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Lawinenkommission der Stadt Innsbruck

Eine verantwortungsvolle Aufgabe im Innsbrucker Naherholungsraum
Alle Tiroler Gemeinden, in denen die Gefahr von Lawinenkatastrophen besteht, haben verpflichtend eine Lawinenkommission einzurichten. In Innsbruck gibt es diese Einrichtung schon seit Jahrzehnten. Bei einem Pressegespräch am 10. Dezember informierten Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer, Elmar Rizzoli, Leiter des Amtes für Allgemeine Sicherheit und Veranstaltungen und DI Andreas Wildauer, Leiter des Amtes für Land- und Forstwirtschaft, über Aufgaben und Ziele sowie den neuesten sicherheitstechnischen Ausrüstungsstand der Kommission.

Ab dem ersten Schneefall beurteilt die Lawinenkommission täglich die Lawinensituation auf der Innsbrucker Nordkette. Heuer treten sie seit dem 30. November täglich zusammen und werden voraussichtlich bis April/Mai ihre Empfehlungen an die zuständigen Stellen abgeben. Je nach Gefahrenstufe werden so die notwendigen Maßnahmen, wie etwa Lawinensprengungen, unumgängliche Sperren von Pisten, Straßen und Wegen oder im Bedarfsfall auch Evakuierungen empfohlen. „Diese Situation täglich zu beobachten und zu analysieren ist eine große Herausforderung für die Kommissionsmitglieder. Damit verbunden lastet eine entsprechende Verantwortung auf den Schultern der Mitglieder – für ihren Einsatz möchte ich mich an dieser Stelle bedanken“, lobte die Bürgermeisterin die gewissenhafte und sorgfältige Durchführung der täglichen Arbeiten: „In Innsbruck ist die Kommission zum Glück keinem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt, wie etwa in den großen Schidestinationen im Land. Dementsprechend unabhängig agiert sie.“

Darüber hinaus wird die Kommission nach Bedarf einberufen, tritt aber in jedem Fall zusammen, wenn um die Unterstützung und Beratung der Gemeindeeinsatzleitung ersucht wird. Auch wenn Behörden, Straßenaufsichtsorgane, die Feuerwehr oder auch Seilbahn- und Liftbetreiber die Beurteilung der Lawinensituation beantragen oder es eines der Kommissionsmitglieder für notwendig erachtet, kommt die Kommission zum Einsatz.

Empfehlungen in Sachen Sicherheit
Die städtische Lawinenkommission umfasst insgesamt zehn Mitglieder, von denen zumindest drei an den täglichen Beratungen und Beurteilungen teilnehmen müssen. Sie setzt sich aus Mitarbeitern des Forstamtes, der Nordkettenbahnen und externen, ortskundigen Personen zusammen. „Naturbeobachtung steht dabei an erster Stelle. Das sind Leute, die sich auf der Nordkette auskennen“, so Amtsleiter Wildauer: „Sie kennen das Gebiet wie ihre eigenen Westentasche und wissen beispielsweise Windverfrachtungen und Schneedeckenbeschaffenheit richtig zu deuten.“

Für eine Beschlussfassung werden die Messdaten von Hafelekar und Seegrube, der Lagebericht des Lawinenwarndienstes, der Wetterbericht und sonstige meteorologische Daten sowie die eigenen Wahrnehmungen der Kommission berücksichtigt. Ist eine Lawinengefahr für Teile des bewohnten Stadtgebietes zu erwarten, so wird unverzüglich das Amt für Allgemeine Sicherheit und Veranstaltungen verständigt. „Die Kommission fungiert als beratendes Organ“, erklärte Amtsleiter Rizzoli: „Die Ämter werden aufgrund der Empfehlungen entsprechend tätig. Das Forstamt unterhält auf der Nordkette ein Netz von Hinweistafeln, die im Falle einer Sperre durch die MitarbeiterInnen der Berufsfeuerwehr oder der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG) aktiviert werden.“

Bestmöglicher Schutz im Naherholungsgebiet Nordkette
In der Landeshauptstadt ist die Kommission zuständig für die Nordkette. Die Gebiete auf der südlichen Seite wie beispielsweise der Patscherkofel fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt Innsbruck. „Betroffen ist hier aber nicht nur der Bereich rund um das Schigebiet Seegrube“, ergänzte Forstamtsleiter Wildauer: „Einzelne Lawinen können bis ins Siedlungsgebiet reichen. Es geht aber auch um die Spazierwege und damit den städtischen Naherholungsraum.“

„Die Nordkette ist ganzjähriges Naherholungsgebiet der Innsbruckerinnen und Innsbruck“, so die Bürgermeisterin: „Um Lawinensicherheit zu gewährleisten, setzten wir weiterhin notwendige Maßnahmen um und nehmen entsprechende Mittel in die Hand.“ So wurde etwa für die Kommissionsmitglieder vor kurzem die modernste Schutzausrüstung angeschafft: Die neuesten Verschütteten-Suchgeräte, Erste-Hilfe-Ausrüstung und Material zur Bergung von Verschütteten sowie Lawinen-Airbags stehen so zur Verfügung. „Im Rahmen ihrer Tätigkeit ist die Kommission täglich an Ort und Stelle im Gelände unterwegs und selbst potenziellen Gefahren ausgesetzt. Eine entsprechende Ausrüstung auf dem neuesten Stand der Technik ist demnach unbedingt notwendig“, fügte Rizzoli hinzu.

