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Die Burka im öffentlichen Raum

Premierentage in der Andechsgalerie
Die junge Tiroler Künstlerin Nicole Weniger befasst sich in der November-Ausstellung der Andechsgalerie mit einem aktuellen Thema unserer Gesellschaft. Ausgehend von einem mehrmonatigen Aufenthalt im arabischen Raum und dem in Europa viel diskutierten Burka-Verbot, behandelt sie in ihrer ersten Einzelausstellung „Inkognito“ die Wahrnehmung der Burka im öffentlichen Raum. Im Rahmen der Premierentage 2012 eröffnete Galerieleiter Horst Burmann am 9. November die Ausstellung. Einleitende Worte sprach außerdem Dr. Verena Konrad. Zahlreiche Gäste wie Bürgermeisterin Mag.a Christine Oppitz-Plörer, Vizebürgermeisterin Mag.a Sonja Pitscheider sowie die GemeinderätInnen Mag.a Uschi Schwarzl und Franz Hitzl machten sich selbst ein Bild von den eindrucksvollen Kunstwerken.

„Ich freue mich, heute so viele Gäste in der Galerie im Andechshof begrüßen zu dürfen“, empfing Bürgermeisterin Oppitz-Plörer die Gäste: „Die Premierentage sind aus der Kunst- und Kulturszene nicht mehr wegzudenken. Es ist sehr erfreulich, dass sich eine solche Vielzahl an Einrichtungen in Innsbruck engagiert – und das nicht nur während dieser beiden Tage im Herbst, sondern auch während des ganzen Jahres.“

Bei der Vernissage wurde die Galerie im Andechshof außerdem zur Bühne: Im Rahmen einer Performance trugen „Burka-Trägerinnen“ ein Heimatlied vor.

„Inkognito“
Viele EuropäerInnen sind der Meinung, dass das Tragen von Burkas aus Gründen der Sicherheit zu verbieten sei, da im öffentlichen Raum von europäischen Städten kein Mensch unidentifizierbar sein soll. In Tirol würde das bedeuten, auf viele TouristInnen aus dem arabischen Raum verzichten zu müssen. Fremdenphobie prallt auf wirtschaftliches Tourismusmanagement. Ein Thema, das in Tirol seit der Piefke Saga Konjunktur hat, wird in dieser Ausstellung auf einen weiteren TouristInnenkreis erweitert und dadurch aktualisiert. Nicole Weniger interessiert an der Burka, dass sie ihren Trägerinnen ihre kulturelle Identität bewahrt, diese aber zugleich durch die Verhüllung von allen Nicht-Burka-Trägerinnen abgrenzt. Je mehr sich die arabische Frau verhüllt, desto sichtbarer wird sie für das westliche Auge.
Obwohl sie bereits eine Zeit lang im arabischen Raum lebte und recherchierte, hinterfragt sie Kultur und Tradition von einer Warte aus, die ihre eigene kulturelle Identität widerspiegelt. Demnach arbeitet sie mit westlichen Stilmitteln, wie Ironie oder Übertreibung, und lässt diese selbstbewusst auf die meist ernste Auffassung des Themas prallen.
Sie versteht es, schwere Fragen, wie die nach der Selbstbestimmung der arabischen Frau, Immigration und Tradition zu thematisieren, ohne sie dabei zu banalisieren. Sie entwickelt ihre Arbeiten aus persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen heraus, seien es Tee-Gespräche mit Muezzinsängern oder Begegnungen mit Burka-Trägerinnen in Istanbul. Dabei hat sie in den letzten Jahren eine eigene Handschrift entwickelt, die ihr einen unbeschwerten Zugang zu diesem schweren Thema ermöglicht. Ihr humorvoller Zugang in Form von Performances, Fotografien und Zeichnungen ermöglicht es ihr, mit einer Direktheit zu arbeiten, die man in den kontroversen Diskussionen zu diesem Thema oft vermisst.

Nicole Weniger – „INKOGNITO“
Ausstellungsdauer: 10. – 25. November 2012
Mi. bis Fr. 15 – 19 Uhr, Sa. und So. 15 – 18 Uhr


Galerie im Andechshof
Innrain 1 | Altstadt, 6020 Innsbruck
+43 512 5360-1654
post.kulturamt@innsbruck.gv.at
www.innsbruck.gv.at

12. November 2012