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„Judenbühel“-Straßenschild für Israelitische Kultusgemeinde

StRin Dr. Pokorny-Reitter überreicht eine der alten Straßentafeln.
(RMS) Am 12. November versteigert die Stadt Innsbruck wieder öffentlich alte Straßenschilder, die den neuen roten Tafeln im gesamten Stadtgebiet Platz machen müssen. Eine der wenigen Tafeln, die dabei nicht unter den Hammer geraten werden, ist jene vom „Judenbühel“ in Mühlau. Die Stadträtin Dr. Marie-Luise Pokorny-Reitter besuchte am 4. November Prof. Dr. Esther Fritsch, Präsidentin der „Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg“ in Innsbruck, und überreichte ihr das einzige erhaltene Straßenschild mit dem historisch bedeutsamen Namen.

„Wir möchten auf diesem Weg unseren Dank dafür ausdrücken, dass Sie sich so leidenschaftlich für die jüdische Gemeinde und auch für die Stadt Innsbruck engagieren“, bedankte sich StRin Dr. Pokorny-Reitter bei der gebürtigen Israelin Prof. Dr. Fritsch. „Es ist wichtig, dass wir auch mit diesem Teil der Innsbrucker Geschichte konfrontiert bleiben und uns damit bewusst auseinandersetzen. Denn ohne Geschichte gibt es keine Zukunft.“

Die jüdische Gemeinde in Innsbruck gibt es seit vielen Jahrhunderten – und wohl ebenso lange auch einen alten jüdischen Friedhof, dessen Existenz und Lage allerdings lange im Nebel der Geschichte verborgen blieb. Erst vor wenigen Jahren entdeckten Historiker am Mühlauer „Judenbühel“ die Überreste des alten jüdischen Friedhofes, der vermutlich auf das 15. Jahrhundert zurückgehen dürfte. Nicht zuletzt durch das Engagement von Prof. Dr. Fritsch, aber auch von Altbürgermeisterin Hilde Zach, konnten in den vergangenen Jahren die Umgrenzungsmauer und andere steinerne Überreste des jüdischen Friedhofes entdeckt werden.

„Wir wissen nun, dass sich dort am Judenbühel tatsächlich der nachweislich älteste jüdische Friedhof Westösterreichs befunden hat – ob dort noch Gräber sind, wissen wir nicht, denn danach haben wir bewusst nicht gesucht“, erklärte Prof. Dr. Esther Fritsch mit dem Hinweis auf den jüdischen Glauben, der Eingriffe in die Totenruhe oder Veränderungen des Grabes strikt verbietet.
„Ich möchte mich an dieser Stelle aber auch bei der Stadt Innsbruck ganz herzlich bedanken, die sich seit vielen Jahren für die Belange und Wünsche der jüdischen Gemeinde bemüht“, so Prof. Dr. Fritsch. „Diese alte Straßentafel bedeutet uns viel, denn sie erinnert uns und unsere Gäste an die tiefen Wurzeln der Juden in Innsbruck.“
04. November 2010