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„Evaluieren – Analysieren – Anpacken“

Internet- und Computerspielsucht bei Jugendlichen
In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat die Besorgnis der Gesellschaft und Erziehungsberechtigten bezüglich des Internet- und Computerspielverhaltens bei Jugendlichen deutlich zugenommen. Aus diesem Grund hat die Ambulante Suchtprävention der ISD (ASP) gemeinsam mit der Medizinischen Universität eine Untersuchung zur Internet- und Computernutzung bei Jugendlichen in Auftrag gegeben. Ziel war es zudem, die Einschätzungen der Eltern mit den Aussagen der Jugendlichen zu vergleichen und festzustellen, inwiefern sich diese Annahmen decken.

Für die Untersuchung wurden ca. 600 Jugendliche im Alter zwischen 11 und 18 Jahren an Innsbrucker Schulen und ihre Eltern mit Hilfe eines semistrukturierten Interviews und einem standardisierten Fragebogen zu Häufigkeit, Art und Intensität der Nutzung im Alltag befragt.

Gemeinsam mit Univ.-Dozent Dr. Gerhard Rumpold (Universitätsklinik für Medizinische Psychologie), Mag.a Andrea Stöckl (Universitätsklinik für Medizinische Psychologie), Dr. Elmar Köppl (ASP) und DDr. Kurt Dornauer (ASP) präsentierte Sozialreferent Vizebürgermeister Franz X. Gruber am 28. Februar die Ergebnisse: „Das Thema betrifft alle BürgerInnen. Es ist die Aufgabe der Verantwortlichen in der Stadt Innsbruck, nicht einfach nur zuzuschauen, sondern das Problem zu evaluieren, analysieren und anzupacken“, so Gruber.

Dem Eintauchen in virtuelle Welten liegt meist der Wunsch nach einer Flucht aus der Realität zugrunde, so die ExpertInnen. Neue Medien bringen neue Handlungsmöglichkeiten wie das Erstellen einer eigenen (virtuellen) Realität, um vor Problemen mit sich selbst oder dem sozialen Umfeld zu fliehen. Laut Dr. Köppl bringt eine intensive Internetnutzung aber nicht ausschließlich negative Aspekte mit sich: „Das Internet bietet für viele einen geschützten, anonymen Rahmen, in dem auch soziale Kompetenzen geschult werden, die der/die Betroffene im realen Leben oft nur schwer erlernt.“

Ergebnisse im Detail
Nur etwa 24 Prozent der Eltern wünschen sich eine Reduktion des Internet- und Computerspielverhaltens ihrer Kinder. Bei ca. zehn Prozent der Kinder beobachten sie eine Reduktion der sozialen Kontakte und Auswirkungen auf die Schlafgewohnheiten ihrer Kinder. Rund 15 Prozent der Eltern haben häufig bzw. sehr oft versucht, das Konsumverhalten Ihrer Kinder einzuschränken. 70 Prozent der Eltern geben an, über das Konsumverhalten ihrer Kinder viel oder sogar sehr viel zu wissen.

Erste Berechnungen zeigen, dass bei ca. fünf Prozent der Jugendlichen das Konsumverhalten klinisch relevante Symptome wie Kontrollverlust, vermehrte Konflikte und Entzugserscheinungen nach sich zieht. Die meisten Jugendlichen (rund 60 Prozent) gaben an, an einem schulfreien Tag bis zu zwei Stunden täglich online zu sein. Öffentliche Maßnahmen zur Altersbeschränkung zeigen nicht die erhofften Wirkungen, da sich nur 24 Prozent der Jugendlichen daran halten. „Meistens sind es sogar die Eltern, die den Kindern und Jugendlichen Spiele mit Altersbeschränkung kaufen“, so Dr. Köppl.

Die sozialen Netzwerke sind die digitale Kommunikationsbasis einer eigenen Jugendkultur, wobei sich der sorglose Umgang mit persönlichen Informationen deutlich von den Wunschvorstellungen der Eltern unterscheidet. Diese Form der digitalen Beziehungen scheint den sozialen Umgang durch die freie Gestaltungsmöglichkeit des eigenen Profils zu erleichtern.

Lösungsansätze
Dr. Rumpold sieht die Tatsache, dass in etwa 95 Prozent der befragten Jugendlichen mit dem Internet umzugehen wissen, als zentrale Botschaft der Untersuchung. Damit dieser Prozentsatz nicht sinkt, bedarf es effektiver Maßnahmen. Ziel sei es, laut Vizebürgermeister Gruber, sich frühzeitig und nachhaltig mit der Materie zu beschäftigen. Dazu müsse sich besonders das engste Bezugsfeld (Eltern, Schulen,…) der Jugendlichen mit dem Thema auseinandersetzen: „Durch Untersuchungen wie diese beschäftigen wir uns mit der Wurzel des Problems und können basierend auf fundiertem Datenmaterial Maßnahmen erarbeiten“, so Gruber.

Als effektivste Maßnahmen empfahlen die ExpertInnen im Anschluss an die Präsentation Anlaufstellen für Jugendliche – wie eben die Suchtberatungsstelle der ISD – zu schaffen, Elternberatung zu forcieren und auch ein Umdenken in der Gesellschaftspolitik herbeizuführen.

Weitere Informationen zur ambulanten Suchtprävention der ISD finden Sie www.isd.or.at.
28. Februar 2012