Innsbruck sieben Wohn- und Pflegeheime (Reichenau, Saggen, Hötting, Innere Stadt, Pradl, Tivoli und Lohbach). Anhand von österreichweiten Benchmark-Daten wurden nun die Strukturen und Leistungen der Wohnheime geprüft, sowie die Stärken und Schwächen dieser Einrichtungen evaluiert.

Die Ergebnisse einer Studie, die von Juni bis August 2011 die Struktur- (z.B. Raum- und Funktionsprogramm, Einrichtung für Pflege oder Therapie) und Prozessqualität, also die Betriebsorganisation der städtischen Einrichtungen unter die Lupe genommen hat, präsentieren am 28. November Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer, Sozialreferent Vizebürgermeister Franz X. Gruber und ISD-Geschäftsführer Dr. Hubert Innerebner gemeinsam mit Mag. Christian Bauer (Geschäftsführer Bauer+Partner Unternehmensberatung/Wien).

Das in Österreich vorgegebene Mindestniveau im Bereich der Wohn- und Pflegeheime („warm, satt, sauber“) wird demnach in Innsbruck weit überschritten. „Wir freuen uns über die durchwegs positive Beurteilung. Die Herausforderungen für die Zukunft liegen vor allem darin, die im österreichweiten Vergleich hohen Qualitätsstandards in Betreuung, Pflege und Infrastruktur zu erhalten“, so Oppitz-Plörer und Gruber.

Qualitativ hochwertiges Wohngefühl
Alle ISD-Wohnheime werden als moderne Pflegeeinrichtungen mit langfristig interessanter Betriebsgröße gesehen. Auch die Durchführung der Pflege- und Betreuungsleistungen werden als vorbildhaft und individuell eingestuft. Die Stärken liegen zudem in der freundlichen und angenehmen Atmosphäre und dem ausreichenden Raumangebot mit individuellen Rückzugsmöglichkeiten für die BewohnerInnen. Das Engagement der MitarbeiterInnen und das ausreichende Betreuungspersonal wurde ebenso hervorgehoben, wie das umfangreiche Dienstleistungs-, sowie Freizeitangebot und das moderne und hygienische Erscheinungsbild aller Einrichtungen.

Vom zentral angelegten Management der ISD gehe laut Christian Bauer ein hohes persönliches Engagement aus. „Österreichweit entschließt sich nur ein kleiner Prozentsatz der BewohnerInnen von sich aus, also ohne dringenden Anlass, ihren Lebensabend in einem Wohn- und Pflegeheim zu verbringen. Umso erfreulicher ist das Ergebnis, dass die Innsbrucker Einrichtungen weniger Spitals-, sondern teilweise sogar Pensions- bzw. Hotelcharakter aufweisen.“, so Bauer. Der subjektive Wohlfühlfaktor wurde aber auch in letzter Zeit im Rahmen von unterschiedlichen Befragungen von den BewohnerInnen selbst bestätigt.

„In Bereich der Pflege haben wir es in Österreich mit sehr unterschiedlichen Grundvoraussetzungen zu tun. Jedes Bundesland hat ein eigenes Pflegegesetz, in Wien sind beispielsweise bis zu Sechs-Bett-Zimmer zugelassen, was die Intim- und Privatsphäre jedes Einzelnen natürlich sehr einengt. Hier ist Innsbruck mit den durchgängig umgesetzten Ein-Bett-Zimmern beispielgebend in Österreich“, führte Bauer weiter aus.

Entwicklungspotential in der Tagesbetreuung
Das Angebot für die Betreuung von Tagesgästen, beispielsweise durch Tagesstätten-einrichtungen, ist laut der Analyse durch die Unternehmensberatung erweiterungsfähig. „Derzeit ist die Nachfrage vor allem aufgrund des fehlenden finanziellen Anreizes und der fehlenden Förderungen sehr gering“, erklärte der Geschäftsführer der ISD, Hubert Innerebner.

In zwei Einrichtungen (Innere Stadt, Pradl) sind außerdem nicht für jedes Zimmer eigene Nasszellen vorhanden, was aber auch historisch durch die Bauweise bedingt ist. Zum Teil fehlende Handläufe in den Gängen wären außerdem dringend zu ergänzen und im Zuge von Neubauten sollte angedacht werden, die Gänge nicht direkt in die Stiegenhäuser führen zu lassen, um demenzkranken BewohnerInnen entgegen zu kommen.

„Diese Schwachstellen sind ein Ansporn für uns“, resümierte die Bürgermeisterin: „Eine Spezialisierung bzw. Zielgruppenorientierung (z. B. mit Demenz-Schwerpunkt) sowie eine Ausweitung des Therapiespektrums und die gerontopsychiatrische Betreuung der BewohnerInnen ist in jedem Fall notwendig, liegt aber nicht allein in unseren Händen, sondern muss zum Teil auch vom Land mitfinanziert werden.“

Eine der größten Herausforderungen bleibe es aber, qualifiziertes und engagiertes Personal zu finden, erklärte Hubert Innerebner: „Wir haben zurzeit 892 Plätze in den ISD Heimen. Auf Basis des Minutenmodell des Landes entfallen darauf (gesteuert durch die individuelle Pflegestufe der BewohnerInnen) in vollen Stellen 416 Pflegekräfte. Durch die Vielzahl der Teilzeitkräfte sind gesamt derzeit 479 Personen beschäftigt.“

Für neue Herausforderungen gerüstet
Im Rahmen des Online-Umfrageportals der Stadt Innsbruck stand erst vor kurzem das Betreuungsangebot für pflegebedürftige Mitmenschen im Fokus. Die TeilnehmerInnen an der „Frage der Woche“ zeigten sich mit dem Betreuungsangebot der Stadt Innsbruck mehr als zufrieden.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Bemühungen um den Ausbau der Pflege und enormen Investitionen der letzten Jahre richtig waren. Dennoch stehen wir aufgrund der demographischen Entwicklungen vor neuen großen Herausforderungen, um die Betreuung und Pflege auch in Zukunft sicherzustellen“, so Sozialreferent Vizebürgermeister Gruber: „Mit dem Wohnheim im Olympischen Dorf, welches mit einer Investitionssumme von 15 Millionen Euro ab nächstem Jahr errichtet wird, gehen wir diesen Weg auch konsequent weiter. Wir sprechen hier von einem kostenintensiven, aber notwenigen Bereich der Politik.“
28. November 2011