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Jugendwohlfahrt: Bilanz 2011

Qualitativ hochwertige Arbeit, dort wo sie nötig ist.
Weiterhin steigende Zahlen – sowohl bei den Gefährdungsmeldungen als auch bei den Unterstützungsfällen – präsentierten Sozialreferent Vizebürgermeister Franz X. Gruber und Amtsleiterin Mag.a Gabriele Herlitschka bei der Bilanzpressekonferenz 2011 des Amtes für Jugendwohlfahrt am 30. März. „Es ist uns wichtig zu zeigen, was in der Jugendwohlfahrt an Arbeit passiert. Hier geht es um essentielle Themen“, leitete Vizebürgermeister Gruber das Gespräch ein.

Im Jahr 2011 waren 121.791 EinwohnerInnen in Innsbruck mit Hauptwohnsitz gemeldet. Davon waren 17.877 Minderjährige, für die das Amt für Jugendwohlfahrt zuständig ist.

Staatliche Ersatzleistungen nahmen auch 2011 zu
Eine der Hauptaufgaben der Jugendwohlfahrt ist die Rechtsvertretung von Minderjährigen – das betrifft auch die Feststellung der Vaterschaft sowie Unterhaltsfragen. Die Jugendwohlfahrt hat 2011 für 9,12 % der Innsbrucker Kinder und Jugendlichen den Unterhaltsanspruch sichergestellt – es wurden 1.631 Rechtsvertretungs-Akten behandelt. „Acht MitarbeiterInnen sind hierfür im Dienst“, erläuterte Amtsleiterin Herlitschka: „Hier wird der Servicecharakter der Jugendwohlfahrt besonders sichtbar.“

Für 821 Kinder – also 65 mehr, als noch 2010 – wurde von der Jugendwohlfahrt der Unterhaltsvorschuss als staatlicher Ersatz für den elterlichen Unterhalt beantragt, das sind 4,6 % der Innsbrucker Minderjährigen.

„Hilfe zur Selbsthilfe ist der Grundsatz in der Sozialarbeit.“
Ein weiteres zentrales Aufgabenfeld der Jugendwohlfahrt ist die Sozialarbeit. Die Unterstützungsmaßnahmen des Amtes reichen von Erziehungstipps bis hin zur Fremdunterbringung eines Kindes. Der Grundsatz lautet dabei, stets das gelindeste Mittel anzuwenden.

Im vergangenen Jahr wurden 884 solcher Unterstützungsmaßnahmen gesetzt – damit erhielten insgesamt 4,9 % der Innsbrucker Kinder und Jugendlichen eine Hilfe zur Erziehung durch die Jugendwohlfahrt (2010: 4,25 %). In der ambulanten Unterstützung wurde im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 4,25 % verzeichnet, in der vollen Erziehung hingegen ein Rückgang um 6 %.

Für diese Unterstützungsmaßnahmen wurde 2011 ein Budget von € 8,44 Millionen benötigt (2010: € 8,5 Millionen). 35 % davon zahlt die Stadt Innsbruck, das Land Tirol trägt 65 % dieser Kosten.

Nach Möglichkeit werden diese Unterstützungsmaßnahmen durch die SozialarbeiterInnen der Jugendwohlfahrt mit dem schriftlichen Einverständnis der Erziehungsberechtigten durchgeführt. Dieses Einverständnis gaben im Jahr 2011 durchschnittlich 87,4 % der betroffenen Eltern (2010: 88,6 %).

Wenn kein Einverständnis vorliegt, aber eine Gefährdung des Kindes besteht, wird ein Antrag auf Obsorgeentzug eingebracht oder das Kind wegen „Gefahr im Verzug“ aus der Familie geholt und in Sicherheit gebracht. Das Einverständnis der Eltern wird in diesen Fällen durch einen Gerichtsbeschluss ersetzt. So mussten 2011 in 22 Fällen Kinder wegen „Gefahr-im-Verzug“ aus der Familie genommen – damit 3 Kinder weniger, als noch 2010 – und in einer Einrichtung der Jugendwohlfahrt in Sicherheit gebracht werden. Tatsächlich gerichtsanhängig wurden zehn dieser Fälle. (Verhältnis im Jahr 2010: zwei Gerichtsanträge).

29 Pflegekinder waren 2011 in der Stadt Innsbruck bei 23 Pflegefamilien untergebracht. Die übrigen Pflegekinder leben bei Familien in anderen Bezirken. In Innsbruck gab es im Jahr 2011 drei anonyme Geburten. Insgesamt wurden vier Säuglinge zur Adoption vermittelt.

