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Bessere Sichtbarkeit für taktile Leitlinien

Barrierefreiheit im Straßenraum
Eine barrierefreie Gestaltung des öffentlichen (Straßen-)Raumes ist der Stadt Innsbruck ein zentrales Anliegen. Seit vielen Jahren werden bei Neu- und Ausbauten von Straßen beispielsweise Leitlinien in den Oberflächenbelag gefräst, um Blinden und Sehbehinderten die Orientierung zu erleichtern. Häufig werden die taktilen Leitlinien aber zugestellt. Für eine bessere Wahrnehmung werden diese nun in der Maria-Theresien-Straße mit Bodenmarkierungen versehen.

„Die taktilen Leitsysteme wurden in den vergangenen Jahren konsequent in ganz Innsbruck ausgebaut, da sie die Orientierung für Blinde und Sehbehinderte erheblich erleichtern“, erklärte die für Tiefbau und Mobilität zuständige Vizebürgermeisterin Mag.a Sonja Pitscheider anlässlich eines Pressegesprächs am 23. April. „Hier in der Maria-Theresien-Straße blockieren allerdings häufig zahlreiche Fahrräder, Verkaufsständer und Autos die Linien. Das erschwert nicht nur die Orientierung, sondern birgt auch ein hohes Verletzungsrisiko. Die neuen Bodenmarkierungen sollen helfen, die Aufmerksamkeit der BürgerInnen verstärkt auf die Linien zu lenken und die Leitsysteme frei zu halten.“ Hier sei besonders auf ein Miteinander im Straßenverkehr und auf die Bedürfnisse der Blinden und Sehbehinderten zu achten, so Pitscheider weiter.

„Damit die Leitlinie, die das Kaufhaus Tyrol mit der Anichstraße verbindet und dabei die Maria-Theresien-Straße quer für blinde Menschen nutzbar ist, ist es wichtig, dass keine Hindernisse auf der Leitlinie stehen“, ergänzt Michael Berger, Verkehrsreferent des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes Tirol (BSVT). „Auch den Platz links und rechts davon sollte man frei halten und nicht durch Hindernisse blockieren.“

Vorreiterrolle in Österreich
Hinsichtlich taktiler Leitliniensysteme nimmt Innsbruck innerhalb Österreichs eine Vorreiterrolle ein: Insgesamt sind im gesamten Stadtgebiet ca. 30 Kilometer Leitlinien verlegt, vor allem in der Innenstadt, auf dem Bahnhofsgelände und bei Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel.
Seit der Neugestaltung der Maria-Theresien-Straße befinden sich ost- und westseitig der gesamten Straße taktile Leitlinien als Fräsungen sowie Rillen- und Noppenplatten im Pflasterbelag. In Querrichtung sind Leitlinien in Verlängerung von Markt- und Burggraben und der Anichstraße angebracht. Letztere wurde auf Anregung des Verkehrsreferenten des BSVT, Michael Berger, im Herbst 2013 als Verbindung der ost- und westseitigen Leitlinien vom Kaufhaus Tyrol bis zur Anichstraße (Haus Fink) hergestellt.

Taktile Leitsysteme bestehen aus verschiedenen Komponenten
Leitlinien helfen blinden und sehbehinderten Menschen dabei, ihre Wege selbstständig zu erledigen. Die vertieften oder erhabenen Markierungen lassen sich mit dem Stock ertasten. Wenn sie sich optisch gut von der Umgebung abheben, können sie auch von Menschen mit Sehbehinderungen gut genutzt werden.
Die Leitsysteme bestehen aus verschiedenen Komponenten: Leitstreifen mit sieben parallelen Linien zeigen die Richtung an. Schachbrettartige Markierungen oder genoppte Bodenplatten signalisieren eine Richtungsänderung oder Kreuzung von Leitlinien. Sogenannte Auffanglinien machen auf Situationsänderungen aufmerksam. Sie sind zum Beispiel vor Treppen, Liften, Gehsteigkanten oder Zebrastreifen angebracht.

Fehler schon im Vorfeld vermeiden
Planungsfehler gibt es leider häufig, da verbindliche Vorschriften, die den Aufbau taktiler Systeme genau festlegen, fehlen. Der BSVT appelliert daher an alle Architekten, bei der Planung und Umsetzung der Leitsysteme mit den Blinden- und Sehbehindertenorganisationen zusammenzuarbeiten.

23. April 2014