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Blick von Nordosten auf die Kettenbrücke, die Hungerburgbahn und das Riesenrundgemälde.
Blick von Nordosten auf die Kettenbrücke, die Hungerburgbahn und das Riesenrundgemälde.

Innsbruck vor 100 Jahren - August 1918

Aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von Angelika Kollmann-Rozin

04. August 1918
Entwichen. Im Laufe des gestrigen Vormittags ist aus dem hiesigen Gerichtsgebäude ein Arrestant von seiner Arbeit entwichen. Dieser Sträfling stahl einem Angestellten einen Zivilrock; mit dessen Hilfe war ihm die Flucht leicht möglich. 

07. August 1918
Rückfällig. Nach einigen angenehmen Tagen trat im Wetter wieder ein Rückfall ein; es ist mißgünstig geworden wie ehedem, verhindert das Wachstum und die Almwirtschaft, denn auf den Höhen liegt seit heute früh abermals frischer Schnee.

Szenefoto aus dem Stück „Der Tharerwirt“ von Hans Leiß, das 1918 am Bergisel aufgeführt wurde.
Szenefoto aus dem Stück „Der Tharerwirt“ von Hans Leiß, das 1918 am Bergisel aufgeführt wurde.

08. August 1918
Freilichttheater auf dem Berg Isel. Für die Errichtung des Freilichttheaters auf dem Berg Isel, das der Darstellung des „Tharerwirtes“-Schauspiels gilt, haben sich, dem guten Zweck zuliebe, durch persönliche Leistungen und Warenlieferungen freundlicherweise dem Ausschusse zur Seite gestellt: die k. u. k. Militärbehörden (stellten Mannschaften und Lastautos); die Trachten-Verleihanstalt Erharter (Trachten und Gewandungen); an die Spitze der Bauleitung trat der städtische Architekt Prachenski, der auch die Pläne für Zuschauerraum und Bühne zeichnete; die sehr umfangreichen Holz- und Bretterlieferungen stammen von den Baufirmen Retter und Fritz. Den künstlerischen malerischen Schmuck usw. der Gebäude hat der Theatermaler J. Stolz übernommen. 

09. August 1918
Die Zensur in Tirol. Die Innsbrucker Preßbehörde ist von dem Rekordfieber ergriffen worden; gleich einem Rennfahrer, der stets die letzte Leistung zu verbessern trachtet, gleich einem Meisterstemmer, der dem gehobenen Gewichte täglich etwas zulegt, ist sie mit den Ergebnissen ihrer Tätigkeit nie zufrieden: es müssen noch mehr weiße Flecke werden! Das Wiener „Amtsblatt zur Wiener Zeitung“ verzeichnet die Ziffern dieses Trainings und jeden Rekord treulich; in seiner letzten Nummer registriert es wieder einmal die Prachtleistung, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigt: Das k. K. Landes- als Preßgericht Innsbruck ist mit sechs Zeitungsbeschlagnahmen vertreten; das übrige Oesterreich aber nur mit drei, eigentlich aber nur mit zwei, weil von dem Egerer Gericht ein Artikel in zwei verschiedenen Blättern beschlagnahmt wurde. Also 6 : 2! Tirol samt Vorarlberg zählte 1910 1,130.000, das restliche Oesterreich 27,442.000 Einwohner; sollte daher die Konfiskationsziffer der Bevölkerungsdichte entsprechen, so müßte der Zahl 6 für  Tirol die Zahl 150 für das übrige Oesterreich gegenüberstehen. Wenn man daher annehmen will, daß die Tiroler Redakteure fünfundsiebzigmal so schlecht sind als ihre Kollegen im übrigen Oesterreich, so kommt man zu dem Schlusse, daß Tirol, was die Zensur betrifft, fünfundsiebzigmal schlechter behandelt wird als die restlichen Kronländer! Es ist wahrhaftig eine Lust, in Tirol eine Zeitung zu machen!

10. August 1918
Filmbrand. Im Theaterkino in der Universitätsstraße ist gestern abends ein Filmbrand entstanden, der erfahrungsgemäß an und für sich ungefährlich ist, nur viel Rauch und Gestank verursacht. Der Brand beschränkte sich auf den Operationsraum. Beim Löschen des brennenden Films hat sich der Operateur Brandblasen an beiden Händen zugezogen.