Die Jugendwohlfahrt unterstützt und hilft aber auch dann, wenn beispielsweise wegen eines Krankenhausaufenthaltes oder eines plötzlichen Todesfalls und fehlenden anderen Betreuungsmöglichkeiten ein Kind kurzfristig untergebracht werden muss.

Gefährdungsmeldungen sind gestiegen
Im Zeitraum vom 1.1. bis zum 31.12.2011 gingen 1.808 Gefährdungsmeldungen ein. Diese Meldungen werden bei der Jugendwohlfahrt eingebracht, wenn der Verdacht besteht, dass es einem Kind nicht gut geht und es gefährdet erscheint.

Im ganzen Land Tirol wurden 2011 insgesamt 3.022 Gefährdungsmeldungen gezählt, d.h. dass wiederum knapp 60 % der landesweit gezählten Meldungen Innsbrucker Kinder und Jugendliche betrafen. Die Zahl in Innsbruck ist neuerlich um 8,8 % im Vergleich zum Jahr 2010 gestiegen. Statistisch betrachtet war somit fast jedes zehnte Innsbrucker Kind von einer Gefährdungsmeldung betroffen.

Jede eingehende Gefährdungsmeldung muss von der/dem zuständigen SozialarbeiterIn überprüft werden. „Im geplanten Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz als Nachfolgegesetz für das jetzige Bundes-Jugendwohlfahrtsgesetz ist in der Gefährdungsklärung ein ,Vier-Augen-Prinzip‘ von geeigneten Fachleuten vorgesehen“, informierte Vizebürgermeister Gruber: „Wir in Innsbruck erfüllen dieses Kriterium jetzt schon und arbeiten so qualitativ auf sehr hohem Niveau.“ Ziel ist es, herauszufinden, ob für ein Kind tatsächlich eine Gefährdung im Sinne der Jugendwohlfahrt besteht, ob die Eltern in der Lage und willens sind, die Gefährdung zu beseitigen und/oder das Wohl und die Sicherheit des Kindes durch Maßnahmen der Jugendwohlfahrt gesichert werden muss.

Der Hauptteil der Meldungen ging von Eltern/-teilen (Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 69 %), anderen Verwandten, Schulen und durch anonyme MelderInnen ein. Begründet wurden diese besonders häufig mit finanziellen Problemen (Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 13 %), Überforderung (Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 135 %) und psychischen Erkrankungen der/eines Eltern/-teils. Die meisten Meldungen wurden mit dem Verdacht auf Vernachlässigung/Verwahrlosung (Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 54 %) eingebracht. Gründe dafür orten Amtsleiterin Herlitschka und Vizebürgermeister Gruber in den Auswirkungen der Wirtschaftskrise.

Die Meldungen von Selbst-/Fremdgefährdung der Minderjährigen haben sich auf 104 Fälle verdreifacht. Hier benötigt die Jugendwohlfahrt Unterstützung durch die Klinik (Kinder- und Jugendpsychiatrie). „Diese Tatsache lässt die seit Jahren monierte Unterversorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in ganz Tirol und der Klinik Innsbruck nochmals krasser erscheinen“, stellte Gruber fest und forderte: „Hier benötigen wir raschest Entscheidungen und einen Ausbau dieser Versorgung.“

In den meisten Fällen wurden sozialarbeiterische Interventionen als Hilfestellung angeboten, nur einmal musste die Polizei eingeschaltet werden. Eine detaillierte Auflistung entnehmen Sie bitte dem Anhang.

Hohe Sensibilisierung in der Bevölkerung
Die Bevölkerung ist aufmerksamer geworden, die regelmäßigen Ersuchen, sich bei Verdacht auf Gefährdung eines Kindes bei der Jugendwohlfahrt zu melden, scheinen dauerhaft zu fruchten. Einen Grund dafür ortet Vizebürgermeister Gruber in der immer wiederkehrenden, seriösen Berichterstattung der Medien.

„Dies ist im Sinne des Kinderschutzes ausdrücklich zu begrüßen“, so auch die Amtsleiterin der Jugendwohlfahrt: „Die vielen Gefährdungsmeldungen machen gleichzeitig allzu deutlich, wie viele Kinder offenbaren Gefahren ausgesetzt zu sein scheinen und die damit zwingend verbundenen Gefährdungsabklärungen binden enorme Zeitressourcen der MitarbeiterInnen.“
02. April 2012