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Filmabend über das Arbeitslager Reichenau

Vom Erziehungslager zum Durchgangslager für Deportationen
Am 10. April lädt das Stadtarchiv/Stadtmuseum zur Filmvorführung „Es ist besser, nicht zuviel um sich zu schauen. Das Arbeitserziehungslager Innsbruck-Reichenau 1941–1945“ des Tiroler Filmemachers Johannes Breit. Der Film wird erstmals in der unmittelbaren Nähe des ehemaligen Lagers (am Standort der IIG in der Reichenau) präsentiert, ein Versuch der Verortung von Film mit den realen örtlichen Gegebenheiten.

Johannes Breit nahm sich rund zwei Jahre Zeit für die Recherchen zum Film. Er wertete Archivmaterial aus und befragte eine Reihe von Zeitzeugen. Aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik ist ein Film entstanden, der anklagt und mahnt.

„Erzieherische“ Maßnahmen im Lager Reichenau
Das Arbeitserziehungslager hatte den ursprünglichen Zweck, italienische FremdarbeiterInnen, die zu Tausenden auf der Flucht von ihrem Arbeitsplatz aus Deutschland in ihre Heimat aufgegriffen wurden, zu „verwahren“. Italien hatte im Austausch gegen Rohstoffe Deutschland zehntausende Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt. Sie galten bis 1941 als „befreundete Ausländer“ und durften im Dritten Reich ihre Papiere sowie etwas Bargeld behalten, wodurch sie im Gegensatz zu anderen FremdarbeiterInnen zurück in ihre Heimat flüchten konnten.

In weiterer Folge wurde das Lager auch zum Arbeitserziehungslager für in- und ausländische Arbeitskräfte umfunktioniert. Die Einweisung galt nicht als Straf- sondern als Erziehungsmaßnahme. Die „erzieherische“ Maßnahme bestand darin, unangepasste Arbeitskräfte mittels schwerster körperlicher Arbeit und brutalster Behandlung zu disziplinieren.

Ab Herbst 1943 diente das Lager Reichenau als Durchgangslager für Deportationen aus dem von Deutschland besetzten Norditalien sowie aus dem Haftlager der Gestapo Innsbruck. Inhaftierungen von Gegnern des Nationalsozialismus in Tirol nahmen ab 1943 massiv zu. Noch unmittelbar vor der Befreiung sollten über hundert Mitglieder des Tiroler Widerstandes zur Abschreckung gehängt werden. Die vorrückenden amerikanischen Truppen konnten das Leben der Inhaftierten retten.

Stadtarchiv/Stadtmuseum organisiert Zusatztermine aufgrund des regen Interesses
Nachdem die Platzkarten für den ersten Termin bereits nach kurzer Zeit vergeben waren, wurden nun drei Zusatztermine organisiert. Die Zusatztermine am 9. und 11. April am Standort der IIG sind ebenfalls bereits voll. Der Termin am 8. April im Plenarsaal im Innsbrucker Rathaus ist jedoch allen ohne Platzkarten zugänglich. Der Eintritt ist frei.
04. April 2013