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Vizebürgermeisterin Mag.a Sonja Pitscheider hisste gemeinsam mit den anwesenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäten, sowie Vertreterinnen der Innsbrucker Frauenorganisationen die „Frei leben ohne Gewalt“-Flagge am Balkon des Rathauses in der Maria-Theresien-Straße.
Vizebürgermeisterin Mag.a Sonja Pitscheider hisste gemeinsam mit den anwesenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäten, sowie Vertreterinnen der Innsbrucker Frauenorganisationen die „Frei leben ohne Gewalt“-Flagge am Balkon des Rathauses in der Maria-Theresien-Straße.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

25. November: Gedenk- & Aktionstag

Im Jahr 1981 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen erstmals zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen erklärt, der seither weltweit als Gedenk- und Aktionstag begangen wird. Den Hintergrund bildet das traurige Schicksal der drei Schwestern Mirabal in der Dominikanischen Republik, die als Bürgerrechtskämpferinnen 1960 nach monatelanger Verfolgung und Folter brutal ermordet wurden.

Gewalt gegen Frauen: täglich und in allen Bereichen

Im heurigen Jahr hat die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte die bisher größte Studie zu Gendergewalt veröffentlicht, für die 42.000 Frauen in den 28 EU-Mitgliedsländern befragt wurden. Sie zeigt, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein massiver Missstand in unserer Gesellschaft ist:

  • 33 % der Frauen in der EU, das entspricht ca. 62 Millionen, sind seit ihrem 15. Lebensjahr zumindest einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden.

  • 22 % der Frauen haben körperliche und /oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt.

  • Eine von 20 Frauen (5 %) ist seit ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden.

  • 43 % der Frauen sind bzw. waren durch den/die aktuelle/n oder früheren Partner psychischer Gewalt ausgesetzt.

  • 33 % haben in der Kindheit körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren müssen.

  • 18 % der Frauen haben stalking erlebt.

  • 11 % der Frauen (20 % der jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren) waren Ziel von Online-Belästigungen.

  • 55 % der Frauen waren Opfer von sexuellen Belästigungen.

Oftmals gelangen Akte von Gewalt gegen Frauen aber nie an die Öffentlichkeit: So gaben 67 % der Frauen, die Opfer von gravierenden Gewaltvorfällen innerhalb einer Partnerschaft waren, an, diese nicht der Polizei oder einer anderen Organisation gemeldet zu haben.

Das tatsächliche Ausmaß von Gewalt an Frauen ist also nur schwerlich in Zahlen zu fassen. Offizielle Zahlen dokumentieren jeweils nur einen bestimmten Ausschnitt der Realität, so dass die wirkliche Dimension von Gewalt an Frauen oft nur durch Schätzungen zu erahnen ist.

Innsbruck setzt ein sichtbares Zeichen

Um die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren, hisst Vizebürgermeisterin und Frauenreferentin Mag.a Sonja Pitscheider gemeinsam mit Innsbrucker GemeinderätInnen und Vertreterinnen der Frauenorganisationen in unserer Stadt am Innsbrucker Rathaus die „Frei leben ohne Gewalt“-Flagge.

„Damit setzt die Stadt Innsbruck ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Kindern“, so Vizebürgermeisterin Mag.a Sonja Pitscheider. „Die aktuelle EU-Studie zeigt wieder einmal mehr dramatisch, wie notwendig es ist, das Thema Gewalt an Frauen und Mädchen in die Öffentlichkeit zu bringen. Besonders eklatante Fälle dringen erschütternd ins öffentliche Bewusstsein, wie wir auch in unserer Umgebung erfahren mussten, aber tägliche Gewalt passiert permanent und latent. Es ist besonders wichtig, unsere Gesellschaft – Frauen wie Männer – dafür zu sensibilisieren, ihre Wahrnehmung zu schärfen und gemeinsam deutlich Signale gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu setzen!“

16 Tage gegen Gewalt an Frauen

Die Zeit zwischen dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November und dem Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ist ein Aktionszeitraum, in dem Gewalt gegen Frauen in all ihren Ausprägungen thematisiert und in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden soll, dass es sich dabei um eine schwere Form der Verletzung der Menschenrechte handelt.

Im Rahmen der Aktivitäten lädt die feministische FrauenLesbenvernetzung gemeinsam mit der Stadt Innsbruck zu einer ganz besonderen Lesung:

„Die Zeit der Schmetterlinge“

4.Dezember 2014, 20 Uhr, Freies Theater Innsbruck

„Die Zeit der Schmetterlinge“ von Julia Alvarez erzählt die Geschichte der Schwestern Mirabal, deren Ermordung im Jahr 1960 die Gründung des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen bewirkte.

Städtebund-Initiative gegen Gewalt: Ein „Nein“ muss genügen!

Die Stadt Innsbruck unterstützt die Initiative des Frauenausschusses des Österreichischen Städtebundes mit der Forderung: „Vergewaltigung verurteilen. Ein Nein muss genügen“.

Derzeit haben Opfer von sexueller Gewalt wenig Chance auf die Verurteilung des Täters. Eine Beurteilung nach geltender Rechtslage ergibt oft keine „Vergewaltigung im eigentlichen Rechtssinne“. Wenn eine Frau bei einem unerwünschten Sexualakt „nein“ sagt, weint, oder aus Angst keinen körperlichen Widerstand leistet, ist der Tatbestand der Vergewaltigung nicht erfüllt.

Nun wird in Österreich gerade an einer großen Strafrechtsreform gearbeitet. Im Zuge dessen wäre es sehr wünschenswert, diese Schwachstellen im Bereich von Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu beheben. Damit könnten auch die Empfehlungen des „Istanbul-Übereinkommens“, eines Europarats-Übereinkommens zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, endlich umgesetzt werden. Deshalb hat der Frauenausschuss des österreichischen Städtebundes eine Online-Petition erarbeitet. Unter www.staedtebund.gv.at/gewalt können Frauen wie Männer diese Forderung unterstützen.

 

Weitere Informationen:

Amt für Familie, Bildung und Gesellschaft

Referat Frauen, Familien und Seniorinnen

Mag.a Uschi Klee

Tel.: 0512/5360-4202

post.frau.familie.senioren@innsbruck.gv.at