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Jugendwohlfahrt 2012

Bedarfsgerechte Hilfestellung für Kinder und Jugendliche
18.612 Minderjährige gibt es in Innsbruck, davon stellte das städtische Amt für Jugendwohlfahrt im vergangenen Jahr den Unterhalt für 1.525 Minderjährige sicher. Über weitere aktuelle Zahlen sowie Perspektiven für die Zukunft informierten Sozialstadtrat Ernst Pechlaner und Mag.a Gabriele Herlitschka (Leiterin Amt für Jugendwohlfahrt) bei einer Pressekonferenz am 22. April.

Pechlaner bedankte sich bei Amtsleiterin Herlitschka für die geleistete Arbeit im vergangenen Jahr: „Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beweisen Tag für Tag hohe Motivation, Kompetenz, persönliches Engagement, Menschlichkeit, Sensibilität und Fingerspitzengefühl.“ Herlitschka verwies auf das gute Zusammenspiel zwischen dem Amt und weiteren Behörden: „Unsere Arbeit muss kurzfristig, prägnant und hochprofessionell ablaufen, um die beste Hilfe für Kinder und Jugendliche zu bewirken.“

Ausbau der stationären Versorgung gefordert
Sofortigen Handlungsbedarf gebe es im Bereich der stationären Angebote, sind sich Stadtrat Ernst Pechlaner und Gabriele Herlitschka einig und fordern einen Ausbau in quantitativer und qualitativer Hinsicht. „Hier gibt es seit Jahren Engpässe und Notlösungen. Mehrmonatige Wartezeiten für betroffene Kinder und Jugendliche, die kurzfristig einen sicheren Platz außerhalb ihres Elternhauses benötigen, sind nur sehr schwer zu überbrücken“, so Pechlaner.

Gerade für Säuglinge und Kleinkinder, die intensivere Betreuung benötigen, sei es notwendig, bei Auftreten akuter Gefährdung zu Hause unmittelbar eine Fremdunterbringung vornehmen zu können und über ausreichend Krisenplätze und „Schutzraum“ zu verfügen. Das Amt könne aufgrund der mangelnden stationären Plätze oft nur eine ambulante Betreuung zu Hause installieren, um auf diese Weise für besseren Schutz der Kinder sorgen. Für Jugendliche seien mehr sozialpädagogische und therapeutische Angebote gefragt: „Die Zahl der psychisch auffälligen oder kranken Jugendlichen erhöht sich seit Jahren merklich. Die klinische Versorgung in diesem Bereich hinkt dem Bedarf der Bevölkerung hinterher“, kritisierte Herlitschka.

„Weitere Maßnahmen zur Entlastung von Eltern und zur Versorgung von Kindern sind notwendig, um den Kinderschutz zu verbessern“, hielt Herlitschka fest. Vor allem im Bereich schulische Ganztagsbetreuung und Freizeitangebote könne hier entgegengewirkt werden. Stadtrat Pechlaner berichtete von der im Jänner erfolgten erfolgreichen Etablierung der Schulsozialarbeit an vier Schulstandorten: „Die ersten Beratungszahlen sind vielversprechend.“ Zu berücksichtigen sei auch die steigende Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in akuter Notsituation, die z.B. direkt nach ihrem Aufgriff durch die Polizei eine bedürfnisgerechte Versorgung benötigen.

32 Meldungen pro Woche
2012 stellte das städtische Amt für Jugendwohlfahrt mit 38 MitarbeiterInnen, davon 18 in der Sprengelsozialarbeit, den Unterhalt für 1.525 Minderjährige sicher. Für 816 Kinder und Jugendliche wurde der Unterhalt vom Bund bevorschusst, da der unterhaltspflichtige Elternteil nicht in der Lage war, zu zahlen.

2012 gingen im Amt für Jugendwohlfahrt 1.673 Gefährdungsmeldungen ein (Tirol: 3.042). Damit entfallen 55 Prozent aller Gefährdungsmeldungen in Tirol auf die Landeshauptstadt. Die meisten Meldungen in Innsbruck kommen von Schulen, Nachbarn, Verwandten, einem Elternteil, der Polizei, in der Jugendwohlfahrt tätigen Personen oder von anonymen MelderInnen – jeweils zwischen 165 und 192 Meldungen im letzten Jahr. Die häufigst genannten Gründe für eine Meldung waren Überforderung der Eltern (377 Mal) und Vernachlässigung des Kindes (225 Mal).

Die meisten Hilfestellungen erfolgten 964 Mal als „sozialarbeiterische Intervention“ (Beratung, Weitervermittlung zu spezifischer anderer Beratung z.B. wegen Überschuldung oder drohender Delogierung), 182 Mal wurde eine ambulante Familienbetreuung als Hilfe installiert. 73 Mal wurde eine volle Erziehung (Fremdunterbringung) organisiert. 173 Mal war keine weitere Intervention notwendig, da die Gefährdungsmeldung als nicht relevant eingeschätzt wurde (z.B. in einem Nachbarschaftsstreit): „Das bedeutet, dass nur 10 Prozent Falschmeldungen bei uns eingegangen sind“, so Herlitschka. In der Bevölkerung sei generell eine erhöhte Aufmerksamkeit zu beobachten: „Es ist erfreulich zu beobachten, dass Menschen wieder mehr Zivilcourage zeigen. Wir gehen jeder der durchschnittlich 32 Meldungen pro Woche nach.“
22. April 2013