Handelsakademie. Hier fand 1918 eine gut besuchte Kriegsgräberausstellung statt.
Handelsakademie. Hier fand 1918 eine gut besuchte Kriegsgräberausstellung statt.

13. August 1918
Die letzten Tage der Kriegsgräberausstellung. Sonntag den 18. August findet die in der Handelsakademie untergebrachte Kriegsgräber-Ausstellung ihren Abschluß. Da diese Ausstellung überaus sehenswerte und anregende Motive für die Herstellung von Kriegsgrabstätten und Anlagen von Heldenfriedhöfen, sowie auch die volkstümliche Kunst in unserem Heimatslande vor Augen führt, wird auf diese Darbietungen neuerdings aufmerksam gemacht. Die Nachfrage nach verkäuflichen Werken ist eine besonders rege und [deshalb] wird auch auf diese sich bietende Gelegenheit entsprechend hingewiesen.

19. August 1918
Versteigerung des Panoramas der Berg-Isel-Schlacht. Am 12. September um 9 Uhr vormittags findet beim k. k. Berzirksgerichte Innsbruck, Zimmer Nr. 4, die Versteigerung  des am Rennweg nächst der Kettenbrücke aufgestellten Panoramagebäudes samt den Bildern Zeno Diemers „Die Schlacht am Berg Isel“ statt. Das ganze Objekt samt Bild und Grund ist auf 99.710 K geschätzt. Der Ausrufungspreis wurde mit 51.745 K. festgesetzt. Das Rundgemälde befindet sich derzeit noch in der Marineausstellung in Wien.

Innsbruck Saggen, Goethestraße. Die Karte wurde durch Verla M. Franzelin, Spezereihandlung in der Goethestraße 9, vertrieben.
Innsbruck Saggen, Goethestraße. Die Karte wurde durch Verla M. Franzelin, Spezereihandlung in der Goethestraße 9, vertrieben.

21. August 1918
Einbruch. In einer der letzten Nächte wurde in einem Hause in der Goethestraße von unbekannten Tätern ein Einbruch verübt und aus einer Küche verschiedene Lebensmittel gestohlen. Die im Zimmer nebenan schlafenden Leute hatten nichts bemerkt.

22. August 1918
Klagen. Gestern brachte man uns in die Schriftleitung eine Kostprobe von einem Mittagessen aus der Kriegsküche in der Schulstraße. Auch solch wohltätige und gemeinnützige Einrichtungen müssen eine herbe Kritik vertragen, wenn sich die unbedingte Notwendigkeit herausstellt, eine solche zu üben, aber dies eine muß schon gesagt werden, jene Frau, die uns die Kostprobe vorsetzte, hatte mit ihrer Aeußerung recht. Schade um das Zeug, das zur Bereitung dieses Mittagessens verwendet wurde. Diese Frau behauptet auch, es gebe dort öfter solch nachläßig gekochtes Essen, manchmal angebrannt, völlig ungenießbar; diesmal war es ganz sauer.

26. August 1918
In den Inn gesprungen ist gestern nachmittags aus bisher nicht bekannten Gründen ein 20jähriges Dienstmädchen. Beim Wasserstandshäuschen zog ein Soldat die junge Lebensmüde heraus. Die Rettungsabteilung hat sie alsbald über telephonische Meldung durch die Finanzwache abgeholt und in die Nervenklinik geschafft.

27. August 1918
Angeschossen. Gestern früh hat der Flurwächter bei den Schrebergärten in der Reichenau einen Kartoffeldieb angeschossen. Die in der rechten Schulter tiefsteckende Kugel verursachte großen Blutverlust und bedroht sehr das Leben des 27jährigen Mannes.

30. August 1918
Eine Hühnerkrankheit ist in Innsbruck ausgebrochen. Groß ist die Zahl ihrer Opfer, täglich verenden in den Züchtereien, die in den letzten zwei Jahren selbst von kleineren Haushalten eingerichtet wurden, Hühner in mehr oder weniger großen Zahl. Einem passionierten Züchter (einem städt. Beamten) sind allein über 30 Stück verendet. Man glaubt, die Krankheit sei damals eingeschleppt worden, als die Sendung Geflügel aus Rumänien nach Innsbruck gekommen ist.