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Teile der alten Innbrücke aus dem Mittelalter kamen beim Neubau des IKB-Sammelkanals zutage: Maria Bader (Archäologie-Firma Talpa), Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider und IKB-Vorstandsvorsitzender Harald Schneider (v.l.) informierten über die Entdeckung
Teile der alten Innbrücke aus dem Mittelalter kamen beim Neubau des IKB-Sammelkanals zutage: Maria Bader (Archäologie-Firma Talpa), Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider und IKB-Vorstandsvorsitzender Harald Schneider (v.l.) informierten über die Entdeckung

Unterirdische Überraschungen: Innsbrucks archäologische Schätze

Es gibt keine Fläche in Innsbruck, in der archäologisch oder historisch nichts zu finden ist. Dies wurde Mitte Februar wieder einmal deutlich: Beim Aushub der Baugrube für einen neuen Kanal (Leitungsverlegearbeiten) vor der Ottoburg stießen die IKB auf Teile der alten Innbrücke aus dem Spätmittelalter.

Das vor kurzem entdeckte südliche Widerlager einer Brücke ist laut IKB-Vorstandsvorsitzendem DI Harald Schneider das bislang älteste Relikt, welches das Unternehmen bei Bautätigkeiten jemals zutage gefördert hat. „Um diesen Schatz der Stadtgeschichte zu heben, musste die Baustelle vorübergehend still stehen“, erläutert er. Die Steine des Bauwerks wurden von den Archäologinnen der Firma Talpa in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt dokumentiert, durchnummeriert, abgebaut und eingelagert. Im Anschluss soll der historische Bau eine neue Heimat finden, die für alle zugänglich ist. „Besonders aussagekräftig sind auch die im Stadtgraben in großer Zahl entsorgten Objekte, die wertvolle Informationen über die früheren Lebensbedingungen der Innsbrucker Bürgerinnen und Bürger liefern“, verweist Mag. Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt auf die Bedeutung der Beifunde.

Knochen und Bäume erzählen Geschichten

Neben Keramiken, Ofenkacheln und dünnwandigem Glas wurde beispielsweise das Mundstück einer spätmittelalterlichen Flöte entdeckt. Bemerkenswert ist auch die große Menge an gefundenen Knochen, da im dortigen Bereich einst die städtische Schlachtbank war. Speziell diese Tierknochen werden im Zuge ihrer Analyse noch viel über das Leben um 1560 erzählen. Sie können Aufschluss darüber geben, was die InnsbruckerInnen damals aßen und ob domestizierte oder wilde Tiere auf dem Speiseplan standen. Außerdem kann der Zustand der Tiere rekonstruiert werden. Dies ist besonders interessant, da vor der Entdeckung Amerikas weder Mais noch Kartoffeln hierzulande angebaut wurden. Diese waren daher auch keine verfügbaren Nahrungsmittel. Gemeinsam mit dem Brückenwiderlager kamen auch verbaute Baumstämme ans Tageslicht. Mittels Dendrochronologie, der Wissenschaft vom Baumalter, werden diese nun auf ihr genaues Alter untersucht. Mit den Ergebnissen und durch den Vergleich mit Referenzbäumen können die ExpertInnen genaue Aussagen darüber treffen, in welchem Jahr die untersuchten Bäume in welcher Region gewachsen sind. 

Der Bau der Kanalisation am Innrain im Bereich der Innbrücke wurde 1904/06 durchgeführt.
Der Bau der Kanalisation am Innrain im Bereich der Innbrücke wurde 1904/06 durchgeführt.

Der Reiz der Unwissenheit

„Potenzielle Funde gibt es im gesamten Stadtgebiet. Das Spannende ist allerdings, dass man nie weiß, was man findet“, fasst der Leiter des Stadtarchiv/Stadtmuseum DDr. Lukas Morscher den Reiz der Archäologie zusammen: „Vor 15 Jahren wurde bei der Verlegung von Stromleitungen in Mühlau unter einer Wärmeisolation beispielswiese ein Wappenstein aus dem 17./18. Jahrhundert gefunden. Mit dieser Entdeckung rechnete niemand. “
In Bezug auf das Stadtgebiet gibt es einen sogenannten Funderwartungskataster. Dieser markiert jene Bereiche, in denen die Wahrscheinlichkeit relativ groß ist, im Zuge von Baustellen auf historische Relikte zu stoßen. In Innsbruck trifft dies besonders auf den Stadtteil Wilten zu, der im Bereich der ehemaligen römischen Siedlung Veldidena entstand. Vor der Errichtung der IVB-Hallen entdeckte man dort in den 1980er Jahren etwa Teile des Kastell Veldidena. „Die Bauarbeiten, die mit der Errichtung des Brennerbasistunnels bald im Süden Innsbrucks anstehen, könnten also spannend werden“, wirft Stadtarchivar Morscher einen Blick in die Zukunft. Doch auch in der Alt- und Innenstadt sowie am Bergisel, in Hötting und in vielen anderen Stadtteilen ist die Chance hoch, dass Fundstücke auftauchen. Erst 2004 wurde am Kalvarienberg in Arzl eine römische Villa freigelegt. Doch nicht nur alte Funde sind besonders spannend, auch Entdeckungen aus dem 19. Jahrhundert sind entdeckens- und erforschenswert. Generell sei es wichtig, die wenigen Funde, die man heutzutage noch mache, aufzubewahren, ist der Leiter des Stadtarchivs überzeugt.

„Es ist faszinierend zu sehen, wie bei Baustellen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinandertreffen. Mit dem Ziel, Gegenwart und Zukunft lebenswert zu machen, kommen manchmal Erinnerungen der Geschichte zutage, die Einblicke in die Vergangenheit geben. Ich danke allen, die sich für die Bewahrung dieser Schätze einsetzen.“

Vizebürgermeisterin Mag.a Sonja Pitscheider

Vizebürgermeisterin Mag.a Sonja Pitscheider

Entdeckungen der etwas anderen Art

Speziell in der Nähe von Bahnverbindungen und in unverbauten Gegenden kann nie ausgeschlossen werden, dass BauarbeiterInnen auf Kriegsdelikte stoßen. Die tiefste in Innsbruck gefundene Bombe wurde beispielsweise sechs Meter unter der Erde entdeckt. „Kriegsrelikte werden laufend ausgegraben. Meist sind es allerdings Munitionsfunde, von denen keine Gefahr ausgeht“, führt Lukas Morscher näher aus: „Evakuierungen aufgrund von Bombenfunden sind in der Tiroler Landeshauptstadt selten.“ (AA)