Die Ausbildung der Lawinenkommissionsmitglieder erfolgt im Rahmen der durch das Land Tirol jährlich angebotenen Lehrgänge. Die Mitglieder werden so regelmäßig taktisch und rechtlich geschult, um ihre Arbeit gewissenhaft und professionell ausüben zu können.

Lawinensicheres Innsbruck
In Innsbruck gibt es sieben Lawinenstriche: Alplehner, Arlzer Alm, Gerschrofen, Höttinger Graben, Lippental, Mühlauer Klamm und Rastlboden. Das bewohnte Stadtgebiet ist in unterschiedliche Gefahrenzonen eingeteilt: Die InnsbruckerInnen die in den grünen Zonen wohnen, sind weitgehend sicher. Gelbe Zonen bergen ein höheres Gefahrenpotential und BewohnerInnen der roten Zonen sind bei schlechter Witterungslage sehr gefährdet.

Derzeit wird an einer neuen Gefahrenzonenplanung gearbeitet, sie soll Anfang Jänner vorgestellt werden. „Über die Jahre hinweg ist die Landeshauptstadt durch technische Verbauung immer sicherer geworden. Dies soll der neue Zonenplan auch darstellen“, so Andreas Wildauer. Gemeinsam mit dem Forstamt und der Wildbach- und Lawinenverbauung des Landes wird für einen gesunden Schutzwald und für intakte Schutzbauten gesorgt, sodass mittlerweile beinahe das gesamte bewohnte Stadtgebiet in der „grünen Zone“ liegt. Lediglich 65 Gebäude liegen in der gelben Zone, 21 in der roten Zone. „Von diesen 21 Gebäuden sind allein 15 im Gefahrenbereich der Mühlauer Klamm und des Rastlbodens situiert“, erklärte Rizzoli: „Es liegt uns daher viel daran, gerade in diesen Bereichen die Sicherheit laufend zu erhöhen.“

In der letzten Saison traten die zehn Kommissionsmitglieder in Innsbruck 148 mal zu Beratungen und der Beurteilung der jeweiligen Lawinensituation zusammen. Aufgrund der Gefahreneinschätzung durch die Mitglieder der Lawinenkommission mussten 2013 an insgesamt 41 Tagen Wege auf der Nordkette gesperrt werden. Eine vorsorgliche Evakuierung von Wohnhäusern war zuletzt im Jänner 2012 notwendig – aufgrund anhaltender starker Schneefälle mussten die BewohnerInnen westlich des Rechenhofs aus der Gefahrenzone gebracht und durch den Stadtmagistrat vorübergehend in Hotels untergebracht. „Grundsätzlich kann man sagen, dass Innsbruck im Laufe der Jahre zunehmend lawinensicherer geworden ist“, resümierte Rizzoli: „Evakuierungen wie diese finden im Schnitt alle vier bis fünf Jahre statt und der letzte Todesfall durch eine Lawine auf einem Spazierweg auf der Nordkette liegt beinahe 30 Jahre zurück.“

In diesem Zusammenhang erging aber auch der Apell an die Bevölkerung, akute Sperren jederzeit ernst zu nehmen: „Rund um Pfingsten ist es manchmal schon sommerlich warm, da kann eine Sperre schon mal irritierend sein“, so Amtsleiter Rizzoli: „Wir können aber versichern, dass die Schilder auch in dieser Zeit nicht grundlos aktiviert sind oder gar vergessen wurden.“ Forstamts-Leiter Wildauer erinnerte aber auch an die Eigenverantwortung der Erholungssuchenden: „Unter Umständen können die Nutzerinnen und Nutzer unseres Naherholungsraumes Lawinen auslösen. Ihnen ist nicht immer bewusst, das sie durch dieses fahrlässige Handeln im öffentlichen Gebiet auch andere gefährden. Eine entsprechende Bewusstseinsbildung ist dabei unabdingbar.“

Alle Sperren sind selbstverständlich auch prominent auf der Homepage der Stadt Innsbruck www.innsbruck.gv.at platziert und täglich aktuell abrufbar.
10. Dezember 